Bad Aibling/Rosenheim – Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei – und das Technische Hilfswerk. Beim Zugunglück in Bad Aibling am 9. Februar 2016 waren unzählige Helfer vor Ort. Nach dem Frontalzusammenstoß bot sich den Rettern ein dramatisches Bild. Zwölf Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche weitere wurden teils lebensgefährlich verletzt. Markus Otto, Ortsvorsitzender beim THW Rosenheim, war damals als Zugführer für das Hilfswerk vor Ort. Im OVB-Interview erzählt er vom Einsatz in Bad Aibling und erklärt, welche besonderen Übungen seit dem Unglück regelmäßig durchgeführt werden – und welche neuen Hilfsmittel angeschafft wurden.
Waren Sie beim Zugunglück Bad Aibling vor Ort?
Ja. Ich war als Zugführer für den Ortsverband Rosenheim im Einsatz.
Wie haben Sie damals von dem Unglück zuerst erfahren?
Meine Firma sitzt in der Oberaustraße in Rosenheim. Durch das Fenster habe ich dann die ganzen Einsatzfahrzeuge vorbeifahren sehen und dann über Funk mitgehört.
Gab es vor dem Zugunglück in Bad Aibling schon gezielte Übungen für solche Situationen?
Gezielt für einen solchen Fall wurde nicht geübt, da viele Dinge gefordert waren, die für uns standardmäßig zum Handwerk gehören. Also beispielsweise die Metallbearbeitung und das Trennen von Metall. Das gehört für uns zum „normalen Geschäft“. Es war in diesem Fall einfach alles ein bisschen größer und etwas mehr. Aber explizit auf genau einen solchen Fall vorbereitet waren wir nicht.
Was waren vor Ort dann die Hauptaufgaben?
Das THW wurde erst später alarmiert. Wir haben dann noch bei der Bergung unterstützt und das unwegsame Gelände vorbereitet. Außerdem haben wir die Boote zu Wasser gebracht, da der Unfallort ja direkt am Wasser lag. Zudem haben wir die Einsatzstelle entsprechend ausgeleuchtet. Am Ende des Einsatzes war auch das Teilen der Züge unsere Aufgabe.
Was war aus THW-Perspektive die größte Herausforderung bei diesem Einsatz?
Ganz klar, die große Anzahl der verletzten Personen. Aber auch das unwegsame Gelände und generell die Verformung der Züge waren eine Herausforderung.
Wird beim Rosenheimer THW seit dem Zugunglück in Bad Aibling gezielt der Einsatz in und an Zügen geübt?
Ja, wir haben einen Gleiskörper mit einem Personenzug darauf bei uns auf dem Übungsgelände errichtet. Dort kann man direkt am Bahnwaggon üben. Zudem haben wir uns zusätzlich eine Rettungsbühne angeschafft, womit man auch die Zugfenster öffnen kann. Diese kann man nämlich normalerweise nicht so ohne Weiteres öffnen. Von außen kommt man also für gewöhnlich nicht so einfach in einen Zug hinein – dafür haben wir uns also spezielle Rettungsmittel angeschafft.
Wie oft finden diese Übungen am Waggon statt?
Etwa vier- bis fünfmal pro Jahr. Da werden dann die unterschiedlichsten Dinge geübt. Unter anderem das Anheben oder das Öffnen. Der Waggon wird natürlich nicht zersägt, aber es wird geprobt, wie man auch aus unwegsamem Gelände hineingelangt. Bei den Übungen sind auch oftmals Feuerwehr und Rettungsdienst dabei, die dort mit uns üben.
patricia Huber