Rosenheim – Arnulf Schuchmann war gut drauf. Der Geschäftsführer der Bayerischen Regiobahn (BRB) reiste an diesem Vormittag nach Rosenheim, um das neue BRB-Kundencenter offiziell einzuweihen. Lange war ungewiss, wie es mit den Räumen weitergehen sollte, nachdem Anfang 2025 bekannt geworden war, dass das Servicezentrum der Deutschen Bahn im Bahnhof schließt. Jene Anlaufstelle, wo Kunden Tickets kaufen, Umbuchungen vornehmen und Sitzplätze reservieren konnten.
Ein wichtiges Angebot, das da wegfiel. Die Sorge bei den Rosenheimern war daher groß. Bis Annette Luckner, Sprecherin der Bayerischen Regiobahn, Entwarnung gab. Sie berichtete, dass die BRB das komplette Reisezentrum in Rosenheim übernehmen werde. Monatelang blieben die Räume im Bahnhof aufgrund von Sanierungsarbeiten dann aber erst einmal geschlossen. Gestern wurde das neue Kundencenter offiziell vorgestellt. Neben Arnulf Schuchmann nahmen unter anderem Oberbürgermeister Andreas März und Stefan Schell, Leiter des Schienenpersonenverkehrs im Verkehrsministerium, an dem Termin teil. „Wir haben die komplette Fläche übernommen, teilweise mit dem Obergeschoss“, sagte Schuchmann. Statt wie in der Vergangenheit nur zwei Verkaufsschalter zu betreiben, setzt die BRB auf drei Schalter. Zudem gibt es Büros für die Mitarbeiter und das Zugpersonal. Dazu Pausen- und Sanitärräume. In dem neuen Kundencenter verkaufen die Mitarbeiter in Zukunft nicht nur Nah-, sondern auch Fernverkehrstickets. Außerdem können neben Bahncards auch Deutschlandtickets erworben werden. „Es gefällt mir sehr gut“, sagte Schuchmann, während er sich in dem Kundencenter umblickte. An einem der Schalter hatte sich während seiner Rede bereits eine kleine Schlange gebildet. Einige Kunden wollen Tickets kaufen, andere haben Fragen zu ihren Buchungen. „Es scheint gut zu laufen“, sagte der Geschäftsführer. Ebenfalls im BRB-Kundencenter untergebracht ist eine Art Fundbüro. „Es wird alles vergessen, was nicht am Arsch festgewachsen ist“, sagt Schuchmann und lacht. Kurz hält er inne. „Kinder haben wir noch nicht gefunden, dafür aber Räder und Kinderwagen.“ Über 1.000 Fundsachen liegen derzeit im BRB-Kundencenter. Darunter Handys, Regenschirme und diverse Kleidungsstücke. Nach einem halben Jahr werden die Gegenstände verkauft, der Erlös wird gespendet, unter anderem an Tierheime. Nicht nur Schuchmann war begeistert. Viel Lob gab es auch von Stefan Schell. Der Leiter des Schienenpersonenverkehrs im Verkehrsministerium sprach sogar von einer „Weltpremiere“. „Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hochgestochen, aber wir Bayern neigen ja eher nicht zur Bescheidenheit“, sagte er. Weltpremiere deshalb, weil es das erste Kundencenter im bayernweiten Landesdesign ist. Künftig sollen übrigens auch alle neuen Regionalzüge und S-Bahnen mit weiß-blauen Rautenmustern rollen. „Das vereinheitlichte Design soll Fahrten intuitiver machen und bietet eine bessere Orientierung am Bahnsteig“, sagte Schell. Er sprach von einer Erleichterung und einem „Abbau von Barrieren“. Dass es nach der Schließung des DB-Reisezentrums weitergeht, freut auch Oberbürgermeister Andreas März. Er habe in der Vergangenheit zahlreiche Zuschriften erhalten, mit der Aufforderung, dass er sich für einen Erhalt einsetzen möge. „Das haben wir gemacht“, sagte er.
Er sei froh darüber, dass sich die Bayerische Regiobahn dazu entschlossen habe, das Kundencenter zu übernehmen. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort“, sagte er. März erinnerte daran, dass sich nicht jeder Fahrgast mit dem Handy auskenne. Gerade wenn es um Umbuchungen oder den Kauf von Fahrkarten ins Ausland geht, sei es oftmals einfacher, mit „echten Menschen“ ins Gespräch zu kommen.
Anna Heise