Altötting/Landkreis – Die PFOA-Belastung von Boden und Trinkwasser ist seit Jahren ein Umweltproblem im Landkreis Altötting. Der gesundheitsschädliche Stoff ist wie etwa 10.000 weitere Chemikalien aus der PFAS-Gruppe extrem langlebig und kaum zerstörbar. Ein Start-up aus Oberhaching bei München hat nun eine Technologie entwickelt, die PFAS nicht nur aus Sickerwasser entfernen, sondern auch nahezu vollständig zerstören kann. Angesichts der weltweit zunehmenden Belastung mit der Chemikalie und des zunehmenden Bedarfs an Lösungen im Landkreis: Könnte dies ein Baustein für die Zukunft sein?
Bislang setzte man nahezu ausschließlich auf die Filterung des Sickerwassers mit Aktivkohle- oder Ionenaustauschfiltern. Diese gelten als bewährt, lösen das Grundproblem aber nicht. Donald Dibra, Mitgründer und Geschäftsführer von PFASuiki, bringt es auf den Punkt: „Aktivkohle oder Ionenaustauschharze holen PFAS aus dem Wasser, aber danach sind die Chemikalien in konzentrierter Form da.“ Genau das wird dann zum nächsten Risiko: Die belasteten Filter müssen entsorgt oder verbrannt werden – oft unter hohen Sicherheitsauflagen.
PFASuiki will dieses System nun grundlegend ändern. Die Technologie basiert auf elektrochemischer Oxidation. „Wir haben ein neues Elektrodenmaterial entwickelt, das die PFAS-Moleküle anzieht“, erklärt Dibra. Anschließend werden die Stoffe an der Elektrode gezielt zerstört – der entscheidende Unterschied zu bisherigen Verfahren. Am Ende bleiben nach Angaben des Unternehmens nur noch Grundbestandteile wie Kohlenstoff und Fluorid zurück.
Doch das Verfahren ist energieintensiv. „Der Energiebedarf liegt, je nach Zusammensetzung des Abwassers, bei etwa 15 bis 30 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser“, erklärt Dibra. Entscheidend sei die Zusammensetzung des Wassers. „Je höher die allgemeine Verschmutzung, desto mehr Energie benötigt man.“ Im Labor zeigten sich jedoch hohe Zerstörungsraten. „Wir nehmen nach 30, 60 und 90 Minuten Proben, um zu sehen, mit welcher Energie und Zeit über 95 Prozent zerstört sind.“
Der nächste Schritt ist eine Pilotanlage bei einer italienischen Mülldeponie, die Anfang 2026 starten soll. Dort werde laut Dibra PFAS-haltiges Wasser bislang gefiltert und zur Verbrennung transportiert. „Der Transport ist gefährlich, deshalb wollen sie das Wasser vor Ort behandeln“, so der PFASuiki-Mitgründer. Zu Beginn soll die Anlage bewusst klein gehalten werden und 300 bis 500 Liter Sickerwasser pro Stunde reinigen.
Ziel sei es aber, das System weiter zu optimieren und modular aufzubauen. Denn langfristig soll die Technik flexibel einsetzbar sein – von Deponien über Kläranlagen bis hin zu industriellen Anwendungen. Auch Gespräche mit deutschen Deponien laufen bereits. Laut Dibra sind bereits weitere Machbarkeitsstudien in Vorbereitung.
Verfahren nicht geeignet zur Trinkwasserreinigung.
Stellt das Verfahren auch für die Reinigung von Trinkwasser eine Lösung dar? Seit 2009 verwendet der Wasserzweckverband Inn-Salzach eine Aktivkohlefilteranlage, um PFAS aus dem Wasser zu entfernen – was aufwendig und teuer ist. Laut dem Vorsitzenden Alexander Huber muss die Aktivkohle aktuell zwei- bis dreimal pro Jahr gewechselt werden, was Kosten in Höhe von 90.000 Euro verursacht – Tendenz steigend.
Donald Dibra kann jedoch keine Hoffnung auf eine Reinigung durch PFASuiki-Technologie machen. Zum einen sei die Konzentration von PFAS im Trinkwasser zu gering, zum anderen der Energiebedarf für die Reinigung zu hoch.
Deponiesickerwasser ist eine kritische Quelle für den Eintrag von PFAS in die Umwelt. Vor diesem Hintergrund hat sich PFASuiki das Ziel gesetzt, diese Schadstoffe direkt an ihrer Quelle zu eliminieren.