Rosenheim – Die Quote an möglichen Bürgermeisterinnen für die Rosenheimer Kommunalwahl am 8. März 2026 ist überschaubar. Nur zehn der 87 Plätze auf den Wahllisten sind weiblich. Die Frauenquote scheint dementsprechend in der Rosenheimer Politik noch nicht angekommen zu sein.
„Frauen sind
pflichtbewusster“
Beim Gespräch mit den Kandidatinnen wird der Hauptgrund dafür deutlich. „Frauen sind pflichtbewusster und fühlen sich ihrer Familie gegenüber mehr verantwortlich als Männer“, meint beispielsweise Franziska Pfaffenhuber, Kandidatin für das Bürgermeisteramt aus Raubling. Zudem habe sie den Eindruck, dass Frauen sich grundsätzlich weniger profilieren, was den Männern wiederum perfekt gelingen würde – speziell in der Politik.
„Eine Kandidatur erfordert Bereitschaft, viel Zeit zu investieren“, stellt auch Susanne Grandauer klar. Sie ist amtierende Bürgermeisterin in Nußdorf und kennt die „Doppelbelastung“ von Beruf und Familie nur zu gut. „Als Mutter weiß ich, dass ich noch vor zehn Jahren, als meine Söhne noch nicht selbstständig waren, Probleme gehabt hätte, die notwendige Zeit aufzubringen“, erklärt sie. Das Ergebnis: Nur zwei von 46 Gemeinden im Landkreis Rosenheim haben aktuell eine Bürgermeisterin an der Spitze.
Organisationstalent
und Rückhalt nötig
Die zweite Frau neben Grandauer ist Irene Biebl-Daiber, Rathauschefin in Bernau. Sie ist überzeugt, dass man speziell als Frau im Bürgermeisteramt eine Familie braucht, die hinter einem steht. „Sonst klappt das mit den vielen Abendterminen nicht“, sagt sie. Mit diesem Rückhalt und „viel Organisationstalent“, sei es jedoch auch für Frauen machbar. Zudem findet es Biebl-Daiber auffällig, dass Männer die Frage nach der Vereinbarkeit mit der Familie selten gestellt bekommen.
Das deutliche Missverhältnis zwischen Frauen und Männern im Bürgermeisteramt führt laut den meisten Kandidatinnen allerdings nicht zwangsläufig zu einer Sonderbehandlung. „Natürlich muss man sich in politischen Diskussionen durchsetzen können. Das gilt aber für Frauen wie für Männer“, sagt Maria Haimmerer, aktuell Zweite Bürgermeisterin in Rohrdorf.
Auch die Dritte Bürgermeisterin und Gemeinderätin von Edling, Nicole Bauer-Schäfer, bekommt laut eigener Aussage den nötigen Respekt bei ihrer Arbeit. „Mein Wort wurde bisher mit dem gleichen Gewicht behandelt wie das meiner männlichen Kollegen, was mir ein Gefühl von Gleichberechtigung und Wertschätzung vermittelte“, sagt sie. In einzelnen Punkten sei jedoch eine Diskrepanz spürbar, wie Mary Fischer, Kandidatin in Rimsting, betont: „Frauen leisten nach wie vor den Großteil der Care-Arbeit – Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Organisation des Alltags.“ Diese gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit werde politisch zwar gerne gewürdigt, strukturell aber kaum ausgeglichen.
Immer mehr Frauen
engagieren sich
Wie einige der Kandidatinnen sieht Susanne Kunz, Kandidatin in Samerberg, insgesamt eine „positive Entwicklung“. Sie hat den Eindruck, dass sich mittlerweile mehr Frauen engagieren. Auch wenn sich das noch nicht in der aktuellen Wahlliste widerspiegelt. „Die Zeiten drehen sich. Frauen können sich Gleiches zutrauen“, ist sie überzeugt, und wünscht sich wie die anderen, dass mehr weibliche Vertreter in der Politik landen.
Damit diese Tendenz weitergeht, braucht es laut Franziska Pfaffenhuber vor allem eine gute Nachwuchsarbeit für Politikerinnen, damit Mädchen schon in der Schule an das Thema herangeführt werden. Denn eines machen alle Kandidatinnen deutlich: Die Kompetenz für die Kommunalpolitik haben Frauen mindestens genauso wie ihre männlichen Kollegen.