Unterwössen – Brigitte Meier aus Oberwössen führt seit Mitte Juni die Geschäfte des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO). Der Verein wurde 1947 gegründet und zählt knapp 2000 Mitglieder. Er erstreckt sich über 14 Bezirksalmbauernschaften in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein, Rosenheim, Bad Tölz-Wolfratshausen bis Garmisch-Partenkirchen. Unsere Zeitung sprach mit der neuen Geschäftsführerin am Sonntagmittag am Messner Kaser der Jochbergalmen, als sie von einer Wanderung über Jochberg und Kleinrechenberg zurück nach Oberwössen kam.
Im Sonnenschein nahm sich die neue Geschäftsführerin Zeit für ein ausführliches Gespräch über ihren Werdegang und die Herausforderungen, denen sich der Verein und die Almwirtschaft in Oberbayern stellen müssen.
Der Landwirtschaft
äußerst verbunden
Meier beschreibt den Verein als Vertreter der Almbauern sowie der Sennerinnen und Senner auf den Almen zwischen Berchtesgaden und Garmisch. „Mitglied im Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern kann ein jeder werden, der sich der Almwirtschaft verbunden fühlt“, sagt sie.
Meier erläutert die traditionellen Aufgaben des AVO: Er unterstützt die Almbauern bei der Suche nach Personal für ihre Almen und vermittelt Pensionsvieh anderer Landwirte, das die Almbauern zusätzlich zu den eigenen Tieren auf die Alm treiben. Der Verein berät in allen Fragen der Almwirtschaft und vertritt die Interessen der Almbauern gegenüber Politik und Behörden. Er organisiert Almbauerntage, Lehrgänge, Fachvorträge und Almwanderungen und ehrt langjähriges Almpersonal.
Im vergangenen Jahr gab es in Oberbayern 709 Almen mit einer Gesamtfläche von 17207 Hektar. 21539 Rinder verbrachten den Sommer auf den Almen, darunter 6975 Stück Pensionsvieh.
Seit Mitte Juni steht Meier an der Spitze der Geschäftsstelle in Holzkirchen. „Wenn sich im Leben solch eine Gelegenheit bietet, dann muss man einfach zugreifen“, erklärt sie ihre Bewerbung. Nach einem intensiven Auswahlverfahren wurde sie zur Geschäftsführerin berufen. Aus den 17 Bewerbern kamen fünf oder sechs in die engere Wahl. Die Vorstandschaft entschied sich für Meier, und das Gremium der Bezirksalmbauern bestätigte die Entscheidung.
Ausschlaggebend waren Meiers berufliche Erfahrungen: 15 Sommer verbrachte sie als junge Sennerin in den Chiemgauer, Berchtesgadener und Salzburger Bergen. Ein Buch über das Almleben hatte ihre Neugier geweckt, und ein Schicksalsschlag veränderte ihr Leben. So kam sie völlig unerfahren zu Irmi Schweinöster auf die Alm in Oberwössen. Schritt für Schritt vermittelte diese ihr Wissen an das junge Mädchen. Meier lernte die täglichen Arbeiten, den Umgang mit dem Vieh, das Melken und das Käsen. „Diese besondere und lehrreiche Zeit hat mir nicht nur ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen der Alm- und Landwirtschaft vermittelt, sondern auch meine große Leidenschaft für die Almwirtschaft, die Tiere und die Natur entfacht“, sagt Brigitte Meier im Rückblick.
Bestens vertraut mit
Recht und Ordnung
Zuletzt arbeitete die gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte mit land- und hauswirtschaftlicher Ausbildung im zweiten Bildungsweg (SoLa) in der Verwaltung des Rinderzuchtverbandes Traunstein. So sammelte sie umfangreiche Erfahrungen in der Verbandsarbeit. Zusätzlich ist Brigitte Meier als Vertreterin der Marketenderinnen Mitglied in der Vorstandschaft des Bataillons der Gebirgsschützen Inn/Chiemgau. „Was ich so Unterschiedliches gelernt und gearbeitet habe, ergibt jetzt in dieser Position alles einen Sinn“, sagt sie in unserem Gespräch. „Ich weiß, wie eine Geschäftsstelle funktioniert, und der Kontakt mit den Landwirten und Almbauern sowie die Betreuung von Almen und auch das Fördergeschehen sind mir vertraut.“ Meier weiter: „Welch großes Glück, dass die Vorstandschaft des Almwirtschaftlichen Vereins dies ebenso sah und mir trotz zahlreicher anderer Bewerbungen ihr Vertrauen geschenkt hat.“
Der Arbeitsvertrag sieht eine 30-Stunden-Woche vor. Meier arbeitet in der Geschäftsstelle in Holzkirchen, besucht Almen und Almbauern, nimmt an Begehungen teil – auch im benachbarten Österreich – und erledigt Arbeiten im Homeoffice. „Auf mein neues Amt freue ich mich sehr und bin gespannt, was mich alles erwartet.“ Nach einem Monat im Amt nennt sie klare Schwerpunkte: „Ich will helfen, die Almwirtschaft zu erhalten und vor allem die kleinen Betriebe unterstützen.“ Sie beobachtet, dass über die Jahre immer weniger Vieh auf die Almen getrieben wird. „Ich möchte dazu beitragen, diesen Trend umzukehren.“ Zusätzlich sieht sie die Almbauernschaft vor bekannten Herausforderungen: Klimawandel, Tourismus, Wasserversorgung auf den Almen und die Bedrohung durch Raubtiere wie den Wolf.
Hauptalmbegehung
direkt als Feuerprobe
Ihre erste große Erfahrung war die diesjährige Hauptalmbegehung im benachbarten Ruhpolding. „Glücklicherweise ist die schon zum Großteil vorbereitet.“ Im Hintergrund arbeiten etliche Menschen aus verschiedenen Gremien zusammen, um den Termin mit zahlreicher Politikprominenz vorzubereiten. „Der Monat war spannend und aufregend und stand ganz im Zeichen der Hauptalmbegehungen“, berichtet Meier. Der Verein ist neben den Bezirksalmbauern einer der Hauptorganisatoren dieser Veranstaltung mit knapp 800 Teilnehmern. „Und nach der Hauptalmbegehung ist vor der Hauptalmbegehung“, lacht sie.
„In diesen Tagen beginnen die Vorbereitungsarbeiten für 2026.“ „Ich hoffe und wünsche mir, dass ich seitens der Vereinsmitglieder, der Bezirksalmbauern und nicht zuletzt seitens der Vorstandschaft und der staatlichen Almfachberatung Unterstützung bei der Einarbeitung bekomme. Auf die Tätigkeit freue ich mich sehr und bin gespannt, was mich alles erwartet.“
Und an unsere Leser gewandt: „Wer sich der Almwirtschaft verbunden fühlt, sollte Mitglied im AVO werden.“ Der Jahresbeitrag beträgt 27 Euro für Einzelpersonen und Senner, Almbauern zahlen etwas mehr. „Das ist nicht viel, berücksichtigt man, dass darin auch der Bezug von elf Ausgaben der Zeitschrift ‚Der Almbauer‘ enthalten ist.“