Erste Hilfe wird zur Berufung

von Redaktion

500 junge Schulsanitäter vertiefen Wissen in Rosenheim – Höchste Anmeldezahl in der Geschichte

Rosenheim – Erste Hilfe als gelebter Alltag: In Rosenheim vertiefen am Samstag, 7. März, rund 500 junge Schulsanitäter aus ganz Bayern in etwa 30 praxisnahen Workshops ihr Können – und erhalten zugleich Einblicke in mögliche berufliche Wege im Rettungsdienst und in der Medizin.

Der Praxistag Schulsanitätsdienst der bayerischen Hilfsorganisationen findet in diesem Jahr erstmals an der Technischen Hochschule Rosenheim statt. Wie die bayerischen Hilfsorganisationen mitteilen, kommen die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen von rund 70 Schulen aus ganz Bayern, eine Gruppe reist aus Sofia in Bulgarien an. Insgesamt nehmen 498 Personen teil, darunter 421 Schülerinnen und Schüler sowie 77 Lehrkräfte, die sich ebenfalls ehrenamtlich im Schulsanitätsdienst engagieren. Der Praxistag existiert seit 15 Jahren, bislang nahmen durchschnittlich rund 300 Kinder und Jugendliche pro Jahr teil, im vergangenen Jahr stieg die Zahl bereits deutlich an.

In den Workshops trainieren die jungen Schulsanitäter den Umgang mit Verbrennungen, Knochenbrüchen, starken Blutungen, Allergien, Vergiftungen und akuten Bauchschmerzen. Sie üben Herz-Lungen-Wiederbelebung mit AED und Beatmungsbeutel, lernen Trage- und Transporttechniken und erhalten grundlegende Informationen zum Verhalten im Katastrophenfall. Weitere Angebote widmen sich Drogennotfällen, Quetschungen und Amputationen, Hyperventilation sowie dem richtigen Vorgehen bei starken Blutungen an Armen, Beinen, Kopf und Rumpf.

Ein mobiler Erste-Hilfe-Escaperoom des Österreichischen Roten Kreuzes ermöglicht es den Teilnehmenden, Notfallmaßnahmen unter Zeitdruck zu trainieren, ihre Kommunikation zu verbessern, im Team zu arbeiten und Lerninhalte spielerisch zu verinnerlichen. Erstmals stehen in Rosenheim zudem Workshops zur Berufsorientierung auf dem Programm: Die Jugendlichen erhalten aus erster Hand Einblicke in die Aufgaben eines Notfallsanitäters und eines Arztes. Damit soll der Weg „vom Ehrenamt zur Berufung“ aufgezeigt werden. Für die verantwortlichen Lehrkräfte werden sieben unterschiedliche Workshops angeboten, unter anderem zu Organisation und Leitung des Schulsanitätsdienstes sowie zu Kindernotfällen.

Der Workshop „Reanimation im Klassenzimmer“ für Lehrkräfte wird laut Angaben der Organisatoren durch das Staatsministerium für Unterricht und Kultus als Fortbildung anerkannt. Organisiert und durchgeführt wird der Praxistag gemeinsam von den fünf großen bayerischen Hilfsorganisationen. Nach deren Angaben qualifizieren und betreuen sie zusammen mehrere Tausend Schulsanitäter an rund 1.000 Schulen im Freistaat. Das Fortbildungsangebot am Praxistag bildet das gesamte Spektrum an Notfallmaßnahmen ab und steht im Einklang mit der kultusministeriellen Bekanntmachung von 2019, wonach Erste Hilfe und das Engagement im Schulsanitätsdienst zentrale Bestandteile der Sicherheits- und Gesundheitsbildung sind.

Auf dem Gelände der Hochschule präsentieren sich zahlreiche Einsatzkräfte und Spezialfahrzeuge: Rettungs- und Einsatzfahrzeuge aller Hilfsorganisationen, Fahrzeuge der Feuerwehr und des THW, Drohnen, ein Boot der DLRG, Motorradstaffeln des BRK und des Malteser Hilfsdienstes sowie ein Wünschewagen des ASB.

Aus Augsburg wird ein Intensivkrankentransport des BRK erwartet, der zeigt, wie Menschen in akut lebensbedrohlichem Zustand transportiert werden können. Eine Rettungshundestaffel demonstriert ihre Arbeit. Die Psychosoziale Notfallversorgung erläutert, wie Betroffene, Angehörige, Ersthelfer und Einsatzkräfte nach Unfällen oder Katastrophen umgehend unterstützt werden, um psychische Belastungen zu verringern. Am Praxistag wirken rund 40 Referenten sowie etwa 100 Helfer mit und gestalten den Ablauf.

Die Verpflegung übernimmt erstmals die Schnell-Einsatz-Gruppe des BRK in Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst, die sonst vor allem bei Großeinsatzlagen für die Versorgung zuständig ist.

Die bayerischen Hilfsorganisationen sehen in den hohen Anmeldezahlen ein deutliches Signal, dass Erste Hilfe bei jungen Menschen so gefragt ist wie nie. Nach Angaben von Marvin Kliem zeige der Schulsanitätsdienst, wie stark Solidarität und Zusammenhalt auch bei der jungen Generation verankert seien und dass frühes Lernen von Erster Hilfe nicht nur die Sicherheit, sondern die gesamte Gesellschaft stärke.

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