Bad Aibling – Es gibt Tage, die haben sich ins Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt. So werden sich viele bis an ihr Lebensende genau daran erinnern können, was sie am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, oder am 11. September 2001, den Terroranschlägen aufs World Trade Center in New York, gemacht haben.
Eine Katastrophe, die zumindest in der Region ebenfalls im kollektiven Gedächtnis verankert ist, ist das Zugunglück am 9. Februar 2016. Zwölf Menschen hatten beim Zusammenstoß zwischen zwei Zügen zwischen Bad Aibling und Kolbermoor ihr Leben verloren. Welche Erinnerungen die Menschen an diese Tragödie haben, dazu hat das OVB anlässlich des zehnten Jahrestags des Unglücks Passanten in Bad Aibling befragt.
Georg Baumann (60), Mesner aus Bad Aibling: „Ich kann mich noch erinnern, dass ich gerade in die Arbeit fahren wollte, als mir meine Mutter erzählt hat, dass es bei uns ein schweres Zugunglück gegeben hat. Sie hatte es da bereits im Radio gehört. Wenig später hat man dann schon unzählige Hubschrauber über der Stadt gehört. Das war gruselig. Nachmittags haben wir dann in der Kirche Mariä Himmelfahrt Kerzen angezündet, um den Menschen einen Raum fürs Gebet zu geben. Ständig im Gedächtnis ist das Unglück heute nicht mehr. Wenn es allerdings irgendwo ein Zugunglück gibt, ist es sofort wieder präsent.“
Christina Rottmayr (35), Bankangestellte aus Feldkirchen-Westerham: „Ich habe damals aus dem Radio und auf Social-Media-Kanälen vom Zugunglück in Bad Aibling erfahren. Mein erster Gedanke war, dass so etwas doch nicht bei uns in der Region passiert sein kann. Der zweite Gedanke war dann schon, ob ich jemanden kennen könnte, der in einem der beiden Züge gesessen hat. Gott sei Dank war das nicht der Fall. Man kann nur hoffen, dass so etwas nicht wieder passiert. Meistens bin ich selbst mit dem Auto unterwegs. Wenn ich dann doch mal Zug fahre, habe ich aber keine Angst, dass etwas passieren könnte.“
Zoltan Racz (70), Rentner aus Bad Aibling: „Ich habe damals erst durch einen Telefonanruf aus Australien vom Zugunglück in Bad Aibling erfahren. Meine Tochter, die in Australien lebt, war mit ihren Kindern am Tag davor nach Deutschland gereist, um uns zu besuchen. Am 9. Februar 2016 hat dann eine ihrer australischen Freundinnen, die vom Zugunglück in Bad Aibling gehört hatte, bei uns angerufen und gefragt, ob es meiner Tochter gut geht. Dadurch habe ich erst erfahren, was Schreckliches passiert ist. Ich möchte gar nicht daran denken, was wäre, wenn meine Tochter erst einen Tag später aus Australien heimgekommen wäre.“
Evi Eschner (67), Taxifahrerin aus Kolbermoor: „Als ich erfahren habe, dass zwischen Bad Aibling und Kolbermoor zwei Züge zusammengestoßen sind, habe ich richtig angefangen zu zittern. Denn eigentlich wäre mein Sohn in einem der Züge mitgefahren. Glücklicherweise war er an diesem Tag krank, was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. Die Zeit, bis ich ihn dann am Telefon erreicht hatte, war schrecklich. Ich kenne auch jemanden, der im Zug war und schwer am Kopf verletzt worden ist. Der leidet noch heute unter der Verletzung. Immer wenn ich an der Unglücksstelle vorbeifahre, denke ich an dieses Unglück.“
Alexander Fink (56), Unternehmensberater aus Bruckmühl: „Ich glaube nicht, dass das Zugunglück vor zehn Jahren in Bad Aibling heute noch ein großes Thema bei den Menschen in der Region ist. Ich selbst habe auch schon lange nicht mehr daran gedacht. Erfahren habe ich davon relativ schnell, nachdem ich mich über Google immer über News in der Region informieren lasse. Ich selbst bin viel mit dem Zug unterwegs, aber auch oftmals mit dem Flugzeug. Dass da etwas passieren könnte, davor habe ich überhaupt keine Angst.“
Annette Oberholzner (72), Rentnerin aus Bruckmühl: „Als plötzlich die vielen Sanka und Feuerwehrfahrzeuge unterwegs waren, war klar, dass das kein gewöhnlicher Unfall oder Brand war. Irgendwann kamen dann noch die ganzen Hubschrauber dazu. Gott sei Dank war es eine Ferienwoche. Es ist schon schlimm genug, wenn Erwachsene bei so einem Unglück ihr Leben verlieren. Wenn dann aber noch viele Kinder mitgefahren wären, daran möchte ich gar nicht denken. Ich fahre selbst viel mit dem Zug. Wenn es auf der Strecke hin und wieder zu rattern und ruckeln anfängt, dann habe ich manchmal schon ein mulmiges Gefühl.“ Mathias Weinzierl