Die Gabeder Bitterkeit

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

Was haben der Espresso nach dem Essen und der Hopfen im Bier gemeinsam? Sie enthalten feine Bitterstoffe, die dem menschlichen Körper in der richtigen Dosis guttun. „Gut ist Bitteres, wenn Bitteres zum Guten kehrt!“ So steht es im Rezeptbuch einer alten Klosterapotheke. Ein weiser Satz, den die medizinische Wissenschaft bestätigt. Gestern haben wir den Dreikönigstag gefeiert. In den Kirchen und in manchen Häusern liegt noch der Weihrauchduft in der Luft. Die Bibel erzählt von den Sterndeutern aus dem Osten, die dem Kind in der Krippe drei Geschenke bringen: Gold, das glänzt und wertvoll ist. Dazu den Weihrauch, mit dem die Gebete zum Himmel aufsteigen. Die Myrrhe als dritte Gabe aber ist einfach nur bitter. Ein überraschendes Geschenk für ein Kind! Myrrhe wurde früher genutzt, um Wunden zu heilen und Tote zu salben. Die Könige bringen dem Kind damit nicht nur Glanz und Feierlichkeit, sondern auch das Wissen um Leid und Vergänglichkeit. Enttäuschungen, Brüche, Verlust lassen sich aus unserem Leben nicht einfach wegwischen. Die Myrrhe erinnert uns daran, dass wir dann im wahrsten Sinn des Wortes nicht „ver-bittern“ sollen. Gott kommt nicht nur in das Leichte. Er legt sich mitten hinein in das Schmerzliche und Unbequeme, damit aus unserer Bitterkeit etwas Neues und Heilsames wachsen und reifen kann. Aus Wunden entsteht Mitgefühl und aus Tränen die Hoffnung. Vielleicht schmeckt unser Leben nicht immer süß, aber es kann auch in bitteren Zeiten heil werden. Für mich eine große Botschaft, wenn es nach den Weihnachtstagen wieder in den Alltag geht.

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