Rosenheim/Landkreis ¨– In Rosenheim ist im Herbst 2025 ein umfangreicher Ermittlungs- und Polizeieinsatz gegen mutmaßlichen Menschenhandel und Zwangsarbeit bekannt geworden. Bereits im September rückten Zoll, Polizei und Spezialeinheiten zu einem Großeinsatz im Stadtgebiet aus. Dabei wurden mehrere Wohn- und Geschäftsobjekte durchsucht. Hintergrund waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Traunstein und des Hauptzollamts Rosenheim gegen mehrere Beschuldigte wegen des Verdachts, Arbeitskräfte systematisch ausgebeutet zu haben.
Die Durchsuchungen dienten vor allem der Sicherung von Beweismitteln und der Klärung von Strukturen, in denen mutmaßlich Menschen unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt worden sein sollen. Schon damals machten die Ermittler deutlich, dass es sich um ein komplexes Verfahren handelt, dessen Aufarbeitung Zeit in Anspruch nehmen werde.
Im Oktober folgte dann eine entscheidende Wendung: Die Ermittlungsbehörden gaben bekannt, dass sich gegen zwei Männer im Alter von 62 und 66 Jahren ein dringender Tatverdacht wegen Menschenhandels und Zwangsarbeit erhärtet habe. Gegen beide wurden Haftbefehle erlassen. Bei den Durchsuchungen stellten die Einsatzkräfte zahlreiche Unterlagen und Datenträger sicher. Der bislang geschätzte wirtschaftliche Schaden liegt nach Angaben der Ermittler bei mindestens 700.000 Euro. Die Ermittlungen dauern weiter an und werden voraussichtlich noch mehrere Monate beanspruchen.
Dass es sich bei dem Rosenheimer Verfahren nicht um einen Einzelfall handelt, zeigte eine weitere Großrazzia im November 2025, an der ebenfalls das Hauptzollamt Rosenheim beteiligt war. In mehreren Bundesländern, darunter auch Bayern, wurden mehr als 90 Objekte durchsucht. Im Mittelpunkt standen 14 Firmen mit Sitz in München und dem Umland. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen, zudem sicherten die Behörden Vermögenswerte in Millionenhöhe.
Bei dieser Aktion stießen die Einsatzkräfte auf teils erschütternde Zustände: Arbeiter lebten demnach in Unterkünften ohne fließendes Wasser und funktionierende sanitäre Anlagen, zahlten überhöhte Mieten und erhielten Löhne deutlich unter dem gesetzlichen Mindestmaß. Der Schaden für die öffentliche Hand und die Sozialversicherungsträger wird auf über sieben Millionen Euro geschätzt.
Die Ermittlungen unterstreichen nach Einschätzung der Behörden die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von Zoll, Polizei und Staatsanwaltschaft. Ziel sei es, kriminelle Netzwerke konsequent zu zerschlagen und Betroffene aus ausbeuterischen Abhängigkeiten zu befreien.