Fischbachau – Mit dramatischen Szenen begann das neue Jahr in Fischbachau. Ein Großaufgebot von Polizisten und Spezialeinsatzkräften (SEK) riegelte am gestrigen Donnerstag in den frühen Morgenstunden ein Haus ab, in dem ein 33-jähriger Deutscher mit einer geladenen Sport-Armbrust hantierte. Laut Polizei hatte er zuvor Rettungssanitäter des BRK bedroht und sich dann ins Haus seiner Lebensgefährtin zurückgezogen. Gegen 4.45 Uhr fielen ein oder mehrere Schüsse. Der 33-Jährige wurde im Rumpfbereich getroffen. Die Schussverletzung ist schwer, der Mann schwebt nach Mitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd aber nicht mehr in Lebensgefahr.
Wie die Polizei mitteilt, waren die BRK-Rettungssanitäter gegen 3 Uhr am Haus in Fischbachau eingetroffen, um dem 33-Jährigen zu helfen. Er lag im Freien vor dem Wohnanwesen. Unvermittelt bedrohte der Mann die Sanitäter mit einer geladenen Sport-Armbrust, worauf sich das BRK-Team zurückzog und die Polizei alarmierte. Mehrere Streifenwagen der Polizei Miesbach und umliegender Dienststellen eilten daraufhin nach Fischbachau. Da der Mann wegen „verschiedener Delikte in der Vergangenheit wiederholt polizeilich auffällig geworden war“, wie es im Polizeibericht heißt, sich zudem augenscheinlich „in einer psychischen Ausnahmesituation“ befand und über eine Sport-Armbrust mit Pfeilen verfügte, wurden auch Spezialeinsatzkräfte (SEK) aus München angefordert.
Einsatzkräfte sperrten Umfeld des Hauses ab
Als einer der Einsatzleiter vor Ort fungierte Christian Gollwitzer, Leiter der Polizeiinspektion Holzkirchen. Er hatte über Silvester Dienst und eilte mit zwei Streifen in den Landkreis-Süden. Gollwitzer war vor seiner Berufung zum Dienststellenleiter als Mitglied von Spezialeinheiten der Polizei öfter mit ähnlichen Lagen konfrontiert gewesen, etwa beim OEZ-Anschlag 2016 in München. Als die Polizei eintraf, hatte sich der 33-Jährige wieder ins Haus begeben, in dem seine Lebensgefährtin und Angehörige ihrer Familie wohnen. Wie viele Personen dem bewaffneten Mann ausgeliefert waren, wollte das Polizeipräsidium auf Nachfrage nicht mitteilen. Ebenso unklar ist, ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren und welcher Art die Vorstrafen waren. Die Polizei weist aber darauf hin, dass „der Mann seiner Lebensgefährtin gegenüber auch Äußerungen mit suizidalem Hintergrund gemacht hatte“.
Die Einsatzkräfte sperrten das Umfeld des Hauses ab und versuchten, mit dem Bewaffneten ins Gespräch zu kommen. Ob das gelang, teilte die Polizei nicht mit. Offenbar spitzte sich die Situation aber weiter zu. Gegen 4.45 Uhr erfolgte der Zugriff durch SEK-Beamte, „um eine Eigen- oder Fremdgefahr auszuschließen.“ Es kam seitens der Polizei zum Schusswaffengebrauch. Unklar ist, wie viele Schüsse fielen. Mindestens eine Kugel traf den 33-Jährigen im Rumpfbereich. Der Mann wurde mit einer augenscheinlich lebensgefährlichen Verletzung auf die Intensivstation einer Klinik gebracht. Nach Auskunft der Ärzte befindet sich der 33-jährige Mann aktuell nicht mehr in Lebensgefahr.
Alle Beteiligten des Einsatzes wurden von einem Kriseninterventionsteam (KIT) und von polizeilichen Fachleuten intensiv betreut. Unter Leitung der Staatsanwaltschaft München II übernahm das Landeskriminalamt noch vor Ort die Untersuchungen, ob der Schusswaffengebrauch in der Lage gerechtfertigt war.