Kolbermoor – Anne Willkommen weiß, was auf sie zukommt. Und das macht es gerade noch schwerer. Die 38-Jährige aus Kolbermoor ist an Leukämie erkrankt. Zum zweiten Mal. Das erste Mal hatte sie die Diagnose im März 2021 bekommen. Sie war damals oft schlapp, erzählt ihre Mutter Steffi. Als das Ergebnis der Blutuntersuchung vorlag, rief die Hausärztin an und sagte ihr, sie solle sofort in die Notaufnahme fahren. Vom Rosenheimer Krankenhaus wurde Anne Willkommen bald ins Klinikum nach München verlegt. „Sie war so optimistisch“, erzählt ihre Mutter. Bis Dezember werde sie alles hinter sich haben, hatte sie oft gesagt. Doch im Dezember lag sie mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus und kämpfte nicht nur mit dem Krebs, sondern auch mit den Folgen der Chemotherapie.
Erholungsphase nach
dem ersten Chemo-Zyklus
Erst Wochen später gab es wieder Hoffnung. Ein passender Stammzellenspender war gefunden. Anne kämpfte sich zurück ins Leben. Sie wurde wieder ganz gesund, engagierte sich in ihrer Freizeit nicht nur beim Roten Kreuz, sondern auch für den Verein „24h gegen Krebs“. Und sie verliebte sich. Doch Anfang Januar holte die Krankheit sie ein. Anne Willkommen bekam erneut die Diagnose Leukämie.
Gerade erholt sie sich im Krankenhaus von ihrem ersten Chemo-Zyklus, berichtet ihre Lebensgefährtin Martina Hellthaler. Sie besucht Anne fast täglich, inzwischen können die beiden schon wieder kleine Spaziergänge machen. Nur fällt Anne es diesmal schwerer als vor fünf Jahren, optimistisch zu bleiben. Denn diesmal weiß sie, was noch vor ihr liegt. Sie braucht erneut den richtigen Stammzellenspender. Vor ihr liegen Wochen, in denen sie hoffen und bangen wird – und nichts tun kann außer abwarten. „Anne will nicht als Kämpferin bezeichnet werden“, sagt Martina Hellthaler. „Sie hat sich das alles ja nicht ausgesucht. Aber sie ist stark – und sie will leben.“
Ihre Familie und ihre Freunde stehen ihr in diesen schweren Tagen zur Seite. Und sie nutzen jede Gelegenheit, um für die Typisierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) oder der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) zu werben. Annes Mutter Steffi war drei Tage mit dem Fahrrad unterwegs, um überall in Kolbermoor und Umgebung Plakate aufzuhängen – mit dem Appell, sich registrieren zu lassen. Jüngst wollte sie einen halben Tag lang vor Kaufland kostenlose Test-Kits verteilen. Jeder kann selbst mit einem Wattestäbchen einen Abstrich im Mund machen und das Päckchen zum Labor schicken. Dauert nur ein paar Sekunden, tut nicht weh, kann aber Leben retten, betont Steffi Willkommen.
Das Warten, bis der passende Spender gefunden ist, sei hingegen sehr belastend, berichtet sie. Das war schon damals vor fünf Jahren so. „Aber Anne schlägt sich gut“, sagt sie. Und auch sie selbst schöpft jedes Mal Hoffnung, wenn eine Typisierungsaktion stattfindet. Denn jedes Mal könnte ein passender Spender für ihre Tochter dabei sein.