Milchpreis für Bauern geht in den Keller

von Redaktion

Sinkende Milchpreise bereiten den Bauern in der Region Sorgen. Bei der Winterversammlung der Milcherzeugergemeinschaft Rosenheim-Bad Aibling wurden die Gründe für den Preisabsturz und die Zukunftschancen für die Landwirte diskutiert.

Rosenheim – Das Auf und Ab der Milchpreise in Abhängigkeit von der produzierten Menge macht den Landwirten zu schaffen. Derzeit ist der Milchpreis, der 2025 auf 55 Cent pro Kilogramm stieg, auf Talfahrt, wobei die Talsohle mit 45 Cent pro Kilogramm wahrscheinlich noch nicht erreicht ist. Das war eine der Botschaften für 200 Besucher der Winterversammlung der „Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Rosenheim-Bad Aibling“ im Gasthof Höhensteiger.

Die Mechanismen
des Marktes

Um über die Marktmechanismen zu informieren, hatte der Vorsitzende der MEG, Philipp Moosner, Professor Thomas Vogler eingeladen. Dieser ist Studiengangleiter „Global Business“ an der TH Ingolstadt. „Ich fange bei der anderen Seite – beim Kunden – an“, so der Wirtschaftsexperte, denn „das Kundenverhalten bestimmt alles.“ Kunden wollten billige Milch, und der Händler mache, was die Kunden wollen.

Da die Kunden im Schnitt nur etwa 50 Preise im Kopf haben, müssten Händler bei den am stärksten vertretenen Produkten Milch und Butter die Kunden mit günstigen Angeboten in den Laden locken. Die Kunden würden dann auch andere Produkte kaufen, von denen sie nicht wüssten, ob diese relativ teuer oder billig sind. Bei dem durchschnittlichen Einkaufswert von 35 Euro würde sich das für den Händler rechnen, denn: „Der Händler ist dem Geld nicht Feind.“ Allerdings löse dies einen Domino-Effekt entlang der „Wertschöpfungskette Milch“ aus, der am Ende die Bauern treffe.

Ein weiterer Marktmechanismus ist laut Vogler „Maslows Bedürfnispyramide“. Nachdem die Grundbedürfnisse nach Nahrung erfüllt waren, hätten die Kunden billige Produkte gekauft, um Ersparnisse zu bilden und so mehr finanzielle Sicherheit zu haben. Die Zeit der Discounter brach an. Mit steigendem Wohlstand rückten viele Bürger eine Stufe nach oben, sie leisteten sich soziales Denken und damit auch Mehrausgaben für Bioprodukte und Tierwohl. Die Supermärkte warben mit entsprechenden Etiketten auf der Ware. Aufgrund der jüngsten geopolitischen Krisen sei das Sicherheitsstreben wieder in den Vordergrund gerückt. Billige Butter sei derzeit vielen wieder wichtiger als das Wohl der Kühe. Dieses Kundenverhalten sei vorhersehbar. Vogler sieht auch Chancen für die Bauern. Der Ausbau der Regionalvermarktung würde den Absatz der in der Region erzeugten landwirtschaftlichen Produkte erhöhen, weil sich die Kunden mit diesen Produkten identifizieren würden, auch wenn sie etwas teurer seien. Bei Fleisch und Eiern funktioniere dies bereits. Wichtig sei dabei eine transparente Kommunikation mit den Kunden. Auch die Schaffung von neuen Produkten könnte helfen. Vogler ist alles in allem optimistisch, was den Milchpreis angeht: „Es wird wieder besser.“ Das Auf und Ab der Preise sei der „klassische Schweinezyklus.“

Bezirksrat Josef Hofer meint, was die Regionalvermarktung angeht, könne man von Österreich lernen. Dort würden bevorzugt Lebensmittel aus dem Inland gekauft. Der Geschäftsführer der „BayMEG“, Markus Seemüller, sieht ein Problem darin, dass in Deutschland „der politische Wille fehlt, die Landwirtschaft zu unterstützen“. Politiker wollten niedrige Lebensmittelpreise, weil dies den Verbrauchern nütze.

Der Landtagsabgeordnete Sebastian Friesinger sieht ebenfalls ein Problem in der Politik, in der zu viele Personen praxisfremd seien. Wenn in einer Kommission, die sich mit der Situation der Landwirtschaft befasse, 78 Prozent Juristen seien, dann sei dies ein Problem: „Ich habe nichts gegen Juristen, das sind nette Leute, aber das sind zu viele.“ Der stellvertretende Landrat Josef Huber sieht langfristig eine gute Zukunft der Milchviehhalter. Schließlich sei die Kuh „das einzige Vieh, das aus Gras was Vernünftiges machen kann“. Angesichts der aktuellen Krisen würden auch immer mehr Bürger verstehen, dass „die Landwirtschaft nicht nur da ist, um draufzuhauen, sondern dass man sie auch zur Ernährungssouveränität braucht.“

Die 523 Lieferanten der MEG hatten 2024 196 Millionen Kilogramm Milch an sechs Molkereien geliefert und dafür 97 Millionen Euro bekommen. Im Jahr zuvor waren es 543 Lieferanten, die für 192 Millionen Kilogramm Milch 94 Millionen Euro erhalten hatten. Die Zahlen für 2025 lagen laut Moosner noch nicht vor.

Neuer Verein soll
Erzeuger stärken

Ihre Situation verbessern wollen die Landwirte laut Seemüller mit der Gründung des „Solidarvereins deutscher Milcherzeuger“. Der eingetragene Verein, der seine Arbeit am 1. Februar aufnehmen wird, soll den Milchbauern durch die Bündelung von Interessen einen Mehrwert bringen. Nach einer Testphase von fünf Jahren soll über die Fortführung des Vereins entschieden werden.

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