Bremst Streit Aschaus Modernisierung?

von Redaktion

Die Kampenwandbahn soll modernisiert werden, doch Naturschützer klagen dagegen. Während in Aschau gestritten wird, laufen ähnliche Projekte in Österreich reibungslos. Der Fall wirft die Frage auf, was die Nachbarn anders machen und wie es am Chiemsee weitergeht.

Aschau – „Wenn i mit meiner Wampn kannt, dann gang i auf die Kampenwand“ heißt es in dem bekannten bayerischen Schüttelreim. Und weil es zu Fuß auf den 1.669 Meter hohen Gipfel doch recht anstrengend ist, gibt es ja auch noch die Kampenwandbahn.

Die nostalgischen Gondeln mit Platz für nur vier Personen sind allerdings in die Jahre gekommen, weshalb die Betreiber die Bahn modernisieren wollen. Doch der Bund Naturschutz kritisiert den Ausbau und ging deshalb vor Gericht. Bis zum gestrigen 20. Januar sollten sich beide Parteien nun einigen. Allerdings hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Frist mittlerweile bis Mitte Februar verlängert.

Am Zauchensee im Salzburger Land und in Kappl in Tirol haben die Bahnerweiterungen reibungslos geklappt. Was läuft anders bei den Nachbarn in Österreich?

Kapazität soll
verdreifacht werden

Seit 1957 schweben die bunten Vierergondeln der Kampenwandbahn auf den Gipfel mit den markanten Zacken, hoch über dem Chiemsee. Alle 30 Sekunden verlässt eine Gondel die Talstation in Aschau. Die aktuelle Beförderungskapazität von 450 Personen soll auf 1.500 verdreifacht werden. Um Wartezeiten zu verkürzen, sollen die Gondeln durch eine neue Anlage mit Achterkabinen ersetzt werden. Denn vor allem im Sommer ist auf der Kampenwand viel los. Die Kosten belaufen sich auf circa 30 Millionen Euro. Ein Drittel, also zehn Millionen Euro, will der Freistaat zuschießen.

Doch der Bund Naturschutz sieht den Neubau kritisch und befürchtet eine Überlastung der sensiblen Bergnatur. Die Umweltorganisation klagte vor Gericht und bekam zunächst recht. 2023 hob das Verwaltungsgericht München die Baugenehmigung wieder auf, denn die Trasse führe durch geschützte Naturwaldflächen.

Zauchensee: Vom Almdorf zum Weltcup-Ort

Daraufhin korrigierte das Landwirtschaftsministerium die Schutzgebietskarten. Nach Ansicht der Naturschützer sei das „Spezlwirtschaft“.

Im November 2025 wird die Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof verhandelt. Ergebnis: Die beiden Parteien sollten sich bis zum 20. Januar 2026 außergerichtlich einigen. Die Familie Zbil aus Aschau betreibt die Bahn in dritter Generation.

In Österreich geht es schneller voran. Beispiel Zauchensee: In dem Skigebiet im Salzburger Land wurde aktuell die Schwarzwandbahn erfolgreich modernisiert. Die Vierergondeln wurden sogar durch eine Zehnergondel ersetzt.

Das Skigebiet ist Teil des Verbunds „Snow Space Salzburg“, zu dem auch Flachau und Wagrain gehören. Es bietet 210 Pistenkilometer vom Anfänger bis zum Profi. Das einstige Almdorf hat sich zum Weltcup-Ort gewandelt. Außerdem veranstaltet Zauchensee das größte Kinderskirennen Europas, an dem 1.000 Kinder aus 15 Nationen teilnehmen. 40 Jahre war die alte Schwarzwandbahn dort in Betrieb und hat viel erlebt, sogar einen Heiratsantrag in der Gondel.

Genau wie an der Kampenwand passten auch hier nur vier Personen in eine Kabine. Jetzt befördert die neue, komfortable Gondel bis zu zehn Personen auf den Berg und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 740 Metern. Mit einem herrlichen Panoramablick ins Dachsteinmassiv oder zum Hochkönig.

„Auch wir müssen
Umweltauflagen erfüllen“

Drei Jahre dauerten die Planungen und der Bau. „Auch wir müssen natürlich Umweltauflagen erfüllen“, erzählt Veronika Scheffer, die Chefin der Zauchensee-Liftgesellschaft. So mussten für die neue Trasse 60 Bäume gefällt werden und an anderer Stelle ein Schutzwald entstehen. „Auf das Birkhuhn, Eidechsen und spezielle Schmetterlinge wie den Thymian-Ameisenbläuling wird geachtet“, sagt Scheffer. Ebenso auf den Kalkmagerrasen für die Kühe, die im Sommer weiden.

Ob sich die 30-Millionen- Euro-Investition – ohne staatliche Zuschüsse – gelohnt hat, wird sich in 15 Jahren zeigen. Im Schnitt braucht Zauchensee 5.000 Tagesgäste, damit sich das Geschäft positiv entwickelt. Der Klimawandel macht alles riskanter. Doch die Höhenlage von 1.350 Metern lässt die Betreiberin hoffen.

Innovative Technik –
und ein gutes Gewissen

Global gibt es derzeit 150 Millionen Skifahrer, so viele wie noch nie. Scheffers Familie hat gemeinsam mit den Walchhofers, die heute mehrere Hotels im Ort betreiben, dazu beigetragen, dass Zauchensee ein weltweit bekannter Wintersportort geworden ist. 235 Angestellte sind jeden Tag im Einsatz.

Die Skifahrer sollen aber mit einem guten Gewissen auf die Piste gehen. Die technische Beschneiung arbeite nur mit Wasser und Luft – ohne Chemie. Der Energieverbrauch – zu 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen – habe sich dank innovativer Technik innerhalb weniger Jahre um ein Drittel reduziert. Die Schneehöhen werden digital gemessen. Damit wissen die Pistenraupenfahrer genau, wo Schnee nötig ist. Das spart Arbeitszeit und Energie durch weniger Emissionen. Diese wollen die Pistenbetreiber durch den Einsatz von synthetischem Diesel in Zukunft noch weiter reduzieren.

Insgesamt beschäftigen Österreichs Seilbahnen direkt rund 17.000 Mitarbeiter. 125.000 Arbeitsplätze hängen indirekt mit der Seilbahnbranche zusammen. Der Naturschutzbund Salzburg sieht die Kapazitätserweiterung am Zauchensee zwar kritisch. Doch gegen den Neubau konnte der Umweltverband nichts ausrichten, vor allem, wenn vorhandene Trassen ausgebaut werden.

Skifahren auf der Kampenwand ist derzeit leider nicht möglich. Zu wenig Schnee. „Wir sind ein Naturschneegebiet“, sagt die Marketingleiterin der Kampenwandbahn, Isabelle Blum-Friedl. Das heißt: keine künstliche Beschneiung.

Etwas ganz Neues hat hingegen das Skigebiet Kappl in Tirol bei der Modernisierung seiner Seilbahn ausprobiert. Die alte Diasbahn wurde mit einer modernen Gondelbahn vom österreichischen Weltmarktführer Doppelmayr ersetzt. Das Besondere: Die Gondeln waren vorher auf der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim im Einsatz. Ein Zeichen für nachhaltiges Handeln, so die Betreiber. „Wir wollen damit einen Beitrag zur Schonung der Umwelt leisten“, sagt Andreas Kleinheinz, Vorstandsvorsitzender der Bergbahnen in Kappl.

Nachhaltigkeit im
Skigebiet Kappl

Anstatt eines kompletten Neubaus wurden die Gondeln in Mannheim sorgfältig demontiert und für den Einsatz in Tirol vorbereitet. Jetzt befördern sie bis zu zehn Personen pro Kabine ins Skigebiet. Diese Woche auch die besten Nachwuchs-Freerider der Welt, die sich abseits der Piste auf spektakulären Abfahrten im Tiefschnee messen.

Kappl gilt als Freerider-Paradies, aber auch als familienfreundliches Skigebiet mit über 40 Pistenkilometern für alle Schwierigkeitsgrade. Im benachbarten Ischgl können Skifahrer auf 2.600 Meter Höhe eine Lego-Gondel bewundern. Weitere Höhepunkte warten in der weltweit höchsten Lego-Ausstellung. Die neue Bahn bringt eine spürbare Entlastung bei den Wartezeiten im Winter und im Sommer.

Ungewisse Zukunft
an der Kampenwand

Und wie geht es in Aschau weiter? Gibt es eine außergerichtliche Einigung? Der Bund Naturschutz Rosenheim will weiter mit den Betreibern im Gespräch bleiben. Auch vonseiten der Liftbetreiber wird derzeit nichts Neues vermeldet.

Michaela Kaniber, Bayerns Ministerin für Landwirtschaft und Tourismus, betont: „Wenn wir im Tourismus stark bleiben wollen, müssen wir investieren.“ Außerdem geht es der CSU-Politikerin auch um Teilhabe: „Nicht jeder kommt leicht auf den Berg, besonders ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung.“

Ein wichtiger Punkt ist auch die Erweiterung der Verkehrsinfrastruktur in puncto ÖPNV, um die geplanten Kapazitätserweiterungen umweltfreundlich zu gestalten. Bei immer weniger Naturschnee wird das Sommergeschäft umso bedeutender. Es könnte jedoch noch lange dauern, mit einer neuen Achtergondel auf die Kampenwand.

Artikel 5 von 11