Aschau – Manchmal reicht ein Pullover, um eine ganze Epoche wieder greifbar zu machen. Als Christian Neureuther beim Eröffnungsabend der „Aschauer Skiroas 2026“ in der Priental-Halle einen gestrickten Rennpullover hochhielt, war der Saal sofort bei der Geschichte: 1967, bei den deutschen Meisterschaften auf der Kampenwand, habe er dort seine spätere Frau Rosi Mittermaier wieder getroffen – und genau diesen Pullover habe sie damals beim Rennen getragen.
Früher regelmäßig
Schauplatz für Rennen
Neureuther hatte zudem ein Album mitgebracht: Zeitungsausschnitte von damals, darunter auch das erste Foto, das ihn gemeinsam mit der jungen Rosi zeigt. Eine persönliche Anekdote als Türöffner – und ein Moment, der die Leitidee des Abends auf den Punkt brachte: Skigeschichte(n) an der Kampenwand nicht nur zu erzählen, sondern erlebbar zu machen.
Viele Wintersport-Begeisterte waren gekommen, die die Zeit noch miterlebt hatten, als an der Kampenwand in den Jahrzehnten von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre hinein regelmäßig Rennen ausgetragen wurden – in Jahren, in denen von Anfang Dezember bis Ende Februar so verlässlich Schnee lag, dass Wintersport planbar war.
Im Publikum saßen daher nicht nur Fans, sondern auch Mitwirkende von damals: Verantwortliche für Zeitmessung, Pistenpräparierung und Organisation ebenso wie ehemalige Teilnehmer.
Begleitet wurde der Rückblick immer wieder durch historische Video- und Fernsehaufnahmen, die der Veranstalter einspielte und die beim Publikum hörbar Staunen auslösten – Bilder, die die Atmosphäre jener Winter und den damaligen Rennzirkus an der Kampenwand eindrucksvoll zurückholten.
Veranstaltet wurde der Abend vom Wintersportverein (WSV) Aschau in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein Aschau. Der Eintritt war frei, stattdessen wurden Spenden zugunsten der Dominik-Wörndl-Stiftung gesammelt. Für einen besonderen Moment sorgte dabei Christian Neureuther auch ganz konkret: Er legte zusätzlich 1.000 Euro in den Spendentopf.
Inhaltlich stand die Kampenwand als früherer Wintersport-Schauplatz im Zentrum: Große Rennen waren hier zu Gast – exemplarisch die deutschen Meisterschaften 1967 mit Christian Neureuther und Rosi Mittermaier sowie die Skibob-Europameisterschaft 1984, um nur zwei Meilensteine zu nennen.
Emotionale und
sportliche Erinnerungen
In den Gesprächen wurde zugleich deutlich, wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert haben: Mit kürzeren und unzuverlässigeren Schneefenstern sind Rennen dieser Art heute vielerorts nur noch in deutlich höheren Lagen realistisch – ein Kontrast, der den Wert der damaligen Skikultur noch stärker hervortreten ließ. Als weiteren Höhepunkt bezeichneten die Organisatoren Neureuthers Besuch am Nachmittag: Er war vor der Veranstaltung auf der Kampenwand – und damit nach eigenem Bekunden erstmals seit 58 Jahren wieder oben am Berg. Seine emotionalen und sportlichen Erinnerungen – ebenso wie die Freundschaften nach Aschau, etwa zu Wolfgang Junginger – fesselten die Besucher. Neureuther sprach zudem sehr eindringlich über die Bedeutung des Sports für Kinder und Gesellschaft, auch mit Blick auf die eigenen Kinder und inzwischen die Enkel.
In der Podiumsrunde ging es mit den Gästen Tatjana Mittermayer (Freestyle/Buckelpiste), Toni Feistl (Skibob) und Georg Steigenberger (Skitourengehen) um sportliche Erfolge und Geschichten aus den jeweiligen Disziplinen – und immer wieder um die besondere Verbindung zur Kampenwand. Mittermayer schilderte dabei, welche Trainingsbedingungen sie dort vorfand: Vor allem am berühmt-berüchtigten „deutschen Hang“ habe die Kampenwand für sie über Jahre perfekte Voraussetzungen geboten.
Unterm Strich war der Abend genau das, was er sein wollte: Ein gemeinsamer Rückblick auf Aschauer Skigeschichte – getragen von Archivmaterial, persönlichen Erinnerungen und einem Publikum, das diese Zeit nicht nur kennt, sondern sie mitgestaltet hat.