Druck auf Ferkelzuchtbetriebe wächst

von Redaktion

Sinkende Preise für Schweinefleisch und Ferkel sowie neue Vorgaben bei den Haltungsformen bereiten den Landwirten in der Region Sorgen. Bei Versammlungen des Fleischerzeugerrings diskutierten die Bauern über die wirtschaftliche Zukunft ihrer Betriebe.

Töging – Die Preise für Ferkel und für Schweinefleisch waren in den vergangenen drei Jahren relativ gut, aber seit Jahresende sinken sie wieder einmal. Das beschäftigt die Ferkelerzeuger und die Schweinemäster in Südostbayern stark. Außerdem werden bei ihnen existenzielle Fragestellungen wie die nach der Haltungsform ihrer Tiere immer dringlicher. Das machten zwei Versammlungen des Fleischerzeugerrings Mühldorf-Traunstein vor Kurzem deutlich.

Clara Häuser und Michael Bachl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging organisierten diese Veranstaltungen beim Kreuzerwirt in Mettenheim für Ferkelerzeuger und beim Holzmannwirt in Oberneukirchen für Schweinemäster. Wegen der rückläufigen Zahl der Mitgliedsbetriebe gab es erstmals nur je eine Veranstaltung für beide Sparten.

Seuchengeschehen im
Ausland mit Folgen

Gerhard Langreiter, Vorsitzender des Fleischerzeugerrings, begrüßte rund 50 Ferkelerzeuger sowie etwa 90 Schweinemäster, unter die sich nur ganz wenige Frauen gemischt hatten: „Die wirtschaftliche Situation ist schon wieder schlecht, aber das Auf und Ab der Preise ist für uns normal“, konstatierte er.

Fachberater Michael Bachl sagte, dass nach dem guten Wirtschaftsjahr 2024/2025 niemand erwartet habe, dass der Preisverfall so schnell kommt. „Es ist schade, dass die Branche das Auf und Ab nicht besser in den Griff bekommt“, erklärte er. „In der Schweinebranche ist es schwierig, die Menge bedarfsgerecht zu steuern – anders als im Geflügelmarkt. Im Schweinebereich wirkt sich das Seuchengeschehen im Ausland aus, wo beispielsweise nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Spanien viele Ferkel aus Dänemark zu uns umgelenkt worden sind.“

Laut Clara Häuser, die beim AELF die fachliche Leitung für die Nutztierhaltung in Oberbayern innehat, ist die Zahl der Ferkelerzeuger innerhalb des Fleischerzeugerrings in den vergangenen zehn Jahren von 110 auf 67 gesunken. Die Zahl der Zuchtsauen sank in diesem Zeitraum von 9.978 auf 5.945.

Beim Vergleich der Wirtschaftlichkeit der Betriebe in ganz Bayern zeige sich, dass das beste Viertel bei gleicher Kostenstruktur ungefähr doppelt so hohe Deckungsbeiträge erwirtschafte wie das schlechteste Viertel. Das führte Häuser darauf zurück, dass die besten Betriebe mehr Ferkel pro Zuchtsau und Jahr aufziehen und damit bessere Erlöse erzielen.

Herausforderung durch
Kriterien für Tierwohl

Bis zum 9. Februar mussten alle Ferkelerzeuger erklären, ob sie ihr Deckzentrum bis zum 9. Februar 2029 und ihren Abferkelbereich bis zum 9. Februar 2036 im Hinblick auf mehr Tierwohl umbauen oder ihre Ferkelerzeugung aufgeben wollen. Laut der Referentin gibt es für den Umbau bayerische Fördermittel, unter anderem für Ausläufe bei allen Tierarten.

Eine neue Herausforderung bei der Vermarktung der Ferkel bringt zudem die freiwillige Initiative Tierwohl (ITW), deren Label Verbrauchern in den Kühltheken begegnet. Die ITW fordert, dass Schweinemäster der Haltungsformen zwei oder drei schon entsprechend aufgezogene Ferkel einstallen und dass ein Tier lückenlos von der Geburt bis zur Schlachtung unter den ITW-Standards gehalten wird. Das wird als „Nämlichkeit“ bezeichnet. Dies sei derzeit aber nur bei rund 25 Prozent der Ferkel der Fall, berichtete Franz Mitterberger, Schweine-Experte bei der VVG Bayern eG. Betriebe, die ihre Ferkel selbst erzeugen würden, täten sich leichter und bekämen für ihre Ferkel einen Zuschlag.

Johannes Reichenspurner, der bei der Erzeugergemeinschaft (EG) Südbayern in Dirlafing bei Ampfing für die Schweine- und Ferkel-Vermarktung verantwortlich ist, sagte dazu bei der Tagung der Schweinemäster, dem Handel sei die „Nämlichkeit“ der Ferkel eigentlich egal. Für kombinierte Betriebe sei es aber eine gute Sache, Ferkel und Zuchtsauen in der gleichen höheren Haltungsform aufzuziehen.

Weil die vier führenden Lebensmittel-Einzelhandelsketten Haltungsformen für mehr Tierwohl fordern, haben diese jedoch auch für die 101 Schweinemäster des Fleischerzeugerrings eine große Bedeutung, deren Zahl laut Fachberater Michael Bachl seit drei Jahren stagniert. Sie halten aktuell 191.541 Mastschweine, etwas weniger als im Jahr zuvor.

Wirtschaftlichkeit der
Haltungsformen im Fokus

Über Bayern hinweg war 2024/2025 die Haltungsform 1 mit Erfüllung gesetzlicher Standards führend. Auf sie entfielen 721 Schweinehalter mit rund 1,60 Millionen gehaltenen Tieren. Nach der Haltungsform zwei, die im Wesentlichen mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere fordert, wirtschafteten 317 Betriebe mit 963.385 Tieren. Die Haltungsform drei, die vor allem die Haltung auf Stroh und einen Außenklimareiz voraussetzt, konnten nur 51 Betriebe vorweisen, die 96.311 Tiere halten.

Der Fachberater rechnete vor, unter welchen Voraussetzungen es sich lohnt, statt zwölf Tieren in einer Bucht, wie heute meist üblich, nur noch neun in einer Bucht zu halten, um so dem in der Haltungsform zwei geforderten Platzbedarf zu erfüllen. „Man muss das für jeden Betrieb individuell berechnen“, bilanzierte Bachl. „Je größer die Buchten schon sind, desto leichter tut man sich. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass man mit einer höheren ITW-Stufe und einem entsprechenden Preiszuschlag weniger Tiere vermarkten kann.“ Je weniger man seinen Bestand verringern müsse, desto eher habe man einen Vorteil. Man könne mit der höheren Stufe aber auch Geld verlieren.

„Sie haben uns schön gezeigt, dass die Haltungsform 2 nichts bringt“, kommentierte darauf der Reischacher Schweinezüchter Franz Baisl. „Man wird über die Regionalität dazu erpresst, für einen zu geringen Zuschlag auch noch die höhere Haltungsform zu bieten.“

Vermarktung und die
Zukunft des Schlachthofs

Bei der EG Südbayern entfallen laut Johannes Reichenspurner 52 Prozent der vermarkteten Schweine und Ferkel auf die Haltungsform eins, 35 Prozent auf die Haltungsform drei und 13 Prozent auf die Haltungsform drei. Letztere setze einen Vertrag für ein festes Vermarktungsprogramm vor dem Stallumbau voraus. Die EG habe hier Verträge für 65 Betriebe und 127.260 Mastschweine.

Da die EG auch den im Bestand gefährdeten Landshuter Schweine-Schlachthof betreibt, erklärte Reichenspurner, derzeit gebe es wieder Hoffnung, dass die Schweineschlachtung dort weitergehen könne.

Artikel 2 von 11