Altötting/Burgkirchen – Rund um den Chemiepark Gendorf breitet sich seit Jahren eine massive Belastung mit toxischen Chemikalien aus. Allein bei Alzfischen wurde laut den Grünen deutschlandweit der mit Abstand höchste bekannte TPT-Wert nachgewiesen. Laut Landratsamt wurde das Toxin bereits seit 2002 in der Alz nachgewiesen. Grund dafür seien Altablagerungen auf dem Deponiegelände des Chemieparks, die nie abgedeckt worden seien und großes Schadstoffpotenzial besitzen. Aus ihnen sickere immer noch TPT und PFAS ins Grundwasser – auch das Erdreich sei zum Teil massiv belastet.
Das Problem der organischen Zinnverbindungen (OZV) wie TPT, Octylzinn oder Methylzinn ist gravierend. TPT gilt als hochgiftiger, hormonell wirkender Schadstoff und reichert sich in der Nahrungskette um das Tausendfache an. Im Fall der Alz lagen früher gemessene TPT-Werte in Fischen im internationalen und nationalen Vergleich sehr hoch. Selbst heute gelten die Fische wegen der Belastung als nicht verzehrfähig. OZV sind langlebig, binden sich an Sedimente und können über Jahrzehnte in Gewässer gelangen – selbst wenn die Produktion längst beendet ist. Auch PFAS (inklusive PFOA), oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, bleiben extrem stabil, verteilen sich in Luft, Boden und Wasser und werden kaum abgebaut. Die Ursachen liegen laut Andreas Hüttl, Abteilungsleiter für Bodenschutz am Landratsamt Altötting, in einem lange bekannten, aber über Jahre hinweg unzureichend behandelten Problemkomplex im Chemiepark. Mehrere Deponiekörper, teils aus den 1960er- und 1970er-Jahren, wurden nie vollständig gesichert. Besonders die Altfläche „A alt“ wurde laut Behörde weder nach oben noch nach unten abgedichtet. Dadurch können Schadstoffe ungehindert in das Grundwasser ausströmen. Hüttl betonte, dass das emissionsstarke Areal bis heute ein „großes Schadstoffpotenzial“ birgt. Hinzu kommen sogenannte „Zwickel“-Altablagerungen zwischen den offiziellen Deponiebereichen A, B und C. Untersuchungsergebnisse aus Immissionspumpversuchen in diesen Bereichen werden aktuell vom Wasserwirtschaftsamt geprüft und bewertet.
Hüttl gab an, dass TPT sich auf der ganzen Fläche des Bodens im Chemiepark Gendorf finde. Weil eine bauliche Erweiterung ansteht, soll es hierzu jedoch eine Untersuchung für den kompletten Industriepark geben. Auch die PFOA-Belastung des Bodens soll dabei festgestellt werden. Dr. Robert Müller, Abteilungsleiter am Landratsamt, betonte jedoch, dass auch weitere organische Zinnverbindungen ein Problem darstellen. „Es ist wie Stochern im Nebel“, so Dr. Müller. Da man über Altlasten spreche, komme es immer wieder zu punktueller Mobilisierung – also stellenweise Austragungen.
Der Umweltbericht des Chemieparks 2025 zeigt zusätzlich, wie komplex und zugleich träge die Schadstoffbehandlung vor Ort verläuft. TPT wurde bereits 2002 nicht mehr produziert, dennoch gelangen laut Bericht weiterhin Rückstände aus Altlasten ins Abwasser. Für Organische Zinnverbindungen* wie Octylzinn und Methylzinn wurden erste Vorbehandlungsanlagen installiert, obwohl diese Stoffe seit Langem bekannt seien. Bei PFAS wird im Bericht eingeräumt, dass mehrere Vorbehandlungsanlagen „nach und nach die Betriebsversuchsphase verlassen“, also erst seit Kurzem funktionieren. Die Einleitungsgenehmigung des Chemieparks läuft indes bis 2044 weiter, obwohl die vollständige Behandlung aller Abwasserströme noch nicht sichergestellt ist.
Dyneon habe am Forschungsprogramm „geschlossener Wasserkreislauf in der Industrie“ teilgenommen, so Alea Lang, Leiterin der Umweltabteilung am Landratsamt. „Das Unternehmen hat schon viel gemacht, aber einen geschlossenen Kreislauf nie erreicht. Außerdem muss man mitdenken, dass Dyneon die Produktion einstellt.“ Dr. Müller gab zudem zu bedenken, dass die Regularien für die Einleiterlaubnis bis 2044 sicherlich geändert würden. „Wenn man in den Umweltbericht hineinliest, stellt sich jedenfalls die Frage, ob der Chemiepark das gleiche Problembewusstsein hat, wie die Behörden“, kritisierte Peter Áldozó von den Grünen. Bezüglich PFAS wurden seit 2022 Abwasservorbehandlungsanlagen in Betrieb genommen: „Zudem wurden 2024/25 Prüfungen von noch nicht etablierten technischen Verfahren zur weiteren Vorbehandlung PFAS-haltiger Abwässer durchgeführt“, heißt es von InfraServ. Durch die Umsetzung eines Projektes bis 2026 könne außerdem die anfallende Wassermenge an einer Deponie deutlich reduziert werden. Voraussichtlich soll 2027 dann eine Abdichtung von Deponieabschnitten erfolgen und mit einer starken Reduktion der Sickerwassermengen bei einer anderen Deponie der InfraServ Gendorf zu rechnen sein.Daniela Haindl