Aschau im Chiemgau – Es läuft gut für die „Residenz Winkler“ in Aschau und ihren Chef Alexander Winkler. Erst der Erfolg im Rechtsstreit um Haus und Grund. Und nun eine hohe Anerkennung vom Guide Michelin: Während die „alte“ Residenz, vergangenes Jahr umbenannt in „Epicures“, weiter ihren Stern trägt, taucht nunmehr auch die neue „Brasserie Tafern“ auf der Deutschlandkarte des Guide Michelin auf. Die „Brasserie“ wurde neu in die Empfehlungen aufgenommen – als einer von insgesamt vier Neuzugängen in Deutschland, wie es bei Michelin heißt.
Loblied auf bodenständige
„Nebenresidenz“
Die Tester vom Guide singen ein Loblied auf den „kleinen Bruder“ des Gourmettempels. „Elegant und doch erschwinglich“ finden sie das Lokal, das direkt an die Räumlichkeiten des „Epicures“ am Kirchplatz in Aschau angrenzt – als „wunderbare Alternative“ zum feinen Diner-Restaurant. Chefkoch für beide Lokale ist Daniel Pape. Und seine klassische und mediterrane Küche überzeugt die Profi-Gäste des Guides mit ihrer Raffinesse und Leichtigkeit. Was sie auch schätzen: Von der Terrasse aus habe man Ausblick auf die Berge und die Kampenwand. Während die jährlichen Auszeichnungen des Guide Michelin erst bei der jährlichen Verleihung zu Beginn des Frühlings (diesmal in Frankfurt) bekannt gegeben werden, nehmen die Tester neue Restaurants auch unter dem Jahr in ihre Deutschland-Auswahl seiner Empfehlungen auf.
Aus der Region ist dort auch der Chiemgauhof vertreten, gelegen im exklusiven „Chiemgau Lakeside Retreat“, einem Ableger des nahegelegenen „Resort Das Achental“ in Grassau mit Edip Sigls Drei-Sterne-Lokal „es:senz“. Außerdem: der „Gocklwirt“ bei Stephanskirchen, die „Stubn“ in der Frasdorfer Hütte, „Das Bernhards“ in Oberaudorf, „Heimat“ in Reit im Winkl, „Zum Goldenen Pflug“ in Chieming und das „Hardthaus“ in Kraiburg am Inn.
Ist Alexander Winkler damit auf dem richtigen Weg? Es sieht so aus. Im Januar 2026 behielt er vor Gericht in einer wichtigen Frage recht: Wem gehören Hotel und Restaurant? Sitzt Alexander Winkler, Sohn aus erster Ehe der Koch-Legende Heinz Winkler, zu Recht in der Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die über Immobilie und Grund der Residenz in Aschau verfügt?
Oder darf künftig Heinz Winklers Lieblingssohn Constantin – aus der Ehe mit Denise – die Schlüsselrolle einnehmen? Darum ging es. Am 22. Januar 2026 äußerte sich Richterin Dr. Teresa Winner am Landgericht Traunstein klar: Alexander Winkler sitzt zu Recht an der Seite seiner Mutter Evi in der GbR. Er bleibt damit Mitinhaber der Immobilie. Heißt im Umkehrschluss: Constantin bleibt außen vor und kann nicht über die Miete mitentscheiden.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Winklers erste Frau Evi mit einem Handel ihrem Sohn Alexander diesen Platz in der GbR gesichert hatte. Heinz Winkler hatte mit Evi zusammen 1991 die Residenz aufgebaut. Die beiden ließen sich 2010 scheiden, Winkler holte Evi aber später in den Betrieb zurück. Sie verzichtete auf den sogenannten Zugewinn, der ihr nach über 20 Jahren Ehe zugestanden hätte, und zwar im Gegenzug für einen Platz für Alexander. Allerdings: Über seinen Anwalt hat Constantin Berufung einlegen lassen, das Urteil ist also bisher nicht rechtskräftig.
„Es war schauderhaft“, sagte Alexander Winkler beim Ortstermin in Aschau dem OVB über die ersten Wochen des neuen Jahres. Streit in der Familie ist nie schön. Familienzwist vor Gericht noch viel weniger. „Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand“, sagte Alexander Winkler und lächelte. Mit dem Lächeln spürte man seine Erleichterung. Man weiß schließlich nie, wie es ausgeht, wenn man in einem Rechtsstreit steckt.
Daniel Pape: Zweimal
Spitzen-Gastro in Aschau
Nun sieht es, nicht ganz einen Monat nach Ende der Winterpause, gut für ihn und seine 48 Mitarbeiter aus. Die „Residenz Winkler“ kommt nach schwierigen Jahren offenbar in ruhigere Gewässer. Dem überraschenden Tod Heinz Winklers am 28. Oktober 2022 folgte ein Rückschlag, als die Residenz ihrer zwei Sterne verlustig ging. Dann folgten Monate des Auf und Ab. Armin Karrer etwa: Selbst ein Star in der Küche, von Heinz Winkler selbst noch verpflichtet, sollte er die Nachfolge des Meisters antreten. Doch nach wenigen Wochen nahm er seinen Hut.
Schließlich kamen Daniel Pape und Stefan Barnhusen. Die beiden holten wieder einen Stern. Barnhusen verließ im Zuge der Neuausrichtung die Residenz bald wieder, aber Pape blieb an Bord. Auch als Alexander Winkler im Juni vergangenen Jahres den Gourmettempel neu ausrichtete – unter anderem mit der Aufteilung in das höchstwertige „Epicures“ und die alltagstauglichere „Brasserie Tafern“. Eine Entscheidung, die zumindest schon die Tester vom Guide Michelin überzeugt hat.
„Das ist für uns natürlich eine tolle Nachricht“, freute sich Alexander Winkler, „nur acht Monate, nachdem wir die ,Brasserie‘ eröffnet haben.“ Optimistisch ist er auch, was den Stern für „Epicures“ angeht – eben wegen der Konzentration auf die ganz hochklassige Gourmet-Küche, die die im Sommer 2025 eingeführte Aufgabenteilung zwischen „Epicures“ und „Brasserie“ ermöglichen soll.