Bad Aibling – Der Fall Eman E. bewegte die Menschen weit über Bad Aibling hinaus. Die 34-jährige Frau aus Ägypten, Mutter von drei Kindern, war im November 2024 vermisst gemeldet worden. Am 15. Juni 2025 wurde im Thanner Holz eine Leiche entdeckt. Es handelte sich, wie die Gerichtsmedizin schnell bestätigte, um Eman E.
Was die Forensik noch feststellte: Die Frau war einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Schnell geriet ihr ebenfalls aus Ägypten stammender Mann (damals 43), der als Koch in einer Klinik arbeitete, ins Visier der Ermittler.
Nun muss das Gericht
grünes Licht geben
Er wurde als dringend tatverdächtig festgenommen und sitzt seitdem in U-Haft. Nunmehr scheint absehbar, wann der Mann vor Gericht gestellt wird. Die Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, hat die Ermittlungsergebnisse der Polizei zusammengefasst, die Anklageschrift verfasst und sie ans Gericht gesandt. Der Ehemann müsste sich demnach wegen Mordes verantworten.
So weit ist es aber noch nicht. Die Schrift ist am Landgericht Traunstein eingetroffen, wie Gerichtssprecherin Cornelia Sattelberger dem OVB bestätigte. Jetzt haben die Anwälte des inhaftierten Ehemanns Gelegenheit, sich die Anklage anzusehen – in der Regel ist das eine kurze Lektüre – und sich zu den Vorwürfen der Ankläger zu äußern. Danach entscheidet die zuständige Kammer des Landgerichts Traunstein, ob sie die Anklage in dieser Form zulässt. Nach der Zulassung gilt die Hauptverhandlung als eröffnet.
Eman E. war am Abend des 11. November 2024 als vermisst gemeldet worden. Die 34-Jährige habe am Morgen die Wohnung verlassen und sei nicht mehr zurückgekommen, hieß es. Seitdem wurde sie gesucht: in Krankenhäusern, bei Verwandten und Freunden. Die Polizei weitete die Fahndung aus, ersuchte mithilfe eines Fotos um Unterstützung aus der Bevölkerung. Zunächst ohne Erfolg.
So war es ein Zufall, der die Beamten zu dem Ort führte, an dem der mutmaßliche Täter die Leiche der Frau abgelegt hatte. Einem Spaziergänger im Thanner Holz war ein herrenloses Kinderfahrrad aufgefallen. Aus Sorge, dass da ein Kind in Not geraten sein könnte, alarmierte der Spaziergänger die Polizei.
Hund witterte
Leiche im Wald
Auf ein hilfloses Kind stießen die Beamten im Wald nicht. Doch der Personenspürhund schlug an. Der Hund hatte die sterblichen Überreste eines Menschen gewittert. „Ein Leichnam, der ohne technischen Aufwand geborgen werden konnte“, erklärte Polizeisprecher Stefan Sonntag kurz danach. Die Polizei konnte sich bald sicher sein, dass sie die seit Monaten vermisste Frau entdeckt hatte: Bei der Leiche war das kakifarbene Kopftuch, das Eman E. auch auf dem Fahndungsfoto trug.
Polizei ermittelte
über ein halbes Jahr lang
Nach der Festnahme des Ehemanns, der als Koch in einer Klinik beschäftigt war, fuhr die Polizei die Ermittlungen nicht zurück – im Gegenteil. Mehrmals durchsuchten Hundertschaften der Polizei den Wald, Polizisten befragten Anwohner, mit Plakaten wurde nach Menschen gesucht, die womöglich Angaben zum Besitzer des Kinderfahrrads machen oder Beobachtungen zu Protokoll geben könnten.
Die Polizei gab so gut wie keine Informationen zum Fortschritt der Ermittlungen preis. Womöglich wegen der Bedenken, mögliches Täterwissen durch durchgesickerte Details zu entwerten. Welche Motive unterstellen ihm die Ermittler? Wie soll er seine Frau umgebracht haben? Darüber dürfte sich nach der Anklageschrift mehr Klarheit einstellen.