Marode Brücken: Handlungsbedarf wächst

von Redaktion

Der Ausbau der A8 Ost zwischen Inntal-Dreieck und Felden ist der letzte geplante Komplettneubau. Während Klagen den Start verzögern, wächst der Druck auf den restlichen Abschnitt, da Dutzende Brücken saniert oder neu gebaut werden müssen. Fünf Projekte sind für dieses Jahr geplant.

Rosenheim/Landkreis – Der sechsstreifige Ausbau der A8 zwischen dem Autobahndreieck Inntal und der Anschlussstelle Felden wird der letzte Abschnitt der Bundesautobahn A8 Ost sein, der komplett neu gebaut wird. Der Bereich von der Anschlussstelle Felden bis zur Bundesgrenze kann nur noch erhalten werden. „Die Zeit ist abgelaufen. Baurecht für einen weiteren Neubau innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erhalten, ist nicht realistisch“, sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahn GmbH Südbayern. „Die Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiträume wären länger als die Restlebenszeit der Autobahn, und wir müssen die Probleme jetzt lösen.“

Erster Bauabschnitt
verzögert sich weiter

Etwa 20 Jahre könnte es dauern, ehe der Abschnitt zwischen Inntal-Dreieck und Felden fertig ist, schätzt Seebacher, denn für jeden der drei Bauabschnitte müsse mit einer Bauzeit von sechs bis acht Jahren gerechnet werden. Bislang ist noch nicht einmal der erste Bauabschnitt in trockenen Tüchern. Für den Ausbau der A8 zwischen Achenmühle und Bernauer Berg gab es Anfang 2024 grünes Licht. Seitdem liegt das Projekt auf Eis. Die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss liegen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

„Das Bundesverkehrsministerium hat zugesichert, dass die Finanzierung für alle Projekte mit Baurecht oder zu erwartendem Baurecht bis 2029 steht“, sagt Josef Seebacher.

Laufende Projekte sollen mit Nachdruck fortgeführt und baureife Projekte zeitnah umgesetzt werden. Nun hängt es vom Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes ab, ob und wann der erste Bauabschnitt starten kann. Für die drei Verfahren zur A8 zwischen Achenmühle und Bernauer Berg – BVerwG 9 A 6.24, BVerwG 9 A 7.24 und BVerwG 9 A 11.24 – sind noch keine mündlichen Verhandlungen anberaumt. Die gute Nachricht: „Eine Terminierung für das Jahr 2026 ist vorgesehen“, informiert eine Sprecherin auf OVB-Anfrage.

Indes macht die über 90-jährige Autobahn immer mehr Sorgen. Auf 125 Kilometern zwischen München und der Staatsgrenze bei Salzburg gibt es 205 Brückenbauwerke. 42 Prozent wurden vor 1970 gebaut. 81 sind hochbetagt, stammen aus den 1930er-Jahren und haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Um die Befahrbarkeit der Autobahn zu gewährleisten, sind regelmäßig Instandhaltungen, immer öfter aber auch Ad-hoc-Maßnahmen erforderlich. 2025 wurden die Eisenbahnbrücke bei Rohrdorf und die Prientalbrücke bei Frasdorf saniert.

Für den Schutz des Chiemsees werden Absetzungsbecken am Bernauer Berg gebaut. Bei Seehaus in der Gemeinde Frasdorf begann der Ersatzneubau der Autobahnbrücke. In diesem Jahr liegt der Fokus der Autobahn GmbH auf fünf Brücken, vier davon auf der A8. Die bei Seehaus ist bereits im Bau und soll bis Ende des Jahres fertig sein. Nach den Sommerferien wird es im Abschnitt zwischen Rohrdorf und Frasdorf eng. Dann wird die Brücke über die Tiroler Achen saniert.

Auch die Brücke über die Weiße Traun unmittelbar an der Anschlussstelle Traunstein-Siegsdorf muss dringend erneuert werden. „Die bestehende wird durch eine neue Brücke in gleicher Lage ersetzt“, erläutert Seebacher. Im Spätsommer beginnen die Rodungen im Umfeld der Brücke. Da das Bauwerk aus zwei nebeneinander liegenden Brücken besteht, erfolgt der Ersatzneubau in zwei Phasen. Im Herbst wird die nördliche Brücke abgerissen und neu gebaut. „In dieser Zeit rollt der Verkehr auf jeweils zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung auf der südlichen Brücke“, so Seebacher. Ein Jahr später – im Herbst 2027 – wird die südliche Brücke erneuert und der Verkehr über das nördliche Bauwerk geleitet. Ende 2028 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Ausgedient hat auch die Brücke über die Saalach bei Piding unmittelbar vor dem Grenzübergang Walserberg-Salzburg. Im Herbst 2024 fand eine Notinstandsetzung statt. „Auch diese Brücke besteht aus zwei nebeneinander liegenden Bauwerken, die getrennt erneuert werden“, so der Sprecher der Autobahn GmbH. Daher erfolge der Ersatzneubau innerhalb von vier Jahren in zwei Phasen. Im Juli geht es mit der nördlichen Brücke los. Die südliche Brücke wird ab November 2028 erneuert. 2030 soll der Bau beendet sein. Kosten: 50 Millionen Euro.

Bauwerk ist
63 Jahre alt

63 Jahre alt und ebenfalls dringend sanierungsbedürftig ist die Autobahnbrücke an der A93 Süd bei Oberaudorf. Im Februar sollen in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden die Rodungen im südlichen Bereich der Brücke beginnen, um die Baustelle einzurichten und Baufreiheit zu schaffen. „Von August bis November wird im Süden der Tiroler Straße eine Behelfsbrücke gebaut, damit der Verkehr während der Bauzeit der neuen Brücke weiter so reibungslos wie möglich fließen kann“, erläutert Seebacher das Projekt. Für den Winter 2026/27 sind Rodungen im nördlichen Umfeld der Brücke geplant.

Ab Februar 2027 wird die neue Brücke in gleicher Lage wie die alte Brücke errichtet. In dieser Zeit fließt der Verkehr mit jeweils einem Fahrstreifen pro Fahrtrichtung auf der neu gebauten Behelfsbrücke. Ende 2027 soll das Projekt abgeschlossen sein. Im Zuge dieses Projektes bindet die Gemeinde Oberaudorf ihr neues Gewerbegebiet mit einem Kreisverkehr an die Tiroler Straße an.

Artikel 6 von 11