„Übernehmen Sie Verantwortung“

von Redaktion

33 Frauen und Männer bestanden das Zweite Juristische Staatsexamen – erstmals ein Doppeljahrgang

Traunstein/München – 33 Frauen und Männer haben nach zweijähriger Referendarzeit am Landgericht Traunstein das Zweite Juristische Staatsexamen bestanden. Bei der Feier im Schwurgerichtssaal der Traunsteiner Justiz händigte Christine von Massenbach, die Leiterin des Landesjustizprüfungsamtes in München, persönlich die Zeugnisse aus.

Landgerichtspräsidentin Anja Kesting gab den „jetzt ehemaligen Rechtsreferendaren“ mit auf den Weg: „Gehen Sie mit der Bereitschaft voran, Verantwortung zu übernehmen. Wenn Sie Führungsverantwortung übernehmen, handeln Sie transparent. Wenn Sie sich in Teams einbringen, unterstützen Sie andere und teilen Sie Erfolge.“

Die letzten zwei Jahre waren für die jungen Menschen „eine intensive Lern- und Prüfungsphase“, betonte Kesting. Sie hätten gezeigt, dass Durchhaltevermögen, Disziplin und der Wille, komplexe Zusammenhänge zu durchdringen, „zu überzeugenden Ergebnissen“ führen können. Das Bestehen dieser Prüfung sei „kein Endpunkt, sondern der Anfang eines neuen Lebensabschnitts, der neue Chancen, Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten biete.“

Besonderer Dank gebühre den beiden Arbeitsgemeinschaftsleitern, Dr. Anton Burger und Dr. Robert Tischer, die einen Teil der Referendarzeit mitgestaltet haben, aber auch Irmgard Maier von der Präsidialabteilung, seit Jahrzehnten die maßgebliche Ansprechpartnerin für alle Verwaltungsfragen. Dazu die Präsidentin: „Sie hat sich um alle Ihre Anliegen gekümmert, konnte alle Fragen beantworten und war immer da, wenn Rat vonnöten war.“

Anja Kesting verwies auf „die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten“ im juristischen Berufsbild. Die Rechtsordnung entwickle sich weiter. Gleichzeitig würden erhebliche gesellschaftliche Änderungen vollzogen und sich neue Fragen an Recht und Ethik stellen: „Sie können neue Wege gehen, kreative Lösungen finden und sollten mutig Verantwortung übernehmen.“ Nicht jeder werde denselben Weg wählen. Ob als Richterin oder Richter, Staatsanwältin oder Staatsanwalt, als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt, ob in der Beratung von Unternehmen, beim Wirken in NGOs, beim Forschen in der Wissenschaft oder beim Mitgestalten in der Politik – die juristische Ausbildung biete das Fundament, um individuelle Berufung zu entdecken. In der heutigen Zeit gelte es, „interdisziplinär zu denken, im Team und über Fachgrenzen hinweg zu arbeiten.“ Wichtige Kompassnadeln dabei seien die Fähigkeit zur Analyse und Argumentation, Kritikfähigkeit und Ethik. Die Präsidentin fuhr fort, wichtig sei die Bereitschaft, Neues zu lernen und Neues zu akzeptieren, veränderten sich doch die Gesellschaft und damit auch die rechtlichen Parameter ständig. Kesting appellierte: „Entwickeln Sie Lösungen, die sich neuen gesellschaftlichen Bedingungen anpassen, aber auch dem Rechtsstaatprinzip und der Menschlichkeit gerecht werden.“ Wer mitgestalten wolle, könne Einfluss nehmen auf die Entwicklung in Gerichten, Verwaltungs- und Rechtsabteilungen, Rechtsprechung, Rechtsberatung, Politik und Wissenschaft, aber auch außerhalb traditioneller Pfade in Bereichen wie Compliance, Datenschutz, Menschenrechte, Umwelt- und Sozialrecht, digitalem Recht und vielem mehr. Die Präsidentin legte ans Herz, authentisch zu bleiben, langfristige Perspektiven zu entwickeln, eine positive Arbeitskultur zu finden und Verantwortung zu tragen.

Das Erste Staatsexamen werde im Freistaat Bayern mit einer zentralen Verabschiedung in München begangen, das Zweite am jeweiligen Ausbildungsstandort, hob Christine von Massenbach hervor. Sie sprach von einer „Schwundquote“: „Nur jeder fünfte Jurastudent kommt so weit wie Sie.“ In Traunstein seien „wirklich gute Prüfungsergebnisse“, besser als im Bayern-Durchschnitt, erreicht worden. Frau von Massenbach meinte weiter, viele hätten schon berufliche Pläne, andere seien noch unentschlossen: „Bitte ziehen Sie auch die Justiz als Arbeitgeber in Betracht.“ Sie schloss: „KI hin oder her – wir sind dringend auf Nachwuchskräfte angewiesen, die sich der Gerechtigkeit verpflichtet fühlen.“

An die zwei Jahre in Traunstein mit vielen verschiedenen Stationen erinnerten die hauptamtlichen Ausbildungsleiter. Dr. Robert Tischer hob heraus: „Ein Teil der Arbeit war, das Leben anderer Menschen zu beeinflussen. Das wird so bleiben – ob es der kleine Temposünder oder ein Verbrecher ist.“

Die „Superorganisation“ von Irmgard Maier lobte Dr. Anton Burger. Erstmals sei ein Doppeljahrgang von ihr begleitet worden. Während der Referendarzeit ab Oktober 2023 habe man interessante Ausflüge unternommen, etwa nach Salzburg und Budapest, habe Fußballturniere ausgetragen und sei während einer Hospitation bei der Polizeiinspektion Prien per Polizeiboot zur Verfassungskonvent-Ausstellung nach Herrenchiemsee gefahren. Der „Werbung für die Justiz“ schloss sich Dr. Burger sichtlich aus Überzeugung an.

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