Kolbermoor/Prutting/Eiselfing – Es ist eine persönliche Geschichte, aus der eine regionale Bewegung geworden ist. Anne Willkommen aus Kolbermoor hat vor vier Jahren dank einer passenden Stammzellspende den Blutkrebs besiegt. Nun ist die Krankheit zurück. Viele Menschen in der Region setzen sich für die 38-Jährige ein. Gemeinsam mit den OVB-Heimatzeitungen, den Portalen von OVB24 und Radio Charivari läuft derzeit die Aktion „Nominieren, typisieren, Leben retten“. Dabei fordern sich die Bürgermeister aus dem Landkreis Rosenheim heraus. Wer nominiert wird, muss eine Typisierungsaktion in seiner Gemeinde organisieren. Tut er dies nicht, wird eine Spende an die AKB (Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern) fällig. Der Initiator der Aktion, Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß, nominierte nun seinen Amtskollegen Georg Reinthaler, auch in seiner Gemeinde eine Typisierungsaktion zu veranstalten. Reinthaler zeigte sich von der Nominierung sofort angesprochen. Seine erste Reaktion bei Christoph Grabner im Charivari-Studio fiel eindeutig aus: Er zeigte sich sofort offen und engagiert. Reinthaler machte im Gespräch mit dem Sender deutlich, dass ihn die Geschichte von Anne Willkommen persönlich berühre. Weil ihr Fall kein Einzelschicksal ist, sei für ihn schnell klar gewesen, dass er die Nominierung annehme.
Auf die Frage, wie er die Aktion in Eiselfing umsetzen will, erklärte Reinthaler, dass ihm vor allem eines wichtig sei: niedrige Hürden. Viele Menschen hätten Berührungsängste mit dem Thema Stammzellspende oder falsche Vorstellungen vom Ablauf. Genau hier wolle er ansetzen – mit Information und Aufklärung. Er betonte, dass eine Typisierung heute unkompliziert sei und niemandem schade, im Ernstfall aber den entscheidenden Unterschied machen könne. Deshalb will er die Aktion möglichst breit streuen und die Menschen dort erreichen, wo sie ohnehin zusammenkommen, wie in Vereinen und anderen Dorfgemeinschaften.
Auch ganz praktisch denkt der Eiselfinger Bürgermeister bereits weiter. Er könne sich gut vorstellen, Typisierungsaktionen bei Veranstaltungen oder Gemeindeterminen wie dem Dorfflohmarkt zu organisieren – dort, wo ohnehin viele Bürger zusammenkommen. Noch seien Details zu klären, doch der Wille, etwas Konkretes auf die Beine zu stellen, sei da. Und so, wie er seine Gemeinde Eiselfing kenne, hoffe er auf mehrere Hundert Registrierungen.
Dem Eiselfinger Bürgermeister geht es dabei um alle Betroffenen, die auf eine passende Spende warten, wie er betont. Denn: Jede neue Registrierung erhöht die Chance, irgendwo auf der Welt ein Leben zu retten. Ganz im Sinne der Typisierungsaktion reicht Reinthaler den Staffelstab direkt weiter und nominiert Christoph Schneider, Bürgermeister von Neubeuern. Auch er soll die Initiative in seine Gemeinde tragen und Menschen zur Typisierung motivieren.
Für Anne Willkommen – und viele andere Betroffene – bedeutet die Aktion in der Region vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich irgendwo der passende genetische Zwilling findet.
Markus Zwigl