Brenner-Nordzulauf: Entscheidung fällt im neuen Jahr

von Redaktion

Der Bundestag soll 2026 über den Brenner-Nordzulauf entscheiden. Geklärt werden muss, ob ein Neubau mit zwei Gleisen kommt und ob die Wünsche der Region berücksichtigt werden. Angesichts knapper Kassen und politischer Wechsel stehen die Chancen für das Milliarden-Projekt derzeit noch offen.

Rosenheim – Vor 13 Jahren einigten sich Österreich und Deutschland im „Vertrag von Rosenheim“ auf Grundlagen für den Brenner-Nordzulauf. Seitdem ist einiges passiert. Die Arbeiten am Brenner-Basistunnel, die bereits 2007 begonnen hatten, nähern sich langsam, aber sicher dem Punkt, von dem aus man die Zielgerade sehen kann.

Heuer, im Spätsommer 2025, durchbrachen die Tunnelbauer tief unter der Brenner-Passhöhe die letzten Meter zwischen Österreich und Italien. Zwar vorerst nur im Wartungstunnel, also einer von insgesamt drei Röhren. Aber immerhin: Durchbruch ist Durchbruch. 2032, vielleicht auch 2033 oder vielleicht auch erst 2034, soll der Tunnel in Betrieb gehen.

Aber es handelt sich definitiv um keine Ewigkeit mehr. In den Jahren darauf soll mehr und mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden. Was zusätzliche Kapazitäten nötig macht. Die Nachbarn werkeln daran: In Italien sind die Arbeiten für den Südzulauf im Gange. Österreich hat seinen Abschnitt des Nordzulaufs sogar schon zu drei Vierteln fertig. Und Deutschland? Lässt sich noch Zeit. 2025 hätte eigentlich das Jahr sein sollen, in dem der Bundestag über das Projekt abstimmt. Also über die Frage, ob es überhaupt zwei neue Gleise braucht. Oder ob man mit einer Ertüchtigung der bestehenden Eisenbahnstrecke durchs Inntal den Zuwachs an Güterverkehr meistern kann. Es kam dann anders. Die Ampelregierung zerbrach, es gab Neuwahlen, Friedrich Merz wurde beinahe doch nicht zum Kanzler gewählt, und überhaupt: Es rumpelte 2025. In Deutschland, in der Welt überhaupt. Kurz: Es gab keine Abstimmung. Noch nicht.

Dicht dran an der Sache ist Daniela Ludwig, CSU-Bundestagsabgeordnete aus Rosenheim und Staatssekretärin im Innenministerium. Staatssekretär wurde nach den Neuwahlen auch Ulrich Lange, mit dem sich Daniela Ludwig gut versteht. Zusammen mit Lange hatte Daniela Ludwig schon vor dem Ampel-Aus Initiativen für Nachbesserungen beim Brenner-Nordzulauf auf den Weg gebracht.

Da traf es sich günstig, dass Ulrich Lange nach den Wahlen sein Amt im Haus von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder antrat. Daniela Ludwigs Kontakte sind also gut. Und aus ihrem Büro erfährt man: Im Jahr 2026 wird sicher abgestimmt. Zumindest, wenn es nach dem Verkehrsministerium geht.

Wie wird die Entscheidung ausfallen? Vor 14 Monaten (am 16. Oktober 2024), als der Verkehrsausschuss des Parlaments Experten zum Transitverkehr anhörte, schien die Tendenz klar: Der Brenner-Nordzulauf kommt. Und zwar in Form einer Neubaustrecke. Bedenken äußerte eigentlich nur noch die Linke. Die hat zwar nun gehörig mehr Sitze im Parlament als im Oktober 2024. Eine Mehrheit der Abgeordneten dürfte aber noch immer einen Neubau vorziehen.

Es sei denn, das Geld geht aus. Von sieben Milliarden war irgendwann mal die Rede, zu einem Zeitpunkt, da die Planer der Bahn immer noch sagten, dass man die Vorplanung erst abschließen müsse, bevor man ein Preisschild dranhängen könne. Mittlerweile hört man von neun, zehn oder gar 15 Milliarden Euro, je nachdem, welche Variante man sich ansieht: Für weniger Geld wäre die Planung der Bahn umzusetzen. Mehr Geld würden die Verbesserungswünsche aus der Region kosten. Allein eine Untertunnelung des Inns im Norden, also zwischen Rosenheim und Stephanskirchen, würde bis zu drei Milliarden Euro mehr kosten. Sagt die Bahn.

So oder so wird das Projekt teuer. Zwar gibt es Sondervermögen, sprich: Schulden, die der Bund aufnimmt. Es sind gigantische Summen. Allerdings für zwölf Jahre. Und womöglich schon verplant. Da wären Hunderte, wenn nicht Tausende von Brücken zu sanieren. Da wären die Groß-Sanierungsfälle Bahn und Bundeswehr. Das alles in Zeiten einer lahmenden Wirtschaft. Wie wird der Bundestag unter verschärften Rahmenbedingungen entscheiden? Man wird es erst nach der Abstimmung sehen. Wenn sie denn kommt.

Die Österreicher haben jedenfalls für ihren letzten Nordzulauf-Abschnitt – das Stück vor der Grenze zu Bayern – bereits eine verspätete Fertigstellung verkündet. Möglicherweise, weil sie erst abwarten wollen, was die Nachbarn denn auf ihrer Seite so bauen. Wenn sie denn bauen. Es eilt ohnehin nicht. Selbst wenn Deutschland die Planungen ab 2026 forciert, würde der Brenner-Nordzulauf in Bayern erst nach 2040 fertig werden.

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