Auf den Spuren von Siegfried und Roy

von Redaktion

Rosenheimer Zeitsprünge Ein vergessener Mord aus dem Jahr 1923 und ein Gepard sorgten für Aufsehen in der Kaiserstraße

Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die neue, einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB-online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.

In Folge sechs geht es um die Kaiserstraße im Zentrum Rosenheims. Die Kaiserstraße hieß ursprünglich Wiesengasse und war Teil des alten Straßennetzes von Rosenheim. 1882 wurde sie in Kaiserstraße umbenannt, um Kaiser Wilhelm I. zu ehren. Er besuchte die Stadt auf seinen Reisen nach Bad Gastein zwischen 1876 und 1885 mehrere Male. Die Straße entwickelte sich schnell zu einer wichtigen Geschäfts- und Verkehrsachse. Bäckereien und Brauereien prägten das Bild.

Straßenname zu
Ehren von Kaiser Wilhelm I.

Die Kaiserstraße war und ist eine belebte Straße mit zahlreichen historischen Gebäuden, darunter Bürgerhäuser aus verschiedenen Epochen wie das Ruedorffer-Haus. Das 400 Jahre alte Kerzen- und Lebzelter-Geschäft Ruedorffer an der Kaiserstraße 1 – jahrhundertelang ein fester Bestandteil von Rosenheim – wird heute als Spezialitäten-Café Lebzelterei weitergeführt. Das Ruedorffer-Haus gehörte einer der ältesten Rosenheimer Familien, die über Jahrhunderte zu den bedeutendsten Bürgern der Stadt zählten.

Die Straße war ein zentraler öffentlicher Raum für städtische Geselligkeit. Bereits 1912 zog bei Faschingsveranstaltungen ein Narrenumzug durch die Kaiserstraße mit diversen Attraktionen, darunter Akrobaten und Tierdressuren. Mit Fasching oder Tierdressuren hatte ein heute unvorstellbarer Auftritt Mitte der 1960er-Jahre nichts zu tun, als am helllichten Tag ein Gepard über den damals noch vorhandenen Zebrastreifen marschierte. An einer Leine und zusammen mit seinen beiden „Herrchen“.

Das waren die beiden später weltweit bekannten Zauberer Siegfried Fischbacher und Roy Horn, die als das Magierduo Siegfried & Roy berühmt wurden – vor allem durch Shows mit weißen Tigern in Las Vegas. Siegfried Fischbacher war gebürtiger Rosenheimer und wuchs im Stadtteil Kastenau auf, wo er immer wieder zu Besuch war. Bei einem Zwischenstopp Mitte der 1960er-Jahre auf dem Weg nach Monte Carlo war auch Gepard „Chico“ dabei – der Star in ihren ersten Shows.

Und weil „Chico“ quasi zur Familie gehörte, wurde er auch mal mit in die Stadt genommen. Und so kam auch das außergewöhnliche Bild mit Chico sowie Siegfried und Roy in der Kaiserstraße zustande. Weniger erfreulich war ein geschichtliches Ereignis in der Kaiserstraße 15. Am 29. Juli 1923 stürmten Rechte das Gewerkschaftshaus in Rosenheim und ermordeten den Schlosser Georg Ott – später als „Der fast vergessene rechte Mord“ an dem sozialdemokratischen Gewerkschafter Georg Ott bezeichnet. So berichtet es zumindest das Hinterland-Magazin.

Am „Antifaschisten-Tag“ am 29. Juli 1923 stürmten bewaffnete, extrem rechte Akteure der völkisch-nationalistischen „vaterländischen Verbände“ das Rosenheimer Gewerkschaftshaus, verprügelten die anwesenden Arbeiterinnen und Arbeiter und ermordeten den Schlosser, der bei der Rosenheimer Eisenindustrie Martin Perr beschäftigt war. Ott hinterließ seine Frau und vier Kinder. Die Mörder wurden nie angeklagt und deshalb auch nicht verurteilt.

Freiwillige Feuerwehr
wird 1860 gegründet

Ganz in der Nähe der Kaiserstraße 15 stand eines der ursprünglich sechs Tore, die den Markt Rosenheim begrenzten. Es war das Wiesntor, dessen Nachbildung heute immer noch am Haupteingang zum Rosenheimer Herbstfest aufgebaut wird. Der „Innere Markt“, die ursprüngliche Keimzelle Rosenheims, wurde vom Oberen Tor, auch Münchner Tor genannt, vom Unteren Tor (heute Mittertor) und dem Heilig-Geist-Tor beschützt.

Am Äußeren Markt gab es ebenfalls drei Tore: das Wiesentor in der Kaiserstraße, das Inntor und das Färbertor. Das Wiesentor wurde 1878 abgerissen, weil es für den wachsenden Verkehr zu eng war – zwei Wagen konnten nicht gleichzeitig durch den Torbogen fahren.

In den 2020er-Jahren wurde die Kaiserstraße modernisiert (Leitungen, Straßenbelag) und zum Rosenheimer Herbstfest abgeschlossen, wobei auch denkmalgeschützte Elemente wie der Florianibrunnen erneuert wurden. Es ist einer der ältesten Brunnen der Stadt und ist dem heiligen Florian als Patron der Feuerwehr gewidmet.

Apropos Feuerwehr: 1860 wurde in Rosenheim eine freiwillige Feuerwehr gegründet. Der Bau des Feuerwehrhauses auf dem ehemaligen Zimmerplatz vor dem Wiesntor an der Kaiserstraße wurde im September 1879 vom Magistrat beschlossen. Nach einer Renovierung 1957 wurde es nur noch für sportliche Zwecke genutzt. Heute steht dort das Polizeipräsidium Oberbayern Süd, das nach umfassenden Baumaßnahmen im Oktober 2009 fertiggestellt wurde.

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