Ein Weg voller Rückschläge und Disziplin

von Redaktion

Interview Ex-Rennfahrerin Christina Surer über ihre neue Leidenschaft für koreanische Kampfkunst

Rosenheim – Model, Moderatorin, Rennfahrerin und jetzt auch noch Schwarzgurt-Trägerin im Taekwondo: An Vielseitigkeit und Disziplin mangelt es Christina Surer nicht. Das hat sie nun wieder einmal unter Beweis gestellt. In der Rosenheimer Kampfsportschule Kwonro absolvierte sie nun die Prüfung für den schwarzen Gürtel im Taekwondo. Wie der Weg dorthin war und was sie so sehr an der koreanischen Kampfkunst schätzt, hat sie im exklusiven OVB-Interview verraten.

Wie bist du zum Taekwondo gekommen?

Mein erstes Training war im September 2018. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt schon seit über einem Jahr dabei. Ich habe sie immer hingebracht, zugeschaut und fand den Sport schon immer cool. Als Kind wollte ich gerne Judo oder Karate machen, aber die Möglichkeit hat sich nie ergeben. Irgendwann habe ich dann einen Gutschein für eine Probestunde bekommen. Und nach dieser Stunde war ich Feuer und Flamme.

Was gefällt dir an diesem Sport?

Nach dem Training geht es mir immer besser als vor dem Training. Ich fühle mich danach einfach gut und erholt. Zudem ist die Gemeinschaft wahnsinnig toll und ich habe dort gute Freunde. Außerdem haben wir mit Stefan Roitner – der den 7. Dan hat – einen der weltweit besten Trainer.

Was ist das Besondere, was Taekwondo für dich von anderen Sportarten unterscheidet?

Dieses Ganzheitliche. Es ist eine sehr gute Mischung aus Kraft, Ausdauer, aber auch Dehnübungen. Man braucht aber genauso Reflexe und Technik und muss sich konzentrieren. Man wird abgelenkt von den ganzen Gedanken, die man den Tag über mit sich herumträgt. Ein ganz wichtiges Thema im Kwonro ist das Kindertraining. Meine Kinder machen Taekwondo, seit sie vier Jahre alt sind. Für die Kleinen geht es ganz spielerisch los. Taekwondo gibt meinen Kindern Sicherheit. Sie lernen, Gefahren früher zu erkennen, richtig zu reagieren, sich zu verteidigen und sich zu schützen. Meine Tochter Emily macht sogar gerade eine Trainee-Ausbildung.

War von Anfang an klar, dass der Schwarzgurt irgendwann das Ziel ist?

Wer mich kennt, weiß, dass, wenn ich Feuer und Flamme für etwas bin, dann ziehe ich es durch. Und das habe ich seit dem ersten Tag gemacht. Aber man geht dort auch nicht am Anfang hin und sagt: „Jetzt will ich den Schwarzgurt“. Man hat ja durch den Aufbau immer das nächste Ziel vor Augen. Man wird Schritt für Schritt herangeführt, und ich hatte immer die nächste Prüfung vor Augen. Und nach der Prüfung war immer vor der Prüfung.

So hat man auch immer wieder Erfolgserlebnisse.

Richtig. Man bekommt viel Bestätigung und Applaus – auch bei kleinen Dingen, die man schafft. Bei uns im Kwonro kriegt jeder eine Chance. Wir haben so viele unterschiedliche Menschen und jeder ist an einem anderen Punkt im Leben. Und jeder hilft dem anderen. Das Miteinander und der Zusammenhalt sind wirklich toll.

Und jetzt hast du deine Schwarzgurt-Prüfung bestanden: Wie war der Weg dorthin?

Ich muss wirklich sagen, ich habe schon viel gekämpft im Leben, aber ich habe selten für etwas so sehr gekämpft, wie für diese Prüfung. Es ist mir nicht in den Schoß gefallen und ich hatte auch mit ein paar gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Aber ich bin immer wieder aufgestanden und habe weitergemacht. Deswegen kann ich heute auch wirklich sagen: Ich bin stolz auf diesen Schwarzgurt und freue mich riesig, dass ich es geschafft habe.

Ich habe aber auch tolle Freundinnen, ohne die ich es nicht geschafft hätte. Speziell meine Prüfungshelferin Svea Osterhammer und Gisela Krenauer. Die beiden haben so viele Stunden mit mir trainiert und mich vorwärts gebracht. Ihnen und meinen Trainern bin ich für die Unterstützung sehr dankbar.

Hast du dir jetzt auch schon ein neues Ziel gesetzt?

Jetzt gehe ich erst mal in die Ferien. Ich habe ja nach der Prüfung genauso weitertrainiert, weil ich noch mehr Spaß hatte und ganz euphorisch war. Jetzt habe ich aber gemerkt, dass ich doch ein bisschen Ruhe brauche. Ab Januar geht es dann wieder ins Training. Da denke ich aber jetzt an keine Prüfung. Die Entscheidung, ob man den zweiten Dan machen kann, liegt beim Großmeister – und das dauert in der Regel ein paar Jahre.

Und du hast jetzt ja ohnehin schon einiges geschafft mit dieser Prüfung.

Ja, ich meine, ich bin jetzt keine 20 mehr und habe mir im Motorsport schon einige Verletzungen zugezogen. Ich musste bewusst trainieren, um mich nicht wieder zu verletzen. Es gab auch Themen, die mir nicht leicht gefallen sind, an denen ich arbeiten musste. Die eigenen Grenzen spüren und verschieben hat mir riesig Spaß gemacht. Ich liebe die Herausforderung. Man kann so viel erreichen, wenn man sich durchbeißt. Darauf bin ich schon stolz und freue mich darüber.

Welche Herausforderung steht als Nächstes an?

Die neue Challenge als Schwarzgurt ist es jetzt, den anderen, die auf dem Weg dorthin sind, zu helfen. Das ist eigentlich auch die Aufgabe eines Schwarzgurtes: für andere da sein. Dazu gehören auch meine Kinder Emily, die den roten Gürtel hat, und Lio, der den blauen Gürtel hat.  Ein guter Schwarzgurt zu sein, ist auch eine Challenge.

Patricia Huber

Die Gürtel im Taekwondo

Artikel 2 von 11