Schönau – Die Freie Wohlfahrtspflege Bayern setzt sich mit Nachdruck für die konsequente Umsetzung einer inklusiven Ganztagsförderung für alle Kinder ein. Die daraus resultierenden Probleme wurden kürzlich im Rahmen eines Aktionstages an der Offenen Ganztagesschule in Schönau herausgearbeitet.
Ab dem Schuljahr 2026/27 tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung für Grundschulkinder in Kraft, beginnend mit den Erstklässlern. Damit dieses Versprechen für alle Kinder gilt, braucht es hochwertige und inklusive Angebote. Nur mit einer umfassenden Qualitäts- und Inklusionsoffensive kann dieses Versprechen für alle Kinder eingelöst werden. Um auf die Forderungen zur Inklusion in der Ganztagsförderung hinzuweisen, führte die Freie Wohlfahrtspflege in ganz Bayern Aktionstage unter dem Motto „Gemeinsam wachsen – Inklusiver Ganztag für ALLE Kinder!“ durch.
BRK-Kreisverband
Rosenheim Ausrichter
Ausrichter des Schönauer Aktionstages war der BRK Kreisverband Rosenheim, der auch Träger der Ganztagesschule ist, zusammen mit Tuntenhausens Bürgermeister Georg Weigl, Christine Schindlbeck aus der Gemeindeverwaltung und Claudia Kohnle als Schulleiterin der Grundschule. Weiter vertreten waren auch die Diakonie Rosenheim und die Awo Rosenheim-Miesbach.
Als Ziel wurde ausgegeben, Inklusion im Ganztag sichtbar zu machen, bestehende Herausforderungen offen zu benennen und konkrete politische sowie strukturelle Verbesserungen anzusprechen. Die Veranstaltung zeichnete sich auch durch eine exklusive Teilnehmerzahl aus. Von Landrat Otto Lederer, Bürgermeister Bernd Fessler (Großkarolinenfeld) und Sabine Stelzmann (Leitung Kreisjugendamt) über Irene Oberst (Belange Menschen mit Behinderung Landkreis), Marion Graßinger (Ganztagskoordinatorin Stadt Rosenheim) und Stefan Müller (Stellvertretender Kreisgeschäftsführer BRK) bis hin zu Neda Nayeri-Maslo (Landesreferentin Jugend & Familie BRK Landesverband) waren alle in Schönau vertreten.
Aus Schönauer Sicht, wo der offene Ganztag schon seit 2021 betrieben wird, ist es unabdingbar, die Gruppen- und Personalplanung sehr früh zu beginnen. Unflexible Förderquoten und unterschiedliche Schulschlusszeiten erschweren die Arbeit. „Inklusion gelingt dort am besten, wo Kommune, Schule und Träger wertschätzend zusammenarbeiten“, betonte Claudia Kohnle.
In einer Diskussionsrunde wurden erste, zentrale Herausforderungen erarbeitet. Demnach endet die Inklusion nicht mittags, auch wenn die Schul- und Individualbegleitung häufig nur für den Vormittag bewilligt wird. Gruppenstärken und Personaleinsatz lassen sich unterjährigen Bedarfsveränderungen kaum anpassen. Fachkräftemangel und die Finanzierung waren weitere Aspekte. Bei Letzterem ist es so, dass die Inklusion über ein ganzes Jahr mit begrenzten Mitteln für Träger und Kommunen kaum tragbar ist. Deshalb fordert auch die Freie Wohlfahrtspflege eine deutliche Erhöhung der Landesmittel und eine verlässliche Finanzierung von Konzeptarbeit, Teamreflexion, Netzwerkarbeit und Vor- und Nachbereitung.
Ramona Christl, Leitung der OGTS Schönau, stellte fest: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum Kinder mit Förderbedarf am Nachmittag oft keine Begleitung erhalten; Inklusion endet doch nicht mit dem Unterricht.“ Bürgermeister Georg Weigl forderte, dass die Einschätzungen der Schulleitung und der Träger ernst genommen werden und die personelle Ausstattung verstärkt werden muss. „Der finanzielle Aufwand durch die Kommunen ist immer schwieriger darzustellen“, kritisierte Weigl.
In der Diskussion kam auch offen zutage, dass die bayerische Ausgangslage strukturell herausfordernd ist: Unterschiedliche Angebotsformen, stark variierende Zuschüsse sowie fehlende einheitliche Qualitäts- und Inklusionsstandards. Deshalb war die Frage weniger, ob Inklusion „gewollt“ ist, sondern ob die Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass sie Inklusion im Ganztag überhaupt möglich machen.
Auch in Schönau wurde sichtbar, dass die Planung früh und verbindlich erfolgen muss. Inklusion braucht Flexibilität, und genau diese Flexibilität fehlt häufig im System. Wird eine Begleitung nur für den Vormittag bewilligt, nicht jedoch auch für den Nachmittag, fehlt es an Kontinuität im Tagesablauf. Für Kinder und Familien wird so der Ganztag zu einem Angebot mit Unsicherheiten.
Ein Schwerpunkt in Schönau war auch die Finanzierung von Qualität. Wird ausschließlich die direkte Zeit am Kind refinanziert, bleibt der Kern der Qualitätsentwicklung unbezahlt. Die Folge: Teams arbeiten dauerhaft am Limit. Deshalb wurde die Forderung nach einer deutlichen Erhöhung der Landesmittel sowie nach refinanzierter Qualifizierung als Voraussetzung beschrieben, damit der Rechtsanspruch nicht nur „Plätze“ schafft, sondern auch echte „Teilhabe“ ermöglicht.
Der Aktionstag machte deutlich, wie groß die Erwartungen an den Ganztag sind und wie schnell diese Erwartungen in der Praxis an Grenzen stoßen, wenn Inklusion zwar politisch bejaht, aber organisatorisch nicht abgesichert wird. Ein klares Signal aus Schönau an die Politik: Inklusion im Ganztag braucht Struktur. Kommune, Träger und Politik müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Rahmenbedingungen so anpassen, dass Inklusion nicht an starren Vorgaben oder fehlender Finanzierung scheitert.
Gemeinsame
Zukunftsaufgabe
Für Landrat Otto Lederer ist die Gestaltung einer inklusiv ausgerichteten Ganztagsbildung eine gemeinsame Zukunftsaufgabe, die nur in enger Zusammenarbeit mit Kommunen, Schulen, Trägern, Eltern und Kindern gelingen kann. „Bei der offenen Ganztagsschule mit Inklusionsprofil in Schönau zeigen eine engagierte Schule, ein verlässlicher Träger wie das BRK und die Kommune mit der Bereitschaft zur Erweiterung der Gebäude bereits, was möglich ist“, so der Landrat. „Der Weg zu einem inklusiven Ganztag stellt uns aber auch vor Herausforderungen. Dafür werden wir als Landkreis gemeinsam mit den zuständigen Akteuren nach geeigneten Lösungen vor Ort suchen.“