Schuss im Gerichtssaal: Schülerin bei Ausflug verletzt

von Redaktion

Bei einem Schulausflug ins Amtsgericht Traunstein hat sich aus einer Waffe ein Schuss gelöst. Ein Schüler durfte die Pistole aus der Asservatenkammer anfassen, als sie losging und eine Mitschülerin verletzte. Nun ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft München.

Traunstein – Der Plan war Unterricht, das Ergebnis ist ein Fall für den Staatsanwalt. Beim Besuch einer Schulklasse im Amtsgericht Traunstein löste sich am vergangenen Freitag ein Schuss aus einer Waffe. Brisant: Ein Schüler hielt die Pistole in der Hand, die eigentlich ungeladen sein sollte. Jetzt greift die Generalstaatsanwaltschaft durch; die Ermittlungen werden auf Anregung der Staatsanwaltschaft in Traunstein von einer anderen bayerischen Zweigstelle übernommen.

Das Szenario wirkt wie ein schlechter Film, ist aber Realität: Am Freitag besuchte eine elfte Klasse des Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG) das Amtsgericht Traunstein. Was als Lehrstunde gedacht war, mündete in einem gefährlichen Zwischenfall: Eine Schülerin wurde durch einen Schuss aus einer Schreckschusswaffe verletzt. Die Aufarbeitung läuft nun auf Hochtouren – sowohl pädagogisch in der Schule als auch juristisch.

Fatales Ersatzprogramm
statt Prozessbesuch

Der Auslöser für das Unglück liegt in einer harmlosen Planänderung. Eigentlich wollte die Klasse gemeinsam mit der Lehrkraft zwei strafgerichtliche Hauptverhandlungen besuchen. Doch der Zeitplan wackelte, ein Termin platzte kurzfristig. Die Lösung vor Ort war Improvisation: „Da der erste Termin abgesagt werden musste, vereinbarte das Amtsgericht mit der zuständigen Lehrkraft ein Alternativprogramm“, erklärt Oberstaatsanwalt Dr. Rainer Vietze den Hintergrund.

Auch Schulleiter Diether Thumser bestätigt diesen Ablauf: „Dadurch, dass ein Teil des ursprünglich geplanten Exkursionsinhaltes nicht stattfinden konnte, ist kurzfristig ein Ersatzprogramm organisiert worden.“ Man entschied sich, die Lücke zu füllen und den Schülern „diverse Gegenstände aus der Asservatenkammer“ zu zeigen.

Statt im Zuschauerraum saßen die Schüler also schließlich einem Asservatenbeamten gegenüber, der beschlagnahmte Gegenstände präsentierte. Hier passierte, was Sicherheitsvorschriften eigentlich verhindern sollen: Die Waffe blieb nicht in der Hand des Beamten.

Dr. Vietze beschreibt den Hergang offen: „Nach den bisherigen Erkenntnissen durften die Schüler die Asservate besichtigen und auch anfassen.“ Das schloss offenbar auch eine Waffe ein. Ein Schüler nahm eine sogenannte Schreckschusswaffe in die Hand. Ein brisantes Detail ist nun Kern der Ermittlungen: Die Waffe war nicht leer. Während der Schüler die Pistole hielt, löste sich ein Schuss aus der „vermeintlich ungeladenen“ Waffe.

Schülerin im
Krankenhaus behandelt

Die Folgen waren schmerzhaft: Der massive Gasdruck der geladenen Kartuschenmunition traf eine Mitschülerin im Bereich der linken Brust. Die Staatsanwaltschaft bilanziert die Verletzung als „daumenkuppengroßes Hämatom“. Die Schülerin musste im Krankenhaus ambulant behandelt werden. Glück im Unglück: Die Verletzung scheint glimpflich zu sein. „Nach aktuellem Kenntnisstand ist zu erwarten, dass die Wunde folgenlos verheilen wird“, prognostiziert Vietze.

Auch Schulleiter Thumser gibt vorsichtig Entwarnung und lobt die Resilienz der betroffenen Schülerin: „Die Schülerin hat noch am Tag der Exkursion der ersten Nachbesprechung in der Klasse beigewohnt.“ Es war die letzte Stunde vor den Ferien.

Dennoch hat der Vorfall ein juristisches Nachspiel. Unverzüglich wurde ein Vorprüfungsverfahren eingeleitet. Doch ermittelt wird nicht vor der eigenen Haustür: Die Generalstaatsanwaltschaft München greift durch und zieht den Fall an sich – wenn auch auf Anfrage aus Traustein. Die Begründung von Dr. Vietze: „Um jeden Anschein fehlender Objektivität zu vermeiden“, wird das Verfahren an eine andere bayerische Staatsanwaltschaft übertragen. Es soll gar nicht erst der Verdacht aufkommen, die Traunsteiner Justiz könnte bei einem Fehler in den eigenen Reihen ein Auge zudrücken.

Gegen den Schüler oder die Lehrkraft wird laut Vietze aktuell nicht ermittelt. „Weder gegen den Schüler, der die Waffe angefasst haben soll, noch gegen die begleitende Lehrkraft stehen nach derzeitigem Stand Vorwürfe im Raum.“

Während externe Ermittler nun klären sollen, wie und warum eine geladene Waffe überhaupt in Schülerhände geraten konnte, läuft in der Schule die Aufarbeitung des Schocks. Da aktuell Ferien sind, erfolgt die Kommunikation über Elternbriefe, in denen auf Hilfsangebote verwiesen wird. „Eine Schulpsychologin der Schule steht als Ansprechpartnerin jederzeit bereit“, versichert Thumser. Auch die Begleitlehrkraft sei in „regem Austausch“ mit den Schülern.

Für den Schulstart nach den Ferien ist der Vorfall bereits fest im Stundenplan berücksichtigt. Thumser kündigt an: „Wir werden uns ein Bild von der Situation in der Klassengemeinschaft machen; dies ist bereits im Vertretungsplan berücksichtigt.“

Die Traunsteiner Justiz zeigt sich unterdessen zerknirscht: Man bedauere den Vorfall ausdrücklich, so Vietze, und stehe in „engem Kontakt mit der betroffenen Schule“.

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