Bad Endorf – Die Türen von Marias Kino in Bad Endorf öffnen sich um 19 Uhr. Kurz danach strömen massenhaft Besucher herein. Sie sind alle nur für eins gekommen: den letzten Stopp der Kinotour von der Rosenheimer Band Kaffkiez. Einige Fans zieht es sofort zu dem Stand mit den Werbe-Artikeln im Eingangsbereich des Kinos. Dort steht unter anderem Niklas Mayer, Schlagzeuger der Rosenheimer Band Kaffkiez, und verkauft Platten, CDs und Klamotten an die Leute. Johannes Eisner, Sänger der Band, holt Nachschub für den anderen Merch-Stand im Kinosaal. Sie packen mit an.
Kleines Konzert
als Überraschung
„Wir waren vor dem ersten Mal ein bisschen aufgeregt: Wie werden die Leute den Film annehmen?“, sagt Johannes Eisner. Die fünf Musiker aus Rosenheim und Umgebung haben den ganzen Prozess rund um ihr neues, drittes Studioalbum „Wir“ per Video festgehalten und selbst zu einem Film geschnitten. Diesen haben sie bereits in sieben Städten gezeigt. Die letzte Vorführung durften jetzt ihre Fans in Bad Endorf sehen. „Wir wollten den ganzen Prozess, von der ersten Idee bis zum Album, irgendwie festhalten, weil es das erste Mal eine große, zusammenhängende Kampagne ist“, sagt Johannes Gottwald, Pianist von Kaffkiez. Das konnte man in dem über eine Stunde langen Film sehen: vom Umzug in den neuen Probenraum über die Probleme beim Finden der richtigen Merch-Artikel, bis hin zum Plakatieren der eigenen Plakate. Doch egal, wie stressig die Phase des Album-Prozesses auch war, die fünf nahmen es mit Humor – und das transportierten sie auch in den Kinosaal. So kann man zumindest die Reaktion des Publikums interpretieren: Immer wieder wird laut gelacht, genauso gibt es bereits während des Films lauten Applaus.
„Die Jungs sind bodenständig, aus der Region und einfach toll“, sagt Franzi. Die 29-Jährige ist aus dem Landkreis Rosenheim. Sie hat sich bereits um 16.30 Uhr in die Schlange vor dem Kino gestellt, und das, obwohl der Einlass erst um 19 Uhr begann. Die Band habe sie schon einmal in Rosenheim live gesehen. „Das war eine super Stimmung“, sagt sie und ist deshalb auch heute wieder da. Denn neben dem Kinofilm kündigt die Band auch an, dass sie ein paar Songs spielen würde – ein kleines Überraschungskonzert sozusagen. Alle 300 Sitzplätze wurden nach dem Film zu Stehplätzen, genauso wie die 40 zusätzlichen Plätze vor dem Sitzbereich. Zu dritt spielten Johannes Eisner, Johannes Gottwald und Florian Weinberger sieben Songs – darunter auch welche von ihrem neuen Album. Sie heizten die Menge an und so gab es bei mehreren Liedern auch Moschpits im Innenraum des Kinos. Dabei bilden die Fans einen großen Kreis und springen dann alle aufeinander zu – ein wildes Gemenge und mittendrin Benedikt Vodermaier, der Bassist von Kaffkiez. An dem Abend waren unter den Fans auch die Familien und Freunde der Band. Also ein richtiger Abend zu Hause. Dort haben die fünf Musiker auch viel von ihrem neuen Album geschrieben. Die Inspiration dafür? „Die vergangenen drei, vier Jahre, in denen es turbulenter um uns geworden ist“, sagt Gottwald. Ihm zufolge geht es um sie persönlich, um sie als Band und was man einfach in seinen Zwanzigern erlebt. Eisner ist besonders stolz, dass sie nicht die Lust verloren haben, ein drittes Album zu produzieren. „Wir können es noch und das auch ein drittes Mal“, sagt er. Am Ende des Abends sieht man den Jungs die Erschöpfung ein wenig an, aber auch die Freude. Hinter ihnen liegen acht kleine Konzerte an acht Tagen in acht Städten. Jetzt sind sie wieder zu Hause – doch nicht mehr lange, denn im April beginnt schon ihre „Wir Tour 2026“. Ein nächstes Album ist noch nicht geplant. „Wir möchten erst mal dieses Jahr mit den Liveauftritten genießen und dann schauen wir, was kommt“, sagt Eisner.