Ermittlungen nach Beinahe-Zugunglück

von Redaktion

Lokführer verhinderte Auffahrunfall

Schwindegg – Nach einem Beinahe-Zusammenstoß zweier Züge der Südostbayernbahn ermittelt nun die Bundespolizei. Wie berichtet, waren sich am vergangenen Freitagvormittag zwei Regionalbahnen der Linie RB40 östlich des Bahnhofs Schwindegg (Kreis Mühldorf) auf der eingleisigen Strecke gefährlich nahe gekommen. Nur knapp konnte ein Auffahrunfall vermieden werden. Der Lokführer des Regionalzuges wäre beinahe auf einen vor ihm fahrenden, verspäteten Zug aufgefahren. Angeblich konnte er den Zug nur 50 Meter entfernt stoppen.

Im Raum stehe der Straftatbestand einer Gefährdung des Bahnverkehrs, erklärte eine Sprecherin der Bundespolizei in Freilassing. „Gegen wen sich die ‚Ermittlungen konkret richten, dazu können wir noch keine Aussage treffen.“ Auch der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) wurde das Vorkommnis gemeldet. Ob eine Untersuchung auch durch die BEU erfolgt, stehe noch nicht fest, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Im Internet kursieren Gerüchte, wonach der Fehler von einem Fahrdienstleiter verursacht worden sein soll. Polizei und Bahn bestätigen das nicht.

Zugbegleiterin beruhigte Fahrgäste

Ein Fahrgast berichtete unserer Zeitung, wie er den Vorfall erlebte. Die schon stark verspätete RB 40 fuhr demnach gegen halb neun von Ampfing Richtung München ab, doch ging es nur ruckweise vorwärts. Zunächst stoppte der Zug regulär am nächsten Bahnhof Weidenbach. Danach ging es weiter Richtung Schwindegg. Vielleicht 200 Meter vor dem Bahnhof stoppte der Zug schließlich für längere Zeit – „eineinhalb Stunden waren es bestimmt“. Nach einer Weile konnte man vom Zugfenster aus sehen, wie ein Fahrzeug des DB-Notfallmanagers am Bahngleis anhielt und dann Fotos vom Zug machte. Der Mann kam dann in Begleitung eines zweiten Lokführers in den Zug. Offenbar musste der Lokführer abgelöst werden. Die Zugbegleiterin versuchte unterdessen, die Fahrgäste zu beruhigen. Die meisten Reisenden hätten gedacht, dass jemand vom Zug erfasst worden sei. Dem war zum Glück nicht so.

Nach Angaben einer Bahnsprecherin geschah der Fehler nach dem Stopp des Zuges in Weidenbach. Er sei danach „versehentlich in einen Gleisabschnitt geleitet“ worden, „der von einem anderen Zug besetzt war“. Die Sprecherin betont: „Die Züge sind hintereinander hergefahren, es gab somit kein Risiko eines Frontalzusammenstoßes“ – anders als 2016 beim Zugunglück in Bad Aibling. Sach- oder Personenschäden gab es am Freitag nicht, betont die Bahn.

Die Folge waren aber starke Verspätungen. Der Zug, in dem der Fahrgast saß, konnte schließlich bis Schwindegg fahren. Danach hieß es dort jedoch aussteigen – zur Weiterfahrt mit dem Bus bis Dorfen. Dort wartete der nächste Zug. Insgesamt dauerte die Reise bis München am Freitag gut drei Stunden. Dirk Walter

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