Biathlon-Mekka Ruhpolding hofft auf eine fünfte WM

von Redaktion

2012 hat Ruhpolding zum letzten Mal die Biathlon-Weltmeisterschaften ausgerichtet. Über eine neuerliche Bewerbung wird viel spekuliert. Die Entscheider reden nun Klartext über einen möglichen Termin – und welche Hindernisse auf dem Weg zum nächsten Höhepunkt im Chiemgau aus dem Weg geräumt werden müssen.

Ruhpolding – 85.250 Zuschauer sorgten beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding kürzlich wieder einmal für Gänsehautstimmung bei Franziska Preuß und Co. Eine gewaltige Zahl. 2012 jedoch, bei den letzten Biathlon-Weltmeisterschaften im Chiemgau, jubelten fast 240.000 Zuschauer den Stars der Skijäger-Szene zu. Die legendäre Magdalena Neuner gewann damals zwei Goldmedaillen, die Fanmassen brachten Millionenumsätze in die ganze Region.

Gespräche zwischen der
Gemeinde und dem DSV

14 Jahre ist das inzwischen her und schon lange gibt es Spekulationen, wann Ruhpolding nach 1979, 1985, 1996 und eben 2012 endlich zum fünften Mal die Titelkämpfe der beliebten Wintersportart ausrichtet. Auch beim Deutschen Skiverband (DSV), zu dem auch die Biathlon-Sparte gehört, wird über das Thema schon seit einiger Zeit diskutiert.

2023 haben die Weltmeisterschaften zum letzten Mal hierzulande stattgefunden, damals im thüringischen Oberhof. Deutschland hat mit den zwei Weltcups in jedem Winter in Oberhof und Ruhpolding eine Sonderposition im Biathlon-Weltcup. Das hängt neben den rekordverdächtigen Zuschauerzahlen an der Strecke mit den gewaltigen TV-Einschaltquoten im Millionenbereich zusammen. Und auch damit, dass viele Sponsoren der rasanten Kombination aus Skilanglauf und Schießen aus Deutschland kommen.

Woran hakt es also in Sachen neuerlicher WM-Bewerbung mit dem Biathlon-Mekka in Oberbayern? „Was Ruhpolding betrifft, gibt es seit einiger Zeit Gespräche zwischen dem Ort und dem DSV. Die sind nicht immer einfach, verlaufen aber insgesamt konstruktiv. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie man sich künftig aufstellt und ob man Dinge gemeinsam angehen kann. Für Ruhpolding hätte das den Vorteil, das wirtschaftliche Risiko nicht mehr allein tragen zu müssen“, sagt Felix Bitterling, Biathlon-Sportdirektor im DSV, auf Anfrage.

„Das bekommt
Ruhpolding hin“

Konkret geht es darum, eine gemeinsame Firma ins Leben zu rufen, welche die Großereignisse in Ruhpolding künftig ausrichtet. Laut Bitterling gehe es darum, „Strukturen zu schaffen, die man perspektivisch auf alle deutschen Events übertragen kann. Ein Beispiel wäre ein einheitliches Ticketsystem, das wirtschaftliche Vorteile bringt und den Fans vieles erleichtert.“ Das klingt erst mal gut, allerdings muss im Hintergrund zwischen DSV, Gemeinde und Organisationskomitee genau geklärt werden, wer welche Arbeiten erledigt und wie es um die finanziellen Risiken sowie die Verteilung der möglichen Gewinne steht.

Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer, der tagtäglich in seinem Heimatstützpunkt arbeitet, sieht die reine Organisation einer möglichen WM als das kleinste Problem. „Das bekommt Ruhpolding hin, wir haben ein neues Organisationskomitee mit vielen jungen Leuten“, sagt Deutschlands Trainer des Jahres 2025. Der Chefcoach des Teams um Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin Franziska Preuß erklärt weiter: „Es geht aber auch um die Trainingsstätte. Wir sind dort auf dem Stand der WM 2012.“ Damals sei viel neu gemacht worden, aber es bräuchte jetzt noch ein paar Verbesserungen. „Damit meine ich nicht in erster Linie den Schießstand oder die Gebäude, sondern vor allem die Indoor-Ausstattung. Egal, ob das Rollerlaufbänder sind, ein Schießkanal oder ein Kraftraum, wo genügend Platz ist. Eine WM könnte der Katalysator für die nötigen Veränderungen sein“, so Kristian Mehringer.

Was eine WM für den Leistungsstützpunkt sowie die ganze Region bewirken könne, hat laut dem Trainer das Beispiel der Titelkämpfe 2023 in Oberhof gezeigt. Für die dortigen Titelkämpfe im Biathlon und Rodeln wurden stolze 100 Millionen Euro investiert. Eine Millionen-Infusion für die Sportanlagen würde auch Ruhpolding guttun. Zum einen, um Top-Bedingungen für die nächste Generation an Wintersportlern zu schaffen. Aber auch, um die auf etwa 20 Millionen Euro geschätzte Wertschöpfung für die Region durch einen Biathlon-Weltcup langfristig abzusichern.

Es spricht also eigentlich alles für eine neue WM-Bewerbung von Ruhpolding, wenn die offenen Fragen geklärt sind. Aber wann konkret?

„Realistisch wäre das frühestens ab 2032 oder 2033, da sich der DSV für 2031 mit Oberstdorf um die Nordische Ski-WM bewirbt. Zwei Weltmeisterschaften im Wintersport im gleichen Land sind kaum realistisch. Entsprechend wäre eine Bewerbung frühestens 2028 beim Biathlon-Weltverband ein Thema“, verrät Felix Bitterling.

Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer äußert sich auf OVB-Anfrage fast wortgleich und fügt hinzu: „Der Deutsche Skiverband würde eine Bewerbung des Standorts Ruhpolding grundsätzlich unterstützen. Die weitere Befassung mit dem Thema soll im Gemeinderat erfolgen.“ Das klingt hoffnungsvoll, auch für Bundestrainer Kristian Mehringer: „Ich hoffe, dass die WM in Ruhpolding in den nächsten acht Jahren über die Bühne geht. Dann bin ich vielleicht noch dabei – ansonsten schaue ich es mir halt begeistert im Fernsehen an.“

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