Bluttat von Bad Aibling wirft nach Leichenfund Rätsel auf

von Redaktion

Ehemann von Eman E. unter Verdacht – Spaziergänger entdeckt tote 39-Jährige in der Nähe eines Kinderfahrrads

Bad Aibling/Rosenheim – Trauer und Bestürzung in Bad Aibling und der Region Rosenheim: Am 15. Juni 2025 wurde im Thanner Holz eine Leiche entdeckt. Es handelte sich, wie die Gerichtsmedizin schnell bestätigte, um Eman E., 34 Jahre alt, ägyptische Staatsbürgerin und Mutter von drei Kindern. Seit Monaten war sie vermisst worden. Nun die traurige Gewissheit: Eman E. war einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Jetzt scheinen die Ermittler erneut einen Schritt weitergekommen zu sein.

Als dringend tatverdächtig war der Ehemann festgenommen worden. Er sitzt nun, nach über sechs Monaten, immer noch in Untersuchungshaft.

Noch arbeiten Beamte einer Ermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd an der Aufklärung des Falls. Wo genau steht die Polizei mit ihren Nachforschungen? „Mit deren Abschluss ist zeitnah im neuen Jahr zu rechnen“, teilt Stefan Sonntag als Sprecher des Polizeipräsidiums mit.

Eman E. war am Abend des 11. November 2024 als vermisst gemeldet worden. Die 34-Jährige habe am Morgen die Wohnung verlassen und sei nicht mehr zurückgekommen. Seitdem wurde sie gesucht: in Krankenhäusern, in ihrem Umfeld, bei Verwandten und Freunden. Die Polizei weitete die Fahndung aus, suchte mit Hilfe eines Fotos um Unterstützung aus der Bevölkerung. Ohne Erfolg. Bis ein Zufall die Beamten zu dem Ort führte, an dem der mutmaßliche Täter die Leiche der Frau abgelegt hatte.

Einem Spaziergänger im Thanner Holz war ein herrenloses Kinderfahrrad aufgefallen, in dessen Nähe ein Radhelm lag. Aus Sorge, dass da ein Kind in Not geraten sein könnte, alarmierte der Spaziergänger die Polizei. Die stieß bei der Suche im Wald zwar nicht auf ein hilfloses Kind. Doch dann schlug der Personenspürhund an.

Der Hund hatte die sterblichen Überreste eines Menschen gewittert. „Ein Leichnam, der ohne technischen Aufwand geborgen werden konnte“, erklärte Sonntag kurz danach. Die an der Suche Beteiligten waren sich bald sicher, dass sie die seit Monaten vermisste Frau entdeckt hatten: Bei der Leiche war das kakifarbene Kopftuch, das Eman E. auch auf dem Fahndungsfoto trug. Seitdem versucht die Frau, die Hintergründe der Tat zu erhellen. Was schwierig genug ist, wie man schließen kann oder vielmehr muss: Die Polizei gibt so gut wie keine Informationen preis. Wohl auch aus dem Bestreben heraus, die Beweiskraft von Täterwissen nicht durch Medienberichte zu verderben – immer wieder verweisen die Sprecher des Präsidiums auf „ermittlungstaktische Gründe“.

Zum Ehemann ist daher nur wenig bekannt: Wie seine Ehefrau auch stammt er aus Ägypten. Er arbeitete in einem Klinikum in Bad Aibling. Er gilt weiterhin als mutmaßlicher Täter, das Oberlandesgericht in München als zuständige Instanz scheint bei der Prüfung der Haft nach einem halben Jahr keine Gründe gefunden zu haben, die gegen eine weitere U-Haft des Mannes sprechen. Ob die Polizei von einem Mord oder einem Totschlag ausgeht, ist noch nicht bekannt, auch nicht, welche Motive die Ermittler vermuten.

Ein Rätsel wird sich womöglich nie mehr lösen lassen: Wem gehört das Kinderrad im Thanner Holz, warum wurde es zurückgelassen? Trotz Befragungen von Anwohnern tappt die Polizei da im Dunkeln. „Der letzte Besitzer des Kinderrades konnte bislang nicht ermittelt werden“, sagt Stefan Sonntag. Kathrin Gerlach

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