Rosenheim/Landkreis – Das 11,3 Kilometer lange Straßenprojekt mit insgesamt 20 Brücken gilt als „Jahrhundertprojekt“ und soll die Innenstädte von Rosenheim, Kolbermoor und Großkarolinenfeld spürbar vom Durchgangsverkehr entlasten sowie den Norden des Landkreises besser an die Autobahnen A8 und A93 anbinden.
Fast 270 Millionen
Euro Kosten
Der Weg bis zur Fertigstellung war lang – und teuer. Ursprünglich mit Kosten von 61,3 Millionen Euro kalkuliert, beliefen sich die Ausgaben am Ende auf rund 269,5 Millionen Euro. Hauptursache dafür war der schwierige Untergrund aus Seeton, der aufwendige und innovative technische Lösungen erforderlich machte. Entwickelt wurde dafür unter anderem die sogenannte „Rosenheimer Mischgründung“. Als besondere Herausforderungen galten der Bau der rund 670 Meter langen Aicherparkbrücke sowie die Eisenbahnüberführung am Wernhardsberg.
Politisch begleitet wurde das Projekt über Jahre hinweg auf Bundes- und Landesebene. Eine zentrale Rolle spielte die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, die die Westtangente 2012 gemeinsam mit dem damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer auf den Weg brachte und sich für deren Finanzierung im Rahmen der sogenannten „Ramsauer-Milliarde“ stark machte. Auch Ministerpräsident Markus Söder zählte zu den prägenden politischen Unterstützern.
Daniela Ludwig konnte allerdings an der Eröffnungsfeier nicht teilnehmen, da sie zeitgleich bei einer namentlichen Abstimmung im Bundestag gebunden war. Die ersten Wochen nach der Verkehrsfreigabe liefern nun eine vorläufige Bilanz – und die fällt überwiegend positiv aus.
Nach Angaben des Staatlichen Bauamts Rosenheim sind auf den parallel verlaufenden innerstädtischen Straßen täglich rund 10.000 Fahrzeuge weniger unterwegs. Auch aus Kolbermoor wird von einer deutlichen Entlastung der Innenstadt berichtet. Für viele Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet das weniger Lärm, weniger Abgase und flüssigeren Verkehr.
Gleichzeitig zeigen sich aber auch die typischen Anlaufschwierigkeiten eines neuen Großprojekts. In Westerndorf St. Peter kam es auf der Schlößlstraße (RO 19) insbesondere im Berufsverkehr zu Staus. Als mögliche Maßnahme wird derzeit der Einsatz einer Pförtnerampel geprüft. Zudem musste an einer Auffahrt zwischen Großkarolinenfeld und Westerndorf St. Peter die Vorfahrtsregelung geändert werden, nachdem es dort zu gefährlichen Situationen und einem Unfall mit schwer verletzten Radfahrern gekommen war.
Strahlkraft für
die Region
Über die Region hinaus hat die Westtangente auch eine Signalwirkung für andere Verkehrsprojekte. Bei der Eröffnung verwies Landrat Otto Lederer auf die Erfahrungen mit dem schwierigen Untergrund und regte an, diese in die Planungen für den Brenner-Nordzulauf einfließen zu lassen. Angesichts der geologischen Bedingungen könne es sinnvoll sein, dort verstärkt „Tunnellösungen ins Visier zu nehmen“.
Trotz aller Herausforderungen markiert die Westtangente einen verkehrspolitischen Meilenstein für den Raum Rosenheim – mit spürbaren Entlastungen im Alltag und wichtigen Erkenntnissen für künftige Großprojekte.