Traunstein/Rosenheim – Ein Bündel von Maßnahmen, darunter harte Strafverfolgung und drakonische Strafen, ist der Grund für den extremen Rückgang bei Schleuserdelikten und Verstößen gegen das Ausländergesetz im Jahr 2025 im südostbayerischen Raum. Das berichtete Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Wolfgang Beckstein, Chef der Staatsanwaltschaft Traunstein mit Außenstelle in Rosenheim.
Vor allem die „äußerst gefährlichen Schleuserfahrten“ mit Dutzenden von Flüchtlingen in Kastenwagen seien deutlich gesunken. Die Eingangszahlen blieben jedoch allgemein weiter auf hohem Niveau.
2021 liefen bei der Staatsanwaltschaft Traunstein insgesamt 45 067 Verfahren aller Art ein. Nach einer Steigerung im Jahr 2022 um gut 600 neue Verfahren explodierten die Zahlen auf einen Höchststand von 58.639 Verfahren im Jahr 2024. 2025 beruhigte sich die Lage etwas mit 50.861 Strafverfahren und 318 neuen Untersuchungshaftsachen.
Massiven Anteil an der Entwicklung hatten illegale Grenzübertritte, von denen zum Beispiel 2024 noch 13.392 Verfahren gezählt wurden. Im letzten Jahr reduzierte sich diese Zahl auf 6.682 – gar um 150 Fälle weniger als 2021. Die Zahl der Schleuserverfahren spiegelt ähnliches wieder mit einem Höhepunkt im Jahr 2023 mit 805 neuen Verfahren und Rückgang im vergangenen Jahr auf 467 Verfahren. In Untersuchungshaft kamen 2023 268 tatverdächtige Schleuser, 2025 gerade noch 30.
Entsprechend bewegten sich die Freiheitsstrafen für Menschenschmuggler – mit über 609 Jahren im Jahr 2024 und 2025 „nur“ noch etwas über 155 Jahren. Das Fazit von Dr. Beckstein: „Die Entspannung an den Grenzen hat zu deutlich weniger Verfahren, viel weniger U-Haft-Sachen wegen Schleusungen und viel weniger Strafen dafür geführt.“
Die Ursachen für die erfreuliche Tendenz sah der Leitende Oberstaatsanwalt teils in der „Super-Arbeit“ der Strafverfolger und den massiven Strafen durch die Gerichte: „Das hat sich in der Schleuserszene herumgesprochen. Manche scheuen inzwischen unseren Bezirk.“ Wirkung zeigten jedoch auch die intensiven Grenzkontrollen, die Bezahlkarte für Flüchtlinge und die Abschiebung von Straftätern in Länder, die früher niemand genommen hätten. Schleusungswilligen stelle sich mittlerweile die Frage, ob sie überhaupt in der Bundesrepublik bleiben könnten.
Die Großschleusungen in Transportern waren in den letzten Jahren nach Dr. Beckstein eine enorme Gefahr – für die Flüchtlinge durch die lebensbedrohlichen Umstände wie bei einem Unfall 2023 mit sieben Toten bei Ampfing, für Polizeibeamte, auf die manche Fahrer rücksichtslos zugesteuert seien sowie für Verkehrsteilnehmer allgemein. Die Fahrer seien oft „mit Tempo 150 über die Straßen gebrettert“. Aktuell gelangten vor allem Kleingruppen illegal über die Grenze. Besonders im Visier stünden auch künftig die Hinterleute der kriminellen Banden.
Dazu der Behördenchef: „Wir haben noch einiges in der Pipeline in Kooperation mit anderen europäischen Strafverfolgungsbehörden.“
Mit dem „Traunsteiner Modell“ habe eine Spezialabteilung in Traunstein in der Vergangenheit große Erfolge im Kampf auch gegen die organisierte Schleuserkriminalität erzielt, hob Dr. Beckstein heraus. Inzwischen sei an der Zweigstelle in Rosenheim ebenfalls eine derartige Abteilung aufgebaut worden – wegen zunehmender Schleusungen auf der „Brenner-Route“. Im letzten Jahr verfügte die Staatsanwaltschaft in Traunstein und Rosenheim über 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit 2019 wuchs die Zahl der Staatsanwaltsstellen von 42 auf 55,5 an, aus Teilzeitgründen besetzt mit 58 Frauen und Männern. Auch der Service-Bereich wurde personell deutlich verstärkt. „Meine Mitarbeiter waren in den letzten Jahren arbeitsmäßig extrem belastet. In Spitzenzeiten wie 2023 registrierten wir 72 Wochenstunden pro Staatsanwalt – bei einer regulären Arbeitszeit von 40 Stunden. Überstunden werden übrigens nicht bezahlt. Derzeit leisten sie durchschnittlich 48 Wochenstunden. Ohne den weit überobligatorischen Einsatz aller wären die Herausforderungen der letzten Jahre nicht zu schaffen gewesen. Meine Mitarbeiter sind echte Staatsdiener, haben auf Freizeit verzichtet, sich ganz in den Dienst der Bewältigung der Schleuserkriminalität und des Flüchtlingsstroms gestellt.“ Dr. Rainer Vietze als Einarbeitungsbeauftragter und Gruppenleiter habe zusammen mit Kolleginnen zahlreiche Nachwuchskräfte eingearbeitet, „die jetzt mit Begeisterung Straftaten verfolgen“. Gerade in den ersten Wochen sei es wichtig, jungen Staatsanwältinnen und Staatsanwälten „Freude an den Aufgaben zu vermitteln, sie zu lehren, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, etwa eine kleine Straftat von der Tat eines Berufsverbrechers.“
Intern reagierte die Staatsanwaltschaft nach Dr. Beckstein auf veränderte kriminelle Trends wie „das Tatmittel Internet“. Hätten sich in Hochzeiten alle Abteilungen mit um das Thema Schleusungen gekümmert, so könnten sich inzwischen fünf statt früher zwei Staatsanwältinnen dem Bereich Kinderpornografie widmen. Bei Körperverletzungen, einem Bereich mit hohem Ermittlungsaufwand, rücke der Opferschutz vermehrt ins Zentrum. Eigentlich bräuchte seine Behörde elf zusätzliche Mitarbeiter. Der Rückgang bei illegalen Einreisen wirke sich wenig auf die Arbeitsbelastung aus, seien die Ermittlungen doch im Vergleich zu anderen Bereichen nicht sehr aufwendig. Die Gewaltdelikte junger Straftäter hätten zugenommen, ebenso die Aufgriffe durch die Polizei – nicht nur im Drogenbereich, sondern auch bei Waffen und Geldwäsche, begründete Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Wolfgang Beckstein im Gespräch mit unserer Zeitung. kd