Stephanskirchen – An die Bilder, wie dieser Vorfall hätte ausgehen können, will Florian Beck gar nicht denken. „Es war ein Riesenglück“, sagt der Kommandant der Feuerwehr Stephanskirchen. Am vergangenen Samstagabend wurden er und seine Kameraden zu einem Unfall am Bahnübergang in Eitzing gerufen. Kurz zuvor war dort gegen 19 Uhr ein 43-jähriger Autofahrer aus dem südlichen Landkreis Rosenheim mit seinem dunklen BMW von der Fahrbahn abgekommen – und auf den Bahngleisen der Zugstrecke Rosenheim–Salzburg gelandet.
Alkoholisiert mit Auto
auf Bahngleisen gelandet
Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Rosenheimer Polizei ist der Mann die Riederinger Straße entlanggefahren und beim Versuch, in die Simsseestraße abzubiegen, direkt am Bahnübergang auf die Gleise geraten. Dort verfing sich das Auto so an den Gleisen und im Gleisbett, dass es kein Vor- und Zurück mehr gab. „Möglicherweise war er bei den winterlichen Straßenverhältnissen etwas zu schnell unterwegs“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer.
Allerdings könnte auch noch etwas anderes eine Rolle gespielt haben: „Beim Fahrer konnten wir Alkoholgeruch wahrnehmen, der Test ergab dann rund zwei Promille“, sagt der Polizist. Verletzt wurde der 43-Jährige bei seinem unfreiwilligen Ausflug auf die Bahngleise nicht. Er habe selbstständig aus dem Auto aussteigen können und sich neben den Gleisen in Sicherheit gebracht. „Ein Passant hat dann den Notruf gewählt“, sagt Maurer.
Seine Kollegen hätten sofort beim Notfallmanager der Deutschen Bahn angerufen. „Der leitet unverzüglich alles in die Wege, damit die Zugstrecke gesperrt wird“, erklärt der Hauptkommissar. Die Absprache funktioniere in solchen Fällen immer sehr gut. Dem sei es auch zu verdanken gewesen, dass keine unmittelbare Gefahr von einem heranfahrenden Zug ausging. „Ein Zug war auf dem Streckenabschnitt zwischen Rosenheim und dem Bahnübergang auf Anfahrt. Dieser konnte aber rechtzeitig gestoppt und nach Rosenheim zurückgeschickt werden“, sagt Maurer.
Der Hauptkommissar betont aber auch, dass es wohl zu einem Zusammenstoß zwischen Auto und Zug gekommen wäre, wenn der Zug bereits näher am Bahnübergang gewesen wäre. „Das Auto war so verkeilt, dass es einfach nicht mehr zu bewegen war. Und der Zug hätte natürlich einen sehr langen Bremsweg gehabt“, sagt Maurer. Auch er spricht davon, dass sowohl der 43-Jährige als auch die Züge in der Nähe am Samstagabend durchaus Glück gehabt haben.
Wie gefährlich solche Situationen werden können, weiß auch Florian Beck. „Wir hatten im Januar des vergangenen Jahres genau an der Stelle einen ähnlichen Unfall“, sagt der Feuerwehrkommandant. Damals war ein junger Mann (22) – ebenfalls auf schneeglatter Fahrbahn, allerdings nicht alkoholisiert – von der Straße abgekommen und auf den Gleisen zum Stehen gekommen. Kurz nachdem der 22-Jährige unverletzt aus dem Auto gestiegen war, gingen die Schranken zu und ein Zug rauschte heran – es kam zum frontalen Zusammenstoß. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden lag bei rund 500.000 Euro. „Wenn man sich das Auto von damals anschaut, sieht man, welche Wucht dahintersteckt“, sagt Beck.
Der Kommandant der Feuerwehr will auch daran erinnern, dass dies nicht die einzigen beiden Unfälle am Bahnübergang in Eitzing sind. „In meinen zwölf Jahren als Kommandant war es jetzt das vierte Auto, das wahrscheinlich an der Stelle einfach zu früh abgebogen und auf die Gleise gekommen ist“, sagt er. Dazu habe es noch einige weitere kleinere Unfälle und „Ausflüge“ von Autos ins Gleisbett gegeben. Erst vor rund einem Monat war ein 20-Jähriger am Bahnübergang ins Schleudern geraten und gegen eine Steuereinheit an der Schrankenanlage gekracht. Die Folge: ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro und eine Sperrung der Zugstrecke.
Dramatisch war auch ein Vorfall im Juli vor zwei Jahren. Ein älterer Mann geriet während eines Unwetters am Bahnübergang auf die Gleise. Genau in dem Moment näherte sich ein Personenzug. Nur haarscharf konnte der Zusammenprall mit einer Notbremsung verhindert werden. Warum es ausgerechnet am Übergang in Eitzing immer wieder brenzlig wird, kann sich auch Beck nicht genau erklären. Das Gelände sei zwar im Kurvenbereich etwas abschüssig, wirklich gefährlich sei es dort aber nicht.
Für den Feuerwehrkommandanten steht allerdings fest: „Die Bahn muss jetzt langsam mal reagieren, weil langsam wird das zu unserem Unfallschwerpunkt“, sagt Beck. So sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis einer der Unfälle nicht mehr so glimpflich ausgeht.
Der Kommandant und seine Kameraden kümmerten sich am Samstagabend um die Bergung des Autos des 43-Jährigen. „Es gab kurz die Überlegung, dass wir das Auto wieder so auf die Gleise bringen, damit es der Abschlepper direkt bergen kann“, sagt Beck.
Mit Kran aus
den Gleisen gehoben
Allerdings sei die Gefahr zu groß gewesen, dass dabei die Gleise oder technische Anlagen im Gleisbett beschädigt werden. So habe man sich zusammen mit der Bundespolizei und dem Notfallmanagement der Bahn dazu entschieden, das Auto mit einem Kran aus den Gleisen zu heben.
So konnte – nachdem der Bahnübergang auf Schäden überprüft worden war – die Zugstrecke erst gegen 22 Uhr wieder freigegeben werden, teilt Hauptkommissar Robert Maurer mit. Auf den 43-jährigen Verursacher komme nun einiges zu. Zum einen wurde sein Führerschein sichergestellt und zum anderen wurden zwei Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. „Wie hoch die Strafe dafür dann ausfällt, entscheidet die Justiz“, sagt Maurer.