„Prävention ist Pflichtaufgabe“

von Redaktion

Sozialraumkonzept Blaupause für Bezirk

Rosenheim – Angesichts steigender Sozialausgaben und mehr Pflegebedürftigen fordert die Ausschussgemeinschaft ÖDP/die Basis im Bezirkstag Oberbayern einen Kurswechsel in der Sozialpolitik. Nach einem Informationsbesuch im Caritas Centrum Rosenheim will sie das dort etablierte Sozialraumkonzept zum Vorbild für den gesamten Bezirk machen.

Die Bezirksräte Andreas Huber, Max Keil (beide ÖDP) und Peggy Galic (die Basis) informierten sich bei Wolfgang Ehrenlechner und Manina Sobe von der Caritas über die Sozialraumarbeit. Die Stadt Rosenheim nutzt dieses Konzept seit 20 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe und neuerdings auch in der Altenhilfe.

Das Konzept setzt auf Prävention, schnelle, unbürokratische Hilfe und die Stärkung der Selbstständigkeit.

Die finanziellen Effekte sind messbar: In Rosenheim stiegen die Kosten pro Kopf bei unter 27-Jährigen zwischen 2008 und 2021 um 38 Prozent, während sie bundesweit bei klassischer Fallabrechnung um 98 Prozent zunahmen. Wegen einer prognostizierten Zunahme von 400 Pflegebedürftigen in der Region sieht die Ausschussgemeinschaft dringenden Handlungsbedarf. Das in Rosenheim erfolgreiche Konzept soll auf alle relevanten Leistungen des Bezirks Oberbayern ausgeweitet werden. Andreas Huber zufolge baue das Sozialraummodell Bürokratie ab und vermeidet unnötige Leistungen, weil der Wille der Betroffenen berücksichtigt wird. Zudem werde das Potenzial Ehrenamtlicher genutzt, was Geld spare und die Qualität für die Menschen erhöhe. ÖDP und dieBasis fordern daher einen Kurswechsel von der starren Fallfinanzierung hin zu einer transparenten Pauschalfinanzierung, die Prävention ermöglicht und belohnt.

Prävention sei eine Pflichtaufgabe moderner Sozialpolitik, keine freiwillige Zusatzleistung, betonte Max Keil. Peggy Galic ergänzte, dass der Erhalt der Selbstständigkeit Betroffene, ihre Familien und die öffentlichen Haushalte entlaste.

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