Rosenheim – Die Imker aus Stadt und Landkreis Rosenheim sehen sich mit neuen Bedrohungen für ihre Bienenvölker konfrontiert, setzen aber zugleich auf intensive Zusammenarbeit und Weiterbildung. Bei der gut besuchten Frühjahrsversammlung konnte Angela Sollinger, die Vorsitzende des Kreisverbands Imker Rosenheim, zahlreiche Ehrengäste begrüßen.
Landrat Otto Lederer hob in seinem Grußwort die Arbeit der Imker hervor, die einen erheblichen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisteten und Natur und Landwirtschaft harmonisch verbänden. Er wies darauf hin, dass mit der amerikanischen Faulbrut und dem Auftreten der asiatischen Hornisse neue Herausforderungen auf die Imker zukämen. Lederer dankte dem Kreisverband dafür, durch intensive Fortbildungsarbeit gerade auch Jungimker gezielt auf diese Probleme vorzubereiten.
Der Landtagsabgeordnete Sepp Lausch lobte die Imker, nie die Verbindung zwischen Bevölkerung und Politik aus den Augen zu verlieren. Im Herbst sei bei der Führung einer großen Zahl Imker im Landtag deren großes Interesse an politischer Arbeit deutlich geworden. Landtagsabgeordneter Daniel Artmann zeigte sich beeindruckt. Er sah es als eine große Aufgabe der Imker an, Kindern im Rahmen des Unterrichts die Leistung von Bienen näherzubringen. Ein besonderer Wesenszug der Bienen sei es nach seinen Worten, stets zusammenzuhalten und alle Anforderungen des Bienenlebens mit System anzugehen.
Landtagsabgeordneter Sebastian Friesinger, bienenpolitischer Sprecher im Agrarausschuss des Landtags, stellte angesichts des möglichen Eindringens der asiatischen Hornisse in Südbayern fest, dieser Feind der Bienen müsse rechtzeitig erkannt und bekämpft werden.
Neue Herausforderungen
gemeinsam lösen
Dr. Ernst Andiel, der Leiter des Veterinäramtes Rosenheim, wies darauf hin, dass den neuen Herausforderungen nur durch gemeinsames Handeln begegnet werden könne. Ein Beispiel für enge Zusammenarbeit sei die Bekämpfung der amerikanischen Faulbrut, die 2024 in Rosenheim aufgetreten und von den Imkern zusammen mit Helfern des Veterinäramtes so gut unter Kontrolle gebracht worden sei, dass er hoffe, die noch bestehenden Einschränkungen 2026 aufheben zu können. In einem kurzen Rückblick stellte Angela Sollinger die Aktivitäten des Kreisverbandes im Jahr 2025 vor. Die Belegstelle Wendelstein werde jetzt von einem Team geführt, in dem sie kommissarisch die Leitung übernommen habe. Um die Belegstelle gebe es seit 1977 einen Schutzkreis von 7,5 Kilometern, um einen Zuflug von Fremdbienen zu verhindern. Alle Imker innerhalb dieses Kreises seien im vergangenen Jahr vom Bezirk Oberbayern auf die geltenden Vorgaben hingewiesen worden. Sollinger bat darum, Völker nicht im Internet zu erwerben, sondern auf einheimische Bienen zurückzugreifen, um das Einschleppen von Krankheiten zu verhindern.
Wie weiter berichtet wurde, führt Simon Fischler zusammen mit Christian Fischer und Robyn Mühlberger das Faulbrutmonitoring im Landkreis durch. Nach der Sanierung befallener Völker in 2024 seien mittlerweile 328 Völker im Landkreis auf Faulbrut beprobt worden, die alle keine Sporen aufgewiesen hätten.
Problematisch sei, dass 80 Prozent der ausländischen Honige Faulbrutsporen aufwiesen. Es sei daher dringend erforderlich, nur gewaschene Honiggläser in Glascontainer einzuwerfen, da ansonsten Bienen die Reste aufnähmen und weitertrügen. Der Landkreis habe vorbeugend in vorbildlicher Weise Aufkleber an allen Containern angebracht.
Königinnenzucht
als Zukunftschance
Im anschließenden Fachvortrag stellte Manfred Bortenschlager, der Vorsitzende des Kreisverbands Imker Freising, das Vorgehen bei der Zucht von Bienenköniginnen dar. Ausgehend von der Entwicklung der Zucht seit 1950 erläuterte er, dass Königinnen aus ganz Bayern in drei staatlichen Bienenhöfen geprüft würden, um durch Selektion Varroatoleranz und Vitalität zu fördern. Darüber hinaus zeigte er die Vorteile eigener Zucht auf: Die Königinnen könnten aus bekannten Völkern gewonnen werden, sie seien widerstandsfähig, lieferten einen guten Ertrag und seien sanftmütig. Auf Belegstellen kämen jeweils selektierte Drohnen und Königinnen zusammen, damit keine Verfälschung durch andere Rassen erfolge. Gerade bei Gebirgsbelegstellen wie am Wendelstein sei ein Begatten durch fremde Drohnen wegen der unterschiedlichen Höhenlage praktisch ausgeschlossen.