„Eine Abschaffung des Rechts auf Teilzeit wäre eine Katastrophe“

von Redaktion

Regionale Wirtschaft reagiert deutlich auf die Teilzeit-Debatte – Plädoyers für weniger Bürokratie und bessere Ganztagesbetreuung

Rosenheim/Traunstein/ Mühldorf – Der Wirtschaftsflügel der CDU hat sich für eine Einschränkung der Teilzeitarbeit ausgesprochen. Unter dem Titel „Kein Anspruch mehr auf Lifestyle-Teilzeit“, soll auf dem Bundesparteitag Ende Februar das Recht auf Teilzeitarbeit überprüft werden. Gemäß dem Antrag soll es nicht mehr möglich sein, ohne „besondere Begründung“, wie beispielsweise die Erziehung von Kindern oder der Pflege eines Angehörigen, weniger als Vollzeit zu arbeiten. 

Ein Vorschlag, der in der Region rund um Rosenheim nicht gut ankommt. „Wir halten das Recht auf Teilzeit für einen wichtigen Bestandteil der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, meint ein Sprecher der Sparkasse Altötting-Mühldorf. Hier liegt die Teilzeitquote bei rund 40 Prozent aller Angestellten. Da eine neue Regel deutliche Einschränkungen bedeuten würde, sehe man dort keine Notwendigkeit, etwas zu verändern. „Ein durchgehender Trend zu mehr Teilzeit ist zudem nicht erkennbar, da die Entscheidung immer individuell getroffen wird“, heißt es vonseiten der Sparkasse. 

Der Rosenheimer Kreishandwerksmeister Rudolf Schiller bestätigt, dass die Teilzeit in allen Handwerken längst angekommen ist.  „Die Betriebe versuchen, verschiedene Zeitmodelle für die Mitarbeiter umzusetzen“, meint er.

Dabei merkt Schiller an, dass einige Bereiche, wie zum Beispiel die Tagesarbeitszeiten für Lehrlinge, sehr starr und „überbürokratisch“ geregelt seien. Dementsprechend würde es dem Handwerk eher helfen, hier die Bürokratie abzubauen, als ein komplettes neues Teilzeitmodell zu etablieren. 

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch die Rosenheimer Industrie- und Handelskammer (IHK). „Ich glaube, dass sich in den Unternehmen gar nicht viel ändern würde“, meint Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim. Die Teilzeitvereinbarungen seien demnach so vielschichtig und individuell, dass diese am Ende intern geklärt werden würden, egal, wie die bundesweite Regelung aussieht. „Ein solches Verbot wäre nicht zielführend“, meint auch Jens Wucherpfennig, Leiter der Rosenheimer IHK-Geschäftsstelle. Er hält es für sinnvoller, zum Beispiel eine Ganztagsbetreuung für Familien zu gewährleisten, damit es den Eltern möglich ist, länger zu arbeiten. „Denn aus meiner Erfahrung ist die Betreuung zuhause immer noch der Hauptgrund für ein Teilzeitmodell und nicht, weil jeder freitags in die Berge gehen möchte“, sagt Wucherpfennig. 

Speziell im sozialen Bereich ist der Aufschrei groß. „Eine Abschaffung des Rechts auf Teilzeit wäre für die Pflege eine Katastrophe“, sagt Markus Schneider, Fachbereichsleiter Seniorenhilfe des Diakonischen Werks in Traunstein. Dort arbeiten rund 75 Prozent der 300 Mitarbeiter nach dem Teilzeitmodell. Seiner Meinung nach würde eine Abschaffung der freiwilligen Teilzeit nicht zu mehr Fachkräften führen, sondern genau das Gegenteil bewirken. „Einige möchten aufgrund der hohen persönlichen Belastung, die eine Tätigkeit in der Pflege mit sich bringt, nicht in Vollzeit arbeiten“, meint Schneider. Fallen diese Arbeitskräfte mit einer neuen Regel weg, wäre eine Versorgung in der Seniorenhilfe nicht machbar.

Korbinian Sautter

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