„Das ist ein katastrophales Signal“

von Redaktion

Der Region Rosenheim droht ein Verkehrsinfarkt, weil der Ausbau der Bahnstrecke von München über Mühldorf nach Freilassing auf sich warten lässt. Dies hat Folgen für die überlastete Verbindung zwischen München und Salzburg – und womöglich auch für den Brenner-Nordzulauf.

Rosenheim – Versprochen war der Ausbau, zu befürchten ist der Aufschub: Das Projekt Ausbaustrecke (ABS) 38 von München über Mühldorf nach Freilassing steht offenbar auf der Kippe.

Diese Eisenbahnstrecke sollte – so lautete der Plan – elektrifiziert und in Abschnitten für ein Tempo von 200 Kilometern pro Stunde ertüchtigt werden. Doch damit sieht es schlecht aus. Es fehlt an Geld. Wie auch bei anderen Bahnprojekten, die an sich baureif wären.

Es drohen ernste
Folgen für Rosenheim

Eine Verzögerung bei diesem Projekt hätte ernste Folgen für die Region Rosenheim. Über die Strecke von München über Mühldorf zur österreichischen Grenze könnte die Strecke München–Rosenheim–Salzburg entlastet werden. Und Entlastung wäre dringend notwendig. Nicht erst, wenn 2032 der Brennerbasistunnel seinen Betrieb aufgenommen haben soll. Sondern schon wegen des drohenden Verkehrsinfarkts infolge der Bahnsanierungen, die in den nächsten Jahren anstehen.

Ernst wird es bereits in den nächsten Monaten, wenn die Bahnverbindung Nürnberg–Passau überholt und ein Teil des Güterverkehrs dort auf die Verbindung München–Salzburg umgeleitet wird.

Dringende Projekte wegen
Geldmangels fraglich

Die Verzögerung bei der ABS 38 und anderen Bahnprojekten kam durch eine Anfrage der Grünen ans Licht. Der Abgeordnete Matthias Gastel hatte von der Bundesregierung wissen wollen, ob es Bahnprojekte mit abgeschlossener Planung gebe, deren Baubeginn sich wegen Geldmangels verzögert. Bei fünf Projekten sei das der Fall. Weil zwei Milliarden Euro fehlen. Das musste Ulrich Lange (CSU) einräumen, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

„Das ist ein katastrophales Signal“, sagt die Rosenheimer Grünen-Abgeordnete Victoria Broßart zu der Nachricht. Das Vorhaben komme einfach nicht voran. Die Idee für die Ausbaustrecke reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Schon damals waren die Entlastung der Strecke München–Rosenheim und Kapazitäten für den Güterverkehr über den Brenner als Argumente genannt worden. Doch immer wieder verzögerte sich das Projekt. „Und jetzt wieder – dabei hatte Verkehrsminister Patrick Schieder versprochen, dass alles begonnen wird, was baureif ist“, sagt Broßart.

Konkret geht es um den Ausbau im Abschnitt Dorfen, 115 Millionen Euro waren dafür veranschlagt. Hundert Millionen, die offenbar nicht mehr da sind – trotz eines Sondervermögens von 500 Milliarden Euro. Die Bahn selbst hatte noch kurz vor Weihnachten 2025 die Abgabe der Planungsunterlagen an das Eisenbahn-Bundesamt verkündet und von einem „Meilenstein“ gesprochen.

Ein Argument für den
Brenner-Nordzulauf?

Sollte die Entlastung entfallen, würde ein anderes Großprojekt noch stärker in den Fokus rücken: der Brenner-Nordzulauf. In Rosenheim machen sich die Gegner eines Neubaus daher Gedanken. Ein ABS-38-Ausbau am St. Nimmerleinstag? Das klinge fast so, als wolle man unbedingt ein Argument schaffen, um die Neubaustrecke für den Nordzulauf zu rechtfertigen, sagte Lothar Thaler, Sprecher des Brennerdialogs, jüngst bei der Vorstellung der Protestaktion „Flagge zeigen“. Über die Vorplanung der Bahn für dieses Projekt soll demnächst der Bundestag entscheiden. Für die Planungen für das Milliardenprojekt wäre das eine wichtige Etappe. Aber das zeigt die ABS 38: Derlei hat in Zeiten leerer Kassen nicht viel zu sagen.

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