Emmerting/Landkreis Altötting – Emmerting wirkt in diesen Tagen, als befinde sich die kleine Gemeinde in Schockstarre. Seit dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Stefan Kammergruber (48) steht das Leben still. Veranstaltungen wurden abgesagt. Die Menschen eilen mit bedrückter Miene durch den Ort. Eine Atmosphäre, geprägt von Fassungslosigkeit und Entsetzen, prägt den kleinen Ort im Landkreis Altötting.
Beliebt und
bürgernah
Vor dem Rathaus von Emmerting stehen Blumen und brennen Kerzen. Die Fahne am Verwaltungsgebäude hängt auf Halbmast, mit Trauerflor. Bürger bleiben stehen für ein Gebet. Stefan Kammergruber war im Dorf sehr beliebt, er galt als gesellig und bürgernah.
Der 48-jährige Familienvater hatte als Rathauschef, der erneut für das Bürgermeisteramt kandidierte, einen hervorragenden Ruf, auch weil er sich traute, kritische Töne anzuschlagen, etwa während der Corona-Pandemie zur Hygiene-Politik der Bundesregierung und jüngst zum Thema Windkraftanlagen im Landkreis Altötting. Am Wochenende nahm die Tragödie um seinen vermutlichen Freitod dann eine weitere dramatische Wendung: Einem Medienbericht zufolge soll der 48-Jährige im Fokus strafrechtlicher Ermittlungen gestanden haben.
Das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd teilt am gestrigen Sonntag auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit, es habe „einige Tage vor dem Tod“ von Stefan Kammergruber, der in der Nacht vom 3. auf den 4. Februar tot aufgefunden worden war, „eine Polizeiaktion“ in Emmerting gegeben. Kräfte des Präsidiums seien im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg im Einsatz gewesen, so Pressesprecher Stefan Sonntag weiter. Zuständig für die Ermittlungen sei die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg. Antworten auf eine entsprechende Anfrage der Redaktion werden für Montag erwartet. Gerüchte, es habe Durchsuchungen im Zusammenhang mit Betrugsermittlungen gegeben, bei denen anrüchiges Material gefunden worden sei, ließen sich am Wochenende nicht bestätigen. Stefan Kammergrubers Stellvertreter Siegfried Ribesmeier teilt am Sonntagnachmittag auf Anfrage der Redaktion mit, von den angeblichen Ermittlungen gegen den Bürgermeister sei in der Gemeinde „nichts bekannt gewesen“. Einen Polizeieinsatz im Rathaus habe es nicht gegeben. Ribesmeier, der die Amtsgeschäfte übernommen hat, spricht aufgrund der Berichte von einem weiteren Albtraum, „aus dem ich wünschte, ich würde wieder aufwachen“. Emmerting befinde sich seit dem Tod des Bürgermeisters und nun im doppelten Sinne in einer „sehr, sehr schwierigen Lage“. Ribesmeier appelliert auch angesichts der ausstehenden Beerdigung Kammergrubers, von Spekulationen abzusehen.
Zum Todesfall selbst laufen nach Angaben von Sonntag die standardmäßig üblichen polizeilichen Ermittlungen. Es gebe bis dato keinerlei Hinweise auf Beteiligung Dritter oder ein Fremdverschulden.