Ein Schneesturm bremst den Kanzler

von Redaktion

Maschine kann erst verspätet in Dortmund starten – Rückblick auf die Winterklausur in Seeon

Seeon – Es war eigentlich wie immer bei der CSU-Winterklausur im Kloster Seeon. Die Rahmenbedingungen stimmten, so kamen wieder Seeoner Sternsinger vorbei, eine ökumenische Andacht war bestens besucht und in der traditionellen Glühweinrunde nach der Andacht im Klosterhof kamen sich Abgeordnete, die örtlichen Pfarrer, Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger und der CSU-Ortsvorsitzende Franz Wörndl näher. Seeon 2026 ist abgeschlossen, jetzt fiebert alles der Winterklausur 2027 entgegen.

Der Verspätete

In den letzten sieben Jahren waren ranghohe Politiker aus ganz Europa zu Gast in Seeon. Niemals zuvor aber wurde um eine Person so viel Wirbel gemacht wie gestern. Es war Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Schlusstag mit eineinhalbstündiger Verspätung eintraf. Grund: Wegen Schneesturms konnte seine Maschine in Dortmund nicht starten. Aber er kam zur Mittagszeit am Kloster an und sprach um 13 Uhr statt 11 Uhr vor dem Tagungsgebäude zu den Pressevertretern zusammen mit CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann und CSU-Chef Markus Söder. Zusätzliche Sicherheitskräfte schirmten Merz ab, ein Polizeihubschrauber begleitete seine Ankunft. Babette Ragötzky, Assistentin der Stabskommunikation, hatte bereits vor der Klausur alle Medienvertreter informiert. „Aufgrund erhöhter Sicherheitsbestimmungen muss eine Vorort-Akkreditierung bis spätestens 7. Januar, 12 Uhr, erfolgen.“

Der Aufpasser

Erstmals war Polizeioberrat Anton Huber, Leiter der PI Trostberg, verantwortlicher Sicherheitschef in Seeon.

Ihm zur Seite stand Erster Polizeihauptkommissar Alfred Fiedler, der seit 2017 in der Einsatzleitung operiert. Einquartiert hatte sich der Führungsstab mit den engsten Mitarbeitern wieder im Pfarrheim St. Lambert, nur einen Katzensprung von den Mikrofonen entfernt, wo die Politiker ihre Statements abgaben.

Der Hoffnungsvolle

Die CSU-Landesgruppe feiert 2027 ihre 50. Winterklausur, aber rund 14 Tage muss sich Gerald Schölzel noch gedulden, bis der Geschäftsführer des Kloster-Areals grünes Licht dafür aus Berlin erhält. „Es ist kein Selbstläufer, es gibt keinen langfristigen Vertrag, die Zusage erhalten wir immer nur für ein Jahr“, sagt der Kloster-Chef, der mit seinen rund 100 Mitarbeitern jedes Jahr rund 1000 Tagungen und Treffen ausrichtet. Allerdings blickt er hoffnungsvoll auf 2027, schließlich gab es für das Schölzel-Team wieder viel Lob. Die 45 CSU-Abgeordneten und geladenen Gäste fühlten sich hinter den Klostermauern wieder pudelwohl, so wie in den letzten Jahren auch. Hoffmann lobte explizit auch die Seeoner Gastgeber. Die Zusage für 2027 dürfte nur noch Formsache sein.

Der Dauerbrenner

Er war vier Jahre lang CSU-Landesgruppenchef in Berlin, acht Jahre Parlamentarischer Geschäftsführer und gehörte bis 2025 34 Jahre dem Deutschen Bundestag an: Peter Ramsauer aus Traunwalchen. Im letzten Jahr war der ehemalige Verkehrsminister in Seeon letztmals als Abgeordneter dabei, wurde feierlich verabschiedet und ist heuer als Ehrengast geladen.

Es hat Tradition bei der CSU, dass ehemalige Vorsitzende der Landesgruppe und ehemalige Abgeordnete aus dem Wahlkreis, in dem die Winter-Tagungen stattfinden, auf Lebenszeit als Ehrengäste eingeladen werden. „Ich bin natürlich die drei Tage hier gewesen und das gleich in doppelter Legitimation, es freut mich, weil ich damit am Ball und in enger Freundschaft in Verbindung mit meinen ehemaligen Kollegen bleibe“, schmunzelt der 71-Jährige.

Der Neue

Erstmals leitete Alexander Hoffmann die Winterklausur in Seeon. Der Nachfolger von Alexander Dobrindt als CSU-Landesgruppenchef kannte die Abläufe in Seeon aber schon bestens, war im Jahr zuvor als Parlamentarischer Geschäftsführer dabei. Hoffmann, 50 Jahre, ist gebürtiger Würzburger und Sohn eines Richters. Der Jurist ist seit 2006 CSU-Mitglied und seit 2013 Mitglied im Deutschen Bundestag. Bei den Koalitionsverhandlungen 2018 und 2025 zwischen Union und SPD zählte er jeweils zum Verhandlungsteam der CSU. Er vertritt den Bundestagswahlkreis Main-Spessart.

Die Olympia-Werberin

Was macht eine Weltklassesportlerin bei der CSU-Klausur? Die Frage stellten sich im Vorfeld viele Bürger, als bekannt wurde, dass Alexandra Burghardt als Rednerin geladen war. Die gebürtige Mühldorferin, die für den SV Wacker Burghausen startet, trat als Olympia-Botschafterin auf und begeisterte alle Abgeordneten. Sie stellte den Sport als großen sozialen Zusammenhalt heraus, verdeutlichte, wie wichtig das Ehrenamt in der Gesellschaft sei, und lobte die Arbeit der Trainer im Breitensport.

Dafür müsse die Politik die Basis schaffen. Zur Abstimmung in München über Olympische Spiele sagte sie: „Das Ergebnis war großartig, es ist toll, dass so viele Bürger dafür sind!“

Die Stammgäste

Neben Walch sind Daniela Ludwig (Rosenheim) und Stephan Mayer (Altötting/Mühldorf) „Platzhirsche“ in Seeon. Beide gehören seit 2002 dem Deutschen Bundestag an und sind seit 2017 Stammgast bei Seeoner Winterklausuren. Mayer war Parlamentarischer Staatssekretär und Generalsekretär der CSU, Ludwig ist aktuell Parlamentarische Staatssekretärin im Innenministerium. Ludwigs Bilanz: „Deutschland steht unter Druck, die Welt verändert sich. Die beschlossenen Leitlinien von Seeon zeigen, dass 2026 ein Jahr wird, in dem wir klare politische Akzente setzen – für Sicherheit, wirtschaftliche Stärke und Zukunftsfähigkeit. Jetzt geht es darum, die Ziele mit Tatkraft im Bundestag umzusetzen.“ In die gleiche Richtung äußerte sich Stephan Mayer.

Zu Fuß über das Eis

Erstmals seit 2018 war der Seeoner See während der Klausur komplett zugefroren. Die Wasserschutzpolizei patrouillierte aber zu Fuß rund um das Kloster. Insgesamt waren 100 Polizisten im Einsatz.

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