Rosenheim – Während sich viele Menschen auf Silvester freuen, blicken die Behörden in Tirol mit Sorge auf den anstehenden Jahreswechsel. Die Befürchtung: Es könnte heuer in der Nacht auf den 1. Januar zu Bränden kommen – wegen des Feuerwerks. Schuld daran ist, dass es in Nordtirol aufgrund der geringen Schnee- oder Regenfälle anhaltend sehr trocken ist und eine erhöhte Waldbrandgefahr herrscht.
Große Sorge
vor Waldbränden
So sah sich das Land Tirol gezwungen, am vergangenen Montag eine Waldbrand-Verordnung zu erlassen. Das bedeutet: Im Nachbarland – und damit auch rund um Kufstein – ist das Entzünden und Hantieren mit Feuer im Wald und angrenzenden Wiesenflächen verboten. Nicht erlaubt sind seitdem das Wegwerfen von brennenden und glimmenden Gegenständen wie Zigaretten und Zündhölzern – aber auch das Abfeuern von Feuerwerkskörpern, teilt das Land Tirol in einer Pressemitteilung mit. „Bereits eine einzelne Rakete im Wald kann bei den sehr trockenen Verhältnissen einen Waldbrand verursachen – die Folgen können enorm sein“, heißt es. Da es in Österreich grundsätzlich verboten ist, in Ortschaften und Siedlungen Raketen, Batterien und Böller zu zünden, kommt die neue Regelung für die Wald- und Wiesenflächen einem gesamten Feuerwerksverbot in Tirol gleich. Private Feuerwerke werden so im Nachbarland kaum möglich sein.
Das Feuerwerksverbot werde auch streng kontrolliert, teilt die Landespolizeidirektion Tirol auf OVB-Anfrage mit. „Die Tiroler Polizei wird in der Silvester-nacht ihre Regeldienstkräfte aufstocken und die Gemeindegebiete auf Tiroler Seite verstärkt bestreifen und überwachen“, sagt eine Polizeisprecherin. Dafür setze man auch Spezialeinheiten, verdeckte Polizisten und technische Hilfsmittel wie Drohnen ein. Darauf sollten sich auch Menschen aus der Region Rosenheim einstellen, die im Grenzgebiet Silvester feiern wollen.
Vorsicht ist allerdings auch in der Region Rosenheim geboten. „Die Grundthematik mit der Trockenheit und der erhöhten Waldbrandgefahr haben wir auch, vor allem im Inntal ist die Wetterlage an sich die gleiche wie in Tirol“, sagt Richard Schrank, Kreisbrandrat für den Landkreis Rosenheim. Das sei auch bei einer Besprechung der Feuerwehren im Landkreis vor einigen Tagen Thema gewesen. „Man muss schon deutlich sagen, dass es zurzeit sehr trocken ist. Es gab kaum Niederschlag und die Pflanzen trocknen aufgrund der Kälte noch weiter aus“, erklärt der Kreisbrandrat.
Daran ändere auch der leichte Schneefall am gestrigen Dienstag nichts. Genauso wie der feuchte Boden oder die nassen Straßen. „Davon darf man sich nicht täuschen lassen, das sind die Reste vom Nebel oder einer leichten Eisschicht, das ändert an der Trockenheit aber nichts“, erklärt Schrank. Eine ähnliche Regelung, wie sie jetzt in Tirol getroffen wurde, ist ihm zufolge um Rosenheim herum aber nicht „zwingend notwendig.“ Zumal keine offizielle Gefahrenwarnung für Bayern vorliege. Die größere Brandgefahr gebe es in der Region sowieso mehr in den Ortschaften und Städten als auf freier Fläche oder in den Wäldern. „Besonders dauergrüne Hecken, Grünstreifen um Grundstücke oder die begrünten Grundstücksgrenzen könnten aufgrund der Trockenheit durch Raketen oder Böller schnell in Brand geraten“, sagt der Kreisbrandrat. Das gehe ganz schnell, wenn man zum Beispiel einen noch glimmenden Böller unachtsam liegen lässt oder in eine Bepflanzung wirft. „Auch eine Rakete erzeugt beim Abbrennen eine Temperatur von rund 800 oder 900 Grad. Wenn die durch die Hecke fliegt, kann die sich schon entzünden“, sagt Schrank.
Abstand von Hecken
und Grünflächen
So müsse man mit einem Heckenbrand zum Jahreswechsel fast schon rechnen. Das sei jedes Jahr das gleiche Spiel. Ob es deswegen ein Feuerwerksverbot braucht, um das zu verhindern, will Richard Schrank nicht abschließend bewerten. Zumindest müsse man aber beim Zünden von Raketen und Böllern ein paar Dinge beachten. Am besten halte man Abstand zu Grünflächen und suche sich eine Freifläche mit Beton, Asphalt oder Steinen unter den Füßen. „Wenn doch eine Hecke in der Nähe ist, macht es Sinn, einen Gartenschlauch danebenzulegen“, sagt Schrank. Zusätzlich sei es wichtig, das abgeschossene Feuerwerk hinterher wieder aufzuräumen. Denn ein Heckenbrand sei nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Innerhalb von wenigen Sekunden könne sich ein solcher Brand ausbreiten. „Wir hatten auch schon Fälle, bei denen das Feuer auf ein Haus oder einen Carport übergegangen ist“, sagt Schrank. Sorgen müsse sich aber niemand machen, da die Feuerwehren im Landkreis Rosenheim auf die Silvesternacht vorbereitet seien. „Einige von uns überlegen sogar, ob sie nicht gleich im Feuerwehrhaus feiern“, sagt Schrank. Um im Notfall so schnell wie möglich vor Ort zu sein. Julian Baumeister