Zuschauermassen im bekanntesten Schwarzbau der Stadt

von Redaktion

Wie aus dem Rosenheimer Eisstadion das heutige Rofa-Stadion wurde – Anfangszeiten durchaus kurios

Rosenheim/Landkreis – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die neue, einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher-/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.

In Teil 2 der neuen Serie geht es um das Rosenheimer Eisstadion, die Heimspielstätte der Starbulls Rosenheim. Das Stadion wurde 1961 als Freiluftstadion gebaut. Die Namen und die Zuschauerkapazität wechselten in schöner Regelmäßigkeit. Schon damals war die „Mangfallkurve“ voll, denn Eishockey hat in Rosenheim eine Tradition wie keine zweite Sportart.

Eishockey wirkt wie ein Magnet auf die einheimischen Fans, und wenn der EVR, der Sportbund oder die Starbulls ein entscheidendes Spiel hatten, war das Eisstadion immer voll. Zuschauermassen passierten in den vergangenen Jahrzehnten die Drehkreuze.

Aber wie ging eigentlich alles los? Wie entwickelte sich Rosenheim zu einem der bekanntesten Eishockey-Standorte in Deutschland, obwohl der Start vor rund 100 Jahren gar nicht so einfach war? 

Und in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was haben das Rosenheimer Eishockey und das Freibad an der Chiemseestraße gemeinsam? Viel, sehr viel sogar, denn dort, wo heute eine große Liegewiese im Freibad ist, bestritten die Kufenflitzer in den Anfangsjahren des Rosenheimer Eishockeys ihre Punktspiele. Weitere Heimspielversuche gab es auf einer Spritzeisbahn beim ESV Rosenheim oder auf einem Weiher hinter der alten Stadtgärtnerei.

Dort brach bei starkem Föhn die Eisfläche und das Spiel wurde als verloren gewertet. Dann stellten die Eishockeyspieler auf dem Stadtsee (heute das Rosenheimer Freibad) ihre Banden auf und spielten dort für mehrere Jahre. 1961 entstand das Kunsteisstadion, ein Meilenstein in der Rosenheimer Eishockeygeschichte.

Ohne Baugenehmigung begannen die Degerndorfer Pioniere „übungshalber“ mit dem Erdaushub. Das Eisstadion war also der bekannteste „Schwarzbau“ der Stadt. Eine Baugenehmigung wurde übrigens nachträglich erteilt. Eröffnet wurde das Stadion am 13. Januar 1962. Wenn es schneite, musste der Zamboni zur Eisbereitung alle zehn Minuten für spielfähiges Eis sorgen. Kurios wurde es, wenn die gegnerischen Spieler auf der Strafbank mit Schneebällen beworfen wurden. Einem Mannheimer Spieler wurde es in den 60er-Jahren zu bunt: Er stürmte samt Ausrüstung und Schlittschuhen auf die Tribüne, aber der Übeltäter hatte sich durch ein Schlupfloch im Maschendrahtzaun in Richtung Fußballplatz aus dem Staub oder besser gesagt aus dem Schnee gemacht.

Ein wichtiger Meilenstein in der Rosenheimer Eishockeygeschichte war die Überdachung des Kunsteisstadions mit einer Brettschichtholz-Dachkonstruktion. Rosenheims Oberbürgermeister Dr. Albert Steinbeißer übergab am 1. Dezember 1973 zum Spiel gegen Duisburg (8:1) offiziell die neue Eishalle, die rund 8.400 Zuschauern Platz bot. EVR-Kapitän Manni Kastner nach dem ersten Training in dieser überdachten Sportstätte: „Hier werden wir nicht viele Spiele verlieren“. 1973 kostete eine Sitzplatz-Dauerkarte 90 Mark, eine Stehplatz-Dauerkarte 60 Mark. Am Freitag, 7. März 1975, fand ein historisches Ereignis statt: das Gipfeltreffen Rosenheim gegen Augsburg. Es war ein Eishockeyfest vor über 9.000 Zuschauern. Die Eishockeyfans strömten damals und in den folgenden Jahrzehnten in Massen ins Rosenheimer Eisstadion, das sich in den letzten Jahren durch moderne Sanierungen zu einem Schmuckkästchen entwickelt hat, das immer noch den Charme von früher besitzt. Das Stadion trug im Laufe der Zeit mehrere Namen, meist abhängig von Sponsorenverträgen: Auf das Frucade-Stadion folgten das Marox-Stadion, das Städtische Kathrein-Stadion, das Städtische Eisstadion, das emilo-Stadion und seit 2019 das Rofa-Stadion.

Aktuell bietet das Eisstadion Platz für 4.425 Zuschauer (2.955 Stehplätze), nachdem einige Bereiche zugunsten zusätzlicher Sitzplätze umgebaut wurden.  

Nicht nur Eishockeyspiele prägen den Stadionalltag: In der Saison 2024/25 kamen insgesamt über 211.000 Besucher ins Rofa-Stadion – darunter viele zum öffentlichen Eislauf, Jugend-Eishockey und Eiskunstlauf.

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