Nach Überfall: Polizei ermittelt mit Hochdruck

von Redaktion

Nach dem Raubüberfall auf einen Getränkemarkt in Waldkraiburg geht es dem angeschossenen Mitarbeiter den Umständen entsprechend. Zur Tat selbst gibt es jedoch noch viele offene Fragen.

Waldkraiburg – Der maskierte Täter hält ihm eine Waffe vor die Nase und verlangt die Tageseinnahmen. Es ist der 23. Dezember, gegen 19 Uhr. Plötzlich fällt ein Schuss, streift den Angestellten des Getränkemarktes am Oberschenkel. Der maskierte Räuber flüchtet unerkannt und verschwindet in der dunklen Nacht. Seine Beute: Bargeld im mittleren vierstelligen Bereich. Zurück bleibt ein blutender 48-jähriger Mann. Eine aufmerksame Frau, die draußen vorbeigeht, hört den lauten Knall und setzt sofort einen Notruf ab.

Warum war so viel
Bargeld in der Kasse?

Der Verletzte wird ins Krankenhaus gebracht, der Streifschuss ambulant versorgt. Anschließend kann er nach Hause. „Ihm geht es den Umständen entsprechend. Er kann nur liegen und sitzen, aufstehen und sich bewegen ist noch nicht so gut“, weiß eine Arbeitskollegin des Mannes am 29. Dezember auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen zu berichten.

Der Überfall ist auf den Überwachungskameras zu sehen. „So was hab ich auch noch nicht erlebt“, sagt der frühere Getränkemarkt-Betreiber Sebastian Mayerhofer mit Blick auf die Aufnahmen. Er hat den Markt vor Kurzem an Getränke Winkler aus Traunreut vermietet. Die neuen Überwachungssysteme sind noch nicht installiert, jedoch sind die alten, die Mayerhofer eingebaut hatte, noch aktiv. Darum hat nur er Zugriff auf die Bänder und hat sie an die Polizei zur Auswertung übergeben. „Wir haben die Filiale eben erst übernommen, unser neues System wird nächste Woche installiert“, sagt Winkler-Bezirksleiter Sven Berref auf Nachfrage.

Warum war so viel Bargeld in der Kasse? „Der Tag vor Weihnachten ist der umsatzstärkste Tag im Jahr. Da ist es eben mehr, ähnlich wie an Ostern“, so Berref. Der Barbestand werde in der Kasse aufbewahrt und erst abends bei der Abrechnung entnommen. Da sah der Räuber seine Chance und schlug zu.

„Warum er auf den Angestellten geschossen hat, wissen wir nicht“, sagt Lisa Maier von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim. Vermutlich habe der Täter den Schuss abgegeben, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Auch, um welche Waffe es sich handelte, sei noch unklar. „Auf den Überwachungsaufnahmen sieht es nach einer echten Schusswaffe aus. Aber selbst anhand des Spurenbildes der Verletzung können wir noch nicht genau sagen, welche Waffe es war.“

Den genauen Tatverlauf gibt die Polizei nicht preis – aus ermittlungstaktischen Gründen. Die Nachforschungen laufen auf Hochtouren.

Am Tatort wurden alle möglichen Spuren gesichert und zur Auswertung an das Landeskriminalamt eingeschickt. „Das dauert nun etwas. Dann sehen wir, ob DNA-Spuren dabei sind oder Fingerabdrücke, die uns weiterhelfen“, so Sprecherin Maier. Beweise werden derzeit auf verschiedenen Wegen gesichert. Es gebe Zeugen, die Öffentlichkeitsfahndung laufe.

Auf die Frage, ob Gefahr für die Bevölkerung besteht, sagt Maier, der Täter habe gezielt dieses Objekt angegangen, um Geld zu erlangen.

In so einer Situation
nicht den Helden spielen

Wie kann man sich in so einer Gefahrensituation, wie sie der Getränkemarkt-Mitarbeiter erlebt hat, richtig verhalten? „Nicht den Helden spielen. Nicht auf die Waffe stürzen, nicht provozieren, nicht versuchen, sich selbst zu verteidigen“, sagt die Polizeisprecherin. „Wenn es irgendwie geht, sich in Sicherheit bringen und die Polizei verständigen. Dem Täter geben, was er will. Kein Geld der Welt ist es wert, sich noch tiefer in Gefahr zu begeben.“

Für eine spätere Zeugenbeschreibung sei es wichtig, sich bestmöglich auffällige Merkmale des Täters einzuprägen. „Hat er sichtbare Narben, Tattoos? Welche Schuhe hatte er an, wie hat er sich fortbewegt?“ Maier sagt, es sei hilfreich zu wissen, ob im Vorfeld etwas Seltsames passiert sei. „Wie ein Ausspähen der Räume. Vielleicht ist einem vorher schon eine Person in den Räumlichkeiten aufgefallen, die sich merkwürdig verhalten hat. So etwas kann uns weiterhelfen.“

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