Bad Aibling/Rosenheim – Eman E. verschwand am 11. November 2024. Sie wurde als vermisst gemeldet, nachdem sie ihre Wohnung in Bad Aibling verlassen hatte und nicht mehr zurückgekehrt war. 216 Tage später führte der Zufall zu ihrer Leiche. Ein Spaziergänger alarmierte am 15. Juni die Polizei, weil er am Rand eines Fahrwegs im Thanner Wald ein Kinderrad und einen Helm entdeckt hatte.
Der Mann machte sich Sorgen, dass da ein Kind in Schwierigkeiten geraten sein könnte. Die Polizisten suchten also nach dem Kind – erfolglos. Stattdessen stießen sie auf die sterblichen Überreste von Eman E., nur wenige Meter vom Fundort des Rads entfernt.
Als dringend tatverdächtig, die 34-jährige Ägypterin umgebracht zu haben, wurde am 17. Juni ihr Mann, ebenfalls aus Ägypten, festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Am dringenden Tatverdacht habe sich auch durch die wochenlangen intensiven Ermittlungen der Ermittlungsgruppe „Pyramide“ nichts geändert, sagte Daniel Katz, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Über mögliche Motive: Schweigen. Die Polizei ermittelt weiter. Und befragt dazu nun auch Menschen, die in der Nähe des Fundorts der Leiche wohnen. Im Zuge einer Anwohnerbefragung in Ellmoosen, Thann, Thalacker, Jarezöd und Moos will die Polizei in den nächsten Tagen Informationen sammeln. Und herausfinden, ob jemand – womöglich unbewusst – Beobachtungen gemacht hat, die zur Klärung der Gewalttat führen können. Beteiligt sind Beamte der Zentralen Einsatzdienste Bad Aibling im Auftrag der Kripo Rosenheim. Ziel sei die „Erlangung von Hinweisen zu möglichen verdächtigen Wahrnehmungen in der Nähe des Leichenfundorts“. Noch immer ist nichts darüber bekannt, welche Rolle das geheimnisvolle Kinderfahrrad spielt, das die Ermittler zu Eman E. führte.
Ein Kopftuch, das bei der Leiche gefunden wurde, gab erste Anhaltspunkte, um wen es sich bei der Toten handeln könne: Die Polizei hatte mit einem Foto nach Eman E. gefahndet, das sie mit einem khakifarbenen Kopftuch zeigte. Die Untersuchungen am gerichtsmedizinischen Institut in München brachten dann Gewissheit: Es handelte sich um die monatelang vermisste Frau aus Bad Aibling. Sie war einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.
Ihr Mann bleibt im Fokus der Ermittler. Zweimal kämmten Hundertschaften der Polizei das Gelände um den Fundort der Leiche herum ab. Es seien Gegenstände gefunden worden. Ob sie etwas mit der Tat zu tun haben und was, sagt die Polizei mit Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht. Je mehr die Polizei in der Hinterhand behalten kann, desto größer ist die Möglichkeit, dass der Verdächtige auch Täterwissen offenbaren kann. Ein schlagender Beweis wäre das. „Gehen Sie davon aus, dass der Mann weiterhin dringend tatverdächtig ist“, sagte Daniel Katz dem OVB. Eine Untersuchungshaft verhänge und verlängere man schließlich nicht ohne Weiteres.
Die Polizei geht weiterhin davon aus, dass keine direkte Verbindung zwischen Rad und Tat besteht. Dennoch sind die Ermittler daran interessiert, zu erfahren, wem das Rad gehört, beziehungsweise wer es dort abgestellt habe. „Auch diese Person kann Beobachtungen gemacht haben“, sagt Daniel Katz. Mit Plakaten, auf denen das Rad und der Helm abgebildet sind, sucht die Polizei nun Zeugen, die aussagen können, wer das Rad zuletzt gefahren hat oder wem es gehört. Die Polizei bittet auch weiterhin die Bevölkerung um Hinweise: Es handelt sich um ein KTM-Mountainbike in gutem Zustand, in den Farben Silber und Blau, mit orangener Aufschrift des Herstellers. Wer sachdienliche Hinweise hat, solle sich bei der Polizei in Bad Aibling unter Telefon 08061/90730 melden. Michael Weiser