Ermittlungen gegen toten Bürgermeister liefen seit Sommer

von Redaktion

Emmerting im Schock nach dem Tod von Stefan Kammergruber – Zwei Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft

Emmerting – Emmerting trauert um Bürgermeister Stefan Kammergruber, der in der Nacht auf den 4. Februar plötzlich verstorben ist und erneut für die Position des Rathauschefs kandidiert hatte. Nach seinem Tod wurde bekannt, dass die Generalstaatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt hatte.

Fassungslosigkeit und Entsetzen prägen die Stimmung im Dorf. Viele Menschen haben Stefan Kammergruber sehr geschätzt. Er galt als bodenständig, gesellig, politisch sehr erfahren und bereit, sich auch Kontroversen zu stellen. Er saß auch im Kreistag, war Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft mit Mehring.

Das Leben muss weitergehen. Am Dienstag tagte der Bauausschuss des Gemeinderates wie geplant im Rathaus. Die Stimmung im Vorfeld: gedrückt. Die Menschen im Dorf haben sich außerdem sehr zurückgezogen, so der Eindruck. Schweigen bestimmt das Miteinander, so Beobachtungen vor Ort. Emmertings Zweiter Bürgermeister Siegfried Ribesmeier, der die Amtsgeschäfte übernommen hat, spricht von einem „Albtraum“, aus dem er sich wünsche, aufwachen zu können. Vorverurteilungen verbieten sich. Es sind noch zu viele Fragen offen, werden sich durch den Todesfall vielleicht auch nicht klären lassen. Das ist eine besondere Tragik in diesem Fall.

Tatsache ist: Die erste Durchsuchung bei Stefan Kammergruber fand, anscheinend unbeobachtet von der breiten Öffentlichkeit, schon vor Monaten statt. Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg nennt als Zeitpunkt den „Sommer letzten Jahres“. Damals ging es um Ermittlungen der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG), die bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg ansässig ist.

Warum das Amtsgericht Nürnberg Kammergrubers Haus durchsuchen ließ und um welchen Verdacht es im Detail geht, dazu gibt es von der Staatsanwaltschaft auf OVB-Anfrage keine Informationen. Kammergruber galt als Kritiker der Corona-Politik der Bundesregierung. Sie hatte ihn veranlasst, in der Pandemie aus der CSU auszutreten. Trotzdem hatte er auf der Liste der CSU erneut für das Amt des Rathauschefs kandidiert.

Ob es bei den Ermittlungen des ZKG um einen Zusammenhang mit der Thematik Pandemie gibt, die derzeit nach wie vor in ganz Deutschland in vielen Fällen juristisch aufgearbeitet wird, auch dazu gibt es keine Aussagen der Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft. Die Durchsuchung im Sommer 2025 hatte dann einen weiteren Stein ins Rollen gebracht: Es waren Datenträger sichergestellt worden. Bei der Sichtung kam laut Generalstaatsanwaltschaft der Anfangsverdacht auf Besitz von kinderpornografischem Material auf. Etwa ein halbes Jahr später, am 27. Januar, folgte die zweite Durchsuchung, erneut laut Staatsanwaltschaft auf Beschluss des Amtsgerichts Nürnberg umgesetzt. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hatte eine Polizeiaktion am 27. Januar bestätigt. Zu Art, Inhalt und Umfang des Materials gibt es von der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg keine Auskunft.

Die Ermittlungen gegen Stefan Kammergruber selbst können aufgrund seines Todes nicht abgeschlossen werden. Sie werden laut Generalstaatsanwaltschaft eingestellt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Heike Duczek

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