Der neue Prediger bei der Starkbierprobe

von Redaktion

Sein Debüt als Prediger bei der Starkbierprobe in der Auerbräu-Festhalle in Rosenheim ist geglückt. Stefan Kröll erhielt für seinen Auftritt viel Beifall. Der Kabarettist aus Feldkirchen-Westerham verrät, woher er seine Ideen nimmt und warum er bei seiner Predigt auf reines Meckern verzichten will.

Rosenheim – Hinterher gab‘s langen Beifall, es seien viele Menschen auf ihn zugekommen, die ihm gratuliert hätten, erzählte Stefan Kröll am nächsten Morgen. Erleichtert sei er, das schon, klar, ein bisserl aufgeregt ist man schließlich vor solchen Auftritten. Genossen habe er es aber auch: sein Debüt am Donnerstagabend, 26. Februar, als Prediger bei der Starkbierprobe in der Auerbräu-Festhalle in Rosenheim.

Als Fußballer spielte er
beim TSV 1860 Rosenheim

Das ist schon ein Ding; Hunderte von Menschen in der Halle, alle ziemlich gut informiert über die Vorgänge in Rosenheim und der Region. Und grad vor der Kommunalwahl am 8. März natürlich besonders gespannt: Wer von den vielen Kandidaten an den Tischen direkt vor der Bühne bekommt am meisten ab? Und wer von den Kandidaten zieht ein Gesicht dazu?

Nicht vorkommen ist nicht gut; schlecht aussehen dabei noch schlechter. Was den Kandidaten Kröll, Stefan, betrifft, 55 Jahre alt, aus Feldkirchen-Westerham, parteilos, Kabarettist: Es ging gut aus. Für ihn und die Zuschauer in der Halle. Die meisten von ihnen (mit Ausnahme vielleicht des einen oder anderen Kandidaten) fühlten sich offensichtlich gut und angenehm unterhalten.

Vor seinem Auftritt hat sich Stefan Kröll mit dem OVB-Reporter unterhalten. In dem Winkel der Auerbräu-Festhalle, der dem Künstler vorbehalten ist. Wenn er wirklich aufgeregt war, hat er‘s gut verborgen. Vielleicht ist es seine Routine, nach über 20 Jahren auf der Bühne. Kröll erzählte davon, wie er zum Kabarettisten geworden sei. Schon früher habe er bei Familienfesten und Geburtstagen die Gäste unterhalten wollen, zusammen mit seiner Schwester Lieder gesungen – am liebsten von Fredl Fesl –, Witze präsentiert oder Einakter aufgeführt. So muss das angefangen haben. Zumindest stellte Kröll wohl fest, dass die Show ihm Spaß macht. Und den Zuschauern auch. Aufgewachsen in Feldkirchen-Westerham, ist er in der Region tief verwurzelt. Auch als Sportler. Kröll spielte beim TSV 1860 Rosenheim in der Landesliga. Sein Libero-Debüt in der ersten Mannschaft feierte er, als sich der etatmäßige freie Mann verletzte: Hans-Jürgen „Bärli“ Ziegler, langjähriger OVB-Sportchef, „der alles überstrahlende Kapitän, ein Top-Mann“, wie sich Kröll erinnert. Damals dachte er vermutlich noch nicht an einen Job als Kleinkünstler. Mit der Bühne hat er zehn, 15 Jahre später angefangen. Gelernt hat er den Beruf des Schreiners. Und als Innenausstatter hat er noch immer ein Standbein neben dem Beruf als Kabarettist. „Und beides mache ich mit Herzblut“, sagt er.

Kröll ist als Unterhalter ein Profi, der weiß, was er will. Er hat einen Anspruch an sich. Einfach meckern ist ihm zu blöd. „Machts eine Schimpf-Diät“, rät er. Er will vielmehr, dass die Leute mit ihm nachdenken. Ist er Comedian? Hm, die Unterscheidung sei ihm nicht wichtig, sagt er. „Wenn beim Zuhörer ein bisschen mehr passiert als nur der Lacher, dann ist es näher am Kabarett“, fügt Kröll dann aber doch hinzu. Und das muss gar nicht immer witzig sein, es darf auch einfach nur schön sein. Schön im Sinne von Kunst, schön im Sinne von Architektur. Es kann also schon sein, dass er bei seinem Auftritt das Wesen einer dorischen Säule erklärt. Oder über Malewitsch’ „Schwarzes Quadrat“ sinniert. Oder Alexej von Jawlenskys berühmtes Bildnis des Tänzers Sacharoff. Dieses Bild zum Beispiel habe ihn umgehauen, sagt Kröll. Ein bayerischer Jedermann mit der Gabe des Staunens.

„Meine Idee von Kabarett“
– ein Profi mit Anspruch

Und mit Horizont. „Grad war‘s noch lustig, und dann erkläre ich Malewitsch, und diese Zwei-Minuten-Passage ist überhaupt nicht lustig, aber es ist doch die wertvollste Passage des Abends, weil die Zuschauer für sich selber ein Bild mitnehmen, das vielleicht als Symbol für den nächsten schwierigen Tag steht“, erklärt Kröll sein normales Bühnenprogramm. „Und das ist meine Idee von Kabarett.“ Wer ihn vorher nicht kannte, hat‘s am Donnerstag mitbekommen: Kröll will einem ins Gewissen predigen. Einen um die Zuversicht bringen, das will er nicht.

Artikel 1 von 11