Prutting/Rosenheim – Seinen genetischen Zwilling finden – klingt unmöglich? Ist es aber glücklicherweise nicht. Und dadurch können Leben gerettet werden. So wie das Leben von Anne Willkommen (38) aus Kolbermoor. Vor vier Jahren wurde für sie ein Stammzellenspender gefunden. Nun ist der Blutkrebs zurück – und der Schock in der Region sitzt tief. Auch bei Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß, der die 38-Jährige bei einer Aktion gegen Krebs persönlich kennenlernte. Mit der Aktion „Nominieren, typisieren, Leben retten: OVB gegen Leukämie“ möchte er nun gemeinsam mit der „Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (AKB) die gesamte Region in Bewegung setzen und für sie ein zweites Wunder möglich machen.
Sie haben eine besondere Aktion gestartet. Wie kam Ihnen die Idee dafür?
Am 3. Oktober 2025 fand bei uns in Prutting die Aktion „24 Stunden gegen Krebs“ statt. Ich war dort als Schirmherr dabei und habe die Organisatoren kennengelernt. Der Spirit, den ich dort erlebt habe, war wirklich unglaublich. Und da war unter anderem auch Anne Willkommen dabei, die bereits vor vier Jahren an Leukämie erkrankt ist. Vor etwa zwei Wochen habe ich dann erfahren, dass sie wieder erkrankt ist. Das hat mir einen ziemlichen Stich verpasst.
Und daraus ist die Idee für diese Aktion geboren?
Ja. In den Gesprächen mit Anne Willkommen ist mir erst bewusst geworden, wie dankbar ich sein kann, dass ich gesund bin. Also habe ich mir überlegt, was man machen kann, um zu helfen.
Das soll jetzt aber über die Pruttinger Grenzen hinausgehen …
In Prutting wären vielleicht 50, 100 oder 200 Leute gekommen. Ich habe mich dann aber gefragt, wie man den Rest des Landkreises motivieren könnte. Da wir im Landkreis 46 Bürgermeister haben, ist dann die Idee entstanden, dass jeder in seinem Mikrokosmos – also in seiner Gemeinde – eine Aktion starten und sein Netzwerk innerorts ausnutzen könnte.
Heißt also, jeder Bürgermeister soll seine eigene Registrierungsaktion organisieren?
Ja, wenn er nominiert wird. Ich habe über das OVB und Radio Charivari Bürgermeister Georg Reinthaler aus Eiselfing nominiert – und er wird dann den nächsten Bürgermeister nominieren. Jeder Kollege, der über das Radio nominiert wird, ist angehalten, eine Typisierungsaktion zu starten. Wer nicht mitmacht, darf an die AKB, also die Gesellschaft, die das Ganze abwickelt, spenden. Wie die Aktion dann aussieht, ist jedem selbst überlassen. Ob über Firmen, Vereine, die Faschingsgilde und und und…
Was genau planen Sie?
Ich habe unter anderem schon mit meiner Faschingsgilde geredet. Vor deren nächstem Auftritt kommt jeder eine Viertelstunde früher und jeder, der noch nicht getestet ist, bekommt ein Testkit. Außerdem werde ich voraussichtlich die jungen Bürger zwischen 17 und 25 anschreiben, die bei den letzten Typisierungsaktionen noch nicht mitmachen konnten. Ich denke aber, dass jede Gemeinde da ihren eigenen Plan entwickeln wird.
Wie können denn die Menschen noch helfen, die bereits registriert sind, oder sich zum Beispiel aus Gründen nicht registrieren lassen können?
Es gibt natürlich immer die Möglichkeit der monetären Spende. Aber das ist in diesem Fall gar nicht das primäre Ziel. Wichtig wäre es, möglichst viele Menschen darauf hinzuweisen, sich registrieren zu lassen. Das Ganze funktioniert ja sehr einfach. Man macht einen Abstrich im Mund, erfasst seine Daten – und das war es dann schon. Üblicherweise muss man das Testkit dann noch zurückschicken. In diesem Fall sammeln wir die Kits und schicken sie gesammelt zurück. Und generell kann jeder helfen, indem er andere motiviert, sich typisieren zu lassen.