Stefan Krölls Fastenpredigt: griffig, aber nicht giftig

von Redaktion

Mit Spannung wurde sein Debüt erwartet, mit stehenden Ovationen gefeiert: Stefan Kröll ist der neue Prediger beim Starkbierfest in der Auerbräu-Festhalle. Der Kabarettist teilte bei seiner gelungenen Premiere ordentlich, aber nicht maßlos aus.

Auch die versammelten Lokalpolitiker um Rosenheims OB Andreas März und Landrat Otto Lederer konnten sich das Lachen nicht verkneifen.

Rosenheim – Der Abschied nach dem Abschied war kein leiser: Einmal noch stieg der langjährige Auerbräu-Prediger Peter Kirmair auf die Bühne, im dunklen Gewand, mit Hut, als Auerbräu-Gründer Johann Auer. Firmengeschichte aus Sicht eines Schlitzohrs, versüßt mit dem Bekenntnis zu dem, was bleibt: „Einmal Auer, immer Auer!“ Dann vollzog Kirmair den Stabwechsel nach Brauer-Art: mit einem „Wechsel für den Wechsel“.

Zunächst
artig gedankt

Wechsel, so nennt man auch den Messing-Zapfhahn für das Holzfass. Unentbehrlich fürs Anzapfen und Einschenken! Entgegennahm ihn Stefan Kröll (55), Kabarettist aus Feldkirchen-Westerham, als der Neue auf der Starkbier-Kanzel der Auerbräu-Festhalle, geheim gehalten bis zur letzten Minute. Kröll bedankte sich artig bei seinem Vorgänger – und legte dann los: über Politiker aus Landtag, Bundestag, Rathaus und Landratsamt, über Wellenreiter im Trachten-Neopren und den Horror in Rosenheim.

Kröll witzelte gleichermaßen über Politiker, die zur Wahl am 8. März ihren Abschied angekündigt haben und über die, die noch nicht wissen, dass das Ende naht. Über die „Mutter der Westtangente“ und Bürgermeister von der Reservebank, ablösefrei für den Bürger-Meistertitel, gekleidet ins karierte Großkaro-Trikot. Und über Bären-Sichtungen und die neue Rohrpost für den Samerberg.

Stefan Kröll kommt spürbar vom Kabarett, lieferte einen souveränen Auftritt mit einer fantastischen Luftreise über die Region und einer ersten Liebeserklärung.

Es gab viel Gelächter – und am Ende einer dichten Predigt von gut einer Stunde Ovationen. Griffig, aber nicht zu giftig. Und ganz ohne Trump. Kröll ist gekommen, um Stammgast zu werden.

Die besten Stellen seiner Premiere: Zur Westtangente: „Die Aicherpark-Bruckn is mit 670 Metern Länge tatsächlich die längste Bruckn an einer Bundes- oder Staatsstraße von ganz Bayern. Respekt. Do redt sogar da Herr Söder von der ,Bayerischen Golden Gate Bridge‘, aber mia kennantn ja. Oiwei a bissl drüber, der gute Herr Ministerpräsident!“

„Die Mutter der Westtangente – Frau Daniela Ludwig – hod ned kemma kinna. Ausgerechnet an diesem Dog gibt’s in Berlin a wichtige, namentliche Abstimmung und sie konn ned dabei sei. Aber sonst war alles da! Es war ein Trachtenjoppen-Schaulaufen. Des ganze Herbstfest-Loden-Geschwader is aufmarschiert. Von da Tegernseer Joppen bis zum beigen Sommer Stoiber.“

Zu Peter Ramsauers Missgeschick bei der CSU-Klausur in Seeon: „Dann hod er rangiert mit seim Auto, da Herr Ramsauer, und hod woih irgendwie an Polizisten ned gseng, der ganz plötzlich do gstandn ist. Jetzt duad‘s an Dumpfen, da Polizist schreit ‚Aua‘ – und da Ramsauer schreit ‚Äha‘. In Rosenheim iss a bissl anders, do sogt da oane ‚Auer‘, sogt da ander ‚Na, Flötzinger‘.“

Zu Freien Wählern und Social Media: „Da Sepp Lausch schneidt auf Facebook mit da Motorsog völlig unschuldige Baam auseinander und schreit dabei: Bearbock hau ob! Schleich di! Do kriagt der Begriff ‚Lauschangriff‘ a ganz a andere Bedeutung! Ja, do hod er scho einiges glernt von eahnam ersten Trompeter – am Aiwanger Hubsi.“ – „Tagesseminar mit Sebastian Friesinger in Albaching. Thema: ,Spatenstich – aber richtig‘. Sebastian Friesinger erklärt Techniken mit verschiedenen Spaten-Typen. Profitieren Sie von seiner Erfahrung aus über 650 Spatenstich-Aktionen in ganz Bayern.“

„Im Netz sehr aktiv ist natürlich a da Oberbürgermeister Andi März. Andi März, an die Arbeit. Do muaßt erst amoi drauf kemma. Jetzt heißt es: An die Arbeit – und wenn die Wahl guad ausgeht – An die Bar! Beim Daniel Artmann und beim Andreas März sigt ma bei den Instagram-Auftritten: Ois CSU-Politiker muaß ma a Menge Geld fürs Trachtengwand ausgeben. Du, de fahrn auf, immer mit da neusten Trachtenkollektion. A CSU-Gruppenfoto konn sich BEO, da Jäger und da Unterseher jederzeit ins Schaufenster einestäin.“

„Die SPD schickt an Abu Erdogan ins Oberbürgermeister-Rennen. Er achtet in seine Internet-Auftritte immer sehr genau auf des richtige Bierflaschl im Bild. Aus heutiger Sicht des foische Bierflaschl, nämlich ausm roten Tragl. Aber heid iss eahm scheinbar egal. As Freibier is ned teurer worden, sondern nur seltener.“

Rosenheims gruseligste Orte: „Wos viele ned wissen: Rosenheim is ois Filmstadt ned nur für die Rosenheim Cops bekannt. Nein! Seit Kurzem wird in der Stadt a Gruselfilm draht. Ein furchteinflößender Horrorfilm mit dem Titel: ,Die grausame Kammer des Schreckens!‘ Der Film spuit ausschließlich in den öffentlichen Toiletten der Stadt Rosenheim.“

Rosenheimer Welle: „Wie eröffnet ma so eine neue Surfwelle, wenn de dann amoi fertig is? Wia soid denn do da Friesinger Wast des Bandl durchschneiden? Der Bach wead zunächst aufgstaut. Dann machan die Daniela Ludwig, da Andi März, da Otto Lederer und da Friesinger Wast gemeinsam den Schuber auf. Der Bach nimmt mit gewaltigem Schwung seinen Lauf. Auf die Welle springt mit einem schwarzen CSU-Surfbrett der erste Surfer. Es ist – Daniel Artmann! Mit einem Neopren-Trachtenanzug vom Unterseher! Und er surft unter dem Applaus der Freien Turnerschaft Rosenheim ins Abendrot hinein.“

Zu Landrat Otto Lederer, Parallelen zum Wittelsbacher in Hellas und Konflikten mit Untertanen: „König Otto von Griechenland formte einen intakten Regierungsapparat und hatte seine Beamten gut im Griff. Das Land blieb jedoch von kleineren Aufständen und Revolten nicht verschont. Des san in Deinem Fall die Bürger aus Rott. Oder die Gegner vom Brenner-Nordzulauf.“

Zur Bärensichtung am Samerberg: „Mei Verdacht is, des war gar koa echter Bär, sondern der Hubär: Da Hubär Schorsch (Bürgermeister von Samerberg, Anm. der Red.) is mit am Bärenkostüm verkleidet im Holz ummanand und hod versucht, damit den Fremdenverkehr anzukurbeln.“

Projekte in Samerberg und Raubling: „Grobn und bohrt wead do im Landkreis Rosenheim, des is enorm. Da Huber Schorsch vom Samerberg, der bohrt von oben nach unten, da Olaf Kalsperger bohrt von Raubling aus in d’Stadt eine. Wenn ma de zwoa Leitungen zammschliaßt, dann konnst in Zukunft die Törwanger mit der Rohrpost nach Rosenheim in d’Arbat schiaßn. Beim Krones machans in da Friah an Deckel auf, hupfan zwoa Samerberger außa.“

Bürgermeister in der Wechselzone: „I schau umme nach Feilnbach. Do radelt oana. Er tragt bezeichnenderweise ein Karo-Hemd. Es ist der Wallner Anton auf dem Weg nach Großkarolinenfeld.“

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