Baustellen und Winter sorgen für Pendlerfrust

von Redaktion

Baustellen, Schienenersatzverkehr und der Wintereinbruch führen in der Region zu vollen Zügen und Verspätungen. Für Pendler wird der Alltag zur Belastungsprobe, da sie häufig mit Ausfällen und langen Wartezeiten in der Kälte konfrontiert sind. Das Schienennetz scheint der aktuellen Situation nicht gewachsen zu sein.

Rosenheim/Traunstein – Die Stimmung könnte besser sein. Draußen zieht der winterliche Chiemgau vorbei, im Zuginneren herrscht Stille. Es ist kurz nach 8 Uhr im Regionalzug der Bayerischen Regiobahn (BRB) auf dem Weg von Traunstein nach Rosenheim. Die Waggons sind an diesem Morgen nur mäßig besetzt, doch die Stimmung wiegt schwer. In den Gesichtern der Fahrgäste liest man jene Mischung aus Müdigkeit und Anspannung, die bezeichnend ist für einen Pendler-Alltag, der längst zum Wagnis geworden ist.

Kritik an der
Informationslage

Im Netz Chiemgau-Inntal häufen sich derzeit Baustellen und Sperrungen, unter anderem auf der Strecke des RE 5, auf der zwischen Bad Endorf und Rosenheim Schienenersatzverkehr eingesetzt wird. Fahrgäste sehen die Ursache für die Probleme in einem jahrelangen Sanierungsstau und sprechen von einer Überlastung der Infrastruktur.

„Nur eine von drei Fahrten funktioniert reibungslos“, sagt Bianca Ebert aus Traunstein. Auch sie sitzt an diesem Vormittag im Zug nach München. Seit fast drei Jahren pendelt sie nach München. „Bei einer weiteren gibt es Verspätungen und die dritte ist meist ein Totalausfall. Man plant irgendwann automatisch immer mit Ausfällen.“

Ebert kritisiert vor allem die Informationslage: „Dass die Schienen repariert werden müssen, ist klar, aber die Planung ist mangelhaft“, sagt sie. „Es heißt immer, man solle im Internet schauen, aber am Bahnhof selbst hängen kaum noch Übersichtspläne aus. Wenn dann, wie heute, bei der Kälte der Handy-Akku schlappmacht, steht man völlig ohne Information da.“ Einige Reihen weiter sitzt Winni Kurzeder aus Traunstein. Er ist seit über 20 Jahren Pendler zwischen Traunstein und München. „Anfangs war alles super pünktlich. Doch mit der Privatisierung wurde es immer schlechter“, sagt er. „Man hat jahrelang nur Geld aus der Bahn herausgezogen und nichts mehr hineingesteckt. Diesen Sanierungsstau zahlen wir jetzt alle.“ Was ihn besonders stört: „Die Bahn ist für unsere Region eine entscheidende Lebensader. Wenn sie nicht zuverlässig funktioniert, kommen viele Menschen nicht rechtzeitig zur Arbeit.“

Die aktuelle Situation mit Schienenersatzverkehr und zusätzlichen Umstiegen beschreibt er als psychische Belastung: „Besonders bei längeren Fahrten zittert man bei jedem Umstieg, ob die Reisekette hält.“

Weiter hinten im Zug sitzt die 17-jährige Schülerin Mia Mai. „Es nervt einfach nur noch“, sagt sie über ihre täglichen Fahrten. „Wenn du nach einem langen Schultag heimfahren willst und der Zug wieder Verspätung hat, hast du irgendwann einfach keinen Bock mehr.“ Oft komme sie erst spät abends nach Hause und müsse dann noch ihre Hausaufgaben erledigen.

Schüler, Besucher, Fachkräfte:
Alltag im Ausnahmezustand

Mittlerweile sind die Fahrgäste am Bahnhof in Bad Endorf in den Schienenersatzverkehr umgestiegen. Unter ihnen ist auch Aman, der als Fachberater im Einzelhandel tätig ist. Er pendelt täglich von Traunstein nach München und wieder zurück. Seinen Unmut auf die Bahn fasst er so zusammen: „Ich habe das Gefühl, wir gehen rückwärts statt vorwärts. In all den Jahren habe ich kaum Pünktlichkeit erlebt – es heißt immer: ‚Verspätung, Verspätung!‘“

Eine Stellungnahme der DB InfraGO AG zur Situation im Netz Chiemgau-Inntal auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen liefert keine neuen Erkenntnisse. Fragen nach der Bewertung der Ausfälle, einer besseren Kommunikation und dem Dialog mit verunsicherten Kunden wurden mit einem Standard-Statement beantwortet, ohne auf die einzelnen Punkte einzugehen. Die spezifischen Anliegen der Fahrgäste bleiben damit seitens der Bahn unkommentiert.

Behinderungen auchzwischen Rosenheim und Kufstein

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