Rosenheim – Samstagabend, feiern in einem Rosenheimer Club und dann mit dem ersten Zug nach Hause. Für viele junge Leute nichts Ungewöhnliches und auch die Mitarbeiter der Bäckerei „Yormas“ am Rosenheimer Bahnhof kennen die alkoholisierten Clubgänger nur zu gut. Nicht selten kommt es dabei zu Auseinandersetzungen.
So auch vergangenen Sonntagmorgen, 8. Februar. Laut einer Pressemeldung der Bundespolizei sei es zu einer Rangelei in der Bahnhofshalle gekommen. „Zeugen schilderten, dass ursprünglich drei Männer auf das offenkundige Opfer eingeschlagen hätten“, heißt es in der Mitteilung. Zuvor sei zwischen den Beteiligten ein Streit aufgekommen, da das spätere Opfer an die drei Männer appelliert hätte, ihre Unterhaltung weniger laut zu führen. „Durch die Schläge erlitt der Geschädigte mehrere Platzwunden im Gesicht“, heißt es in der Meldung.
Diese Schlägerei hat Maria Kaytmaz nicht mitbekommen – sie hat am Sonntag erst um sechs Uhr im „Yormas“ mit ihrer Schicht begonnen. Eine Kollegin hätte allerdings noch die Rettungswagen und Polizisten wegfahren sehen. Für Kaytmaz sei solch eine Situation allerdings nichts Neues. „Es ist hier seit letztem Jahr sehr schlimm geworden. Früher war das nicht so“, sagt sie dem OVB.
Betrunkene machen nach
dem Feiern Probleme
Seit 15 Jahren arbeitet Maria Kaytmaz bereits in der „Yormas“-Filiale in der Rosenheimer Bahnhofshalle. Mittlerweile öffnen die Mitarbeiter die Türen am Wochenende erst dann vollständig, wenn der erste Zug abgefahren ist, berichtet die Mitarbeiterin. „Die Leute kommen vom Feiern, sind betrunken und warten in der Bahnhofshalle“, erzählt sie. Dabei sei das Verhalten der Leute ihr und den anderen Mitarbeitern gegenüber oftmals aggressiv. „Eine Kollegin wurde mit der Plastik-Münzschale abgeworfen“, sagt Kaytmaz. Die wartenden Männer und Frauen würden außerdem häufig klauen oder nicht zahlen wollen. Das sind Situationen, die gefährlich werden können, sagt Kaytmaz. „Ich fühle mich nicht mehr sicher.“
Die Schilderungen von Kaytmaz seien auch der Bundespolizei bekannt und so würden sich die Aussagen „mit den Erkenntnissen der Bundespolizeiinspektion Rosenheim in großen Teilen“ decken, sagt Rainer Scharf von der Pressestelle der Bundespolizeiinspektion Rosenheim. Deshalb führe die Bundespolizei seit Sommer 2025 regelmäßig Schwerpunktmaßnahmen durch. „Insofern wurde die bahnpolizeiliche Präsenz am Bahnhof in Rosenheim seitens der Bundespolizei bereits erhöht“, sagt Scharf. „Diese sollte an sich schon eine gewisse präventive Wirkung haben.“
Doch Maria Kaytmaz ist nicht die Einzige, die die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen am Wochenende nicht ausreichend findet. „Das ist ein richtiges Drama hier“, sagt ein Mitarbeiter des Rosenheimer Bahnhofs-Kiosks „Barbarino“, der anonym bleiben möchte. Er erinnert sich lebhaft an einen Vorfall vor einigen Monaten, als sich ein Fremder am helllichten Tag Zugang zum Personalraum verschaffte und dort versuchte, den Tresor des Kiosks zu öffnen. Währenddessen habe der Mitarbeiter einige Kunden bedient und den Eindringling zunächst nicht bemerkt.
Von der Rangelei am frühen Sonntagmorgen habe er allerdings nichts mitbekommen, gefährliche Situationen wie diese gehören für ihn und seine Kollegen jedoch zum Arbeitsalltag. Einen Vorfall etwa brachte der Kiosk-Mitarbeiter vergangenes Jahr zur Anzeige.
Hemmschwelle in
Bezug auf Gewalt sinkt
Die Arbeit im gesamten Bahnhofsgebäude sei laut ihm gefährlich, vor allem in den frühen Morgenstunden und am Wochenende. Während dieser frühen Uhrzeiten würde sich nur wenig Sicherheitspersonal in- und außerhalb des Gebäudes befinden. „Die DB-Sicherheit ist erst ab sechs Uhr da und steht dann oftmals draußen“, sagt Maria Kaytmaz.
Auf OVB-Anfrage äußert sich eine Sprecherin der Deutschen Bahn nicht direkt zu den Aussagen von Kaytmaz. „Anspannung und Respektlosigkeiten in der Gesellschaft nehmen zu. Mehr Konflikte und Übergriffe gibt es im öffentlichen Verkehr leider genauso wie bei Polizeien, Feuerwehren, Rettungsdiensten und in Behörden mit Bürgerkontakt“, sagt sie.
Sowohl die Deutsche Bahn, als auch die Behörden würden eine kontinuierlich sinkende Hemmschwelle für Gewalt beobachten. „Klar ist: Jede Straftat ist eine zu viel“, sagt die Sprecherin. Sie betont, dass die Bahn seit 25 Jahren eine Ordnungspartnerschaft mit der Bundespolizei habe und jährlich 200 Millionen Euro für die Sicherheit der Fahrgäste und Mitarbeiter ausgebe.
„Ich komme jeden Tag mit einem guten Gefühl in die Arbeit, aber man kann nie wissen, was bis zum Abend noch auf einen zukommt”, sagt der Kiosk-Mitarbeiter. Mehr Sicherheitspersonal und Polizeipräsenz im Bahnhofsgebäude am Wochenende könnten die Situation für ihn und seine Kollegen deutlich entspannen, sagt er. Da stimmt ihm auch Maria Kaytmaz zu und betont, dass bereits die Anwesenheit der Sicherheitskräfte zur Besserung beitragen könne. „Die Polizei ist nicht immer da“, sagt sie. Daher fühle sie sich in der Früh am Wochenende oft allein gelassen.