Zwölf Meter in die Tiefe gestürzt

von Redaktion

Erneut schwerer Unfall in der Kletterhalle in Stephanskirchen

Stephanskirchen – Das Wochenende wird sich Bruno Vacka ein wenig anders vorgestellt haben. Seit Freitag hat das Telefon des Geschäftsführers der Kletterhalle in Stephanskirchen wohl mehr als nur einmal geklingelt. Er muss offene Fragen klären, die ein oder andere Presseanfrage beantworten und sich um einige Dinge kümmern. Denn am Freitagnachmittag, 9. Januar, ist es in seiner Kletterhalle zu einem schweren Unfall gekommen. Gegen 15 Uhr war ein 35-Jähriger gerade am Ende seiner Kletterroute im Innenbereich der Halle angekommen – in einer Höhe von rund zwölf Metern.

Auf Hallenboden
aufgeschlagen

Der Mann wurde dabei von einer Freundin am Boden gesichert. „Eigentlich hatte er zu diesem Zeitpunkt die Route schon fertiggeklettert und hätte nur noch zum Boden abgelassen werden müssen“, sagt Vacka am Telefon. Genau in dem Moment passierte aber „eine Verkettung“ von unglücklichen Umständen. Fast ungebremst fiel der 35-Jährige in die Tiefe und schlug auf dem Hallenboden auf. Aufgrund der großen Sturzhöhe habe der Mann schwere Verletzungen erlitten, teilt die Grenzpolizei Raubling mit. So schwer, dass der Kletterer mit einem Hubschrauber in eine Klinik geflogen wurde. Allerdings sei er nicht in Lebensgefahr. Bei Stürzen aus einer solchen Höhe müsse man immer von mehreren Knochenbrüchen und inneren Verletzungen ausgehen, teilt ein Polizeibergführer der Raublinger Beamten mit. „Zwölf Meter sind schon grob, allerdings ist in der Kletterhalle ein falldämpfender Boden verbaut, der die Fallenergie aufnimmt und einen meist zumindest vor tödlichen Verletzungen bewahrt“, erklärt der Polizist. Er und seine Kollegen der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei, die bei sämtlichen Kletterunfällen die Ermittlungen übernehmen, untersuchen nun, wie es zu dem Unfall kommen konnte.

„Im Prinzip läuft das wie bei allen anderen Unfällen ab: Es werden Zeugen befragt und die Sicherungsmittel sowie die Ausrüstung der Kletterer begutachtet und manchmal sichergestellt. Zudem wird der Unfall von uns rekonstruiert“, sagt der Raublinger Polizeibergführer.

Ein abschließendes Ergebnis zur Unfallursache gibt es bis jetzt noch nicht. Was die Polizei aber ausschließen kann, ist, dass der Unfall wegen der Beschaffenheit der Kletterhalle in Stephanskirchen passiert ist. „Mit der Halle an sich hat der Absturz nichts zu tun, das hätte in jeder anderen Halle genauso passieren können“, sagt der Polizist. Die Kletterhalle entspreche allen Maßstäben und erforderlichen Normen. Daran ändere auch nichts, dass der Absturz am Freitag bereits der dritte größere Kletterunfall in Stephanskirchen in den vergangenen 13 Monaten war. Erst im Oktober 2025 war ein 18-Jähriger aus einer Höhe von neun Metern in die Tiefe gestürzt und verletzte sich dabei.

Im Dezember 2024 fiel ein 45-jähriger Kletterer ebenfalls aus einer Höhe von rund zwölf Metern in die Tiefe und trug schwere Verletzungen davon. Das seien allerdings alles drei „zufällige, unglückliche Einzelfälle“ gewesen und die stünden in keinem Zusammenhang mit der Kletterhalle, teilt der Raublinger Polizeibergführer mit.

Das kann auch Bruno Vacka bestätigen. Obwohl er die Ermittlungsarbeit der Polizei überlassen möchte, ist der Geschäftsführer der Kletterhalle überzeugt, dass ein „technisches Versagen der Anlage ausgeschlossen werden kann“. „Unsere Anlage ist absolut sicher“, betont er. Klettern sei grundsätzlich ein sicherer Sport. „Wesentlich sicherer als zum Beispiel Fußball, Rugby oder auch Skifahren, das zeigt auch die Unfallstatistik“, sagt Vacka, der nebenbei auch Vorsitzender des Kletterhallenverbandes ist. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber auch in dem Sport nicht. „Ein gewisses Restrisiko bleibt immer“, sagt der Kletterhallen-Chef.

Manchmal reiche ein kleiner Moment der Unachtsamkeit oder fehlende Konzentration. Der 35-jährige Verunfallte sei auch Mitglied einer „erfahrenen Seilschaft“ und kein Anfänger gewesen.

„Solche Unfälle bringen natürlich Aufmerksamkeit, sind dennoch absolute Ausnahmefälle“, versichert Vacka. Dennoch machen er und sein Team sich nach dem dritten größeren Unfall Gedanken. „Natürlich nimmt einen das als Betreiber emotional mit, und wir tun unsererseits das Bestmöglichste, um Unfälle zu verhindern“, sagt er.

Verantwortung
füreinander

Baulich sei es aber kaum möglich, den Klettersport in der Halle noch sicherer zu machen. „Wir versuchen natürlich, die Menschen zu sensibilisieren und zu briefen, dass sie beim Klettern bei der Sache sind und die Verantwortung füreinander tragen. Zudem schulen wir in Ausbildungen das korrekte Verhalten“, sagt Bruno Vacka. Es komme auch immer auf die Eigenverantwortung an. Der Kletterhallen-Betreiber hofft jetzt auf jeden Fall, dass sich der 35-Jährige schnell erholt. „Mein Personal hat mir mitgeteilt, dass er die ganze Zeit ansprechbar war und wohl nicht direkt auf dem Rücken oder Kopf gelandet ist“, sagt Vacka.

Auch wenn er es nicht mit Sicherheit sagen könne, sei er deshalb vorsichtig optimistisch, dass der Kletterer im Großen und Ganzen keine bleibenden Verletzungen erlitten hat.

Artikel 2 von 10